Richard Lindner (1901–1978) — Retrospektive

AUSSTELLUNG 07.02 – 27.04.97

Richard Lindner, 1901 in Hamburg geboren, floh 1933 vor der Nazi-Diktatur aus Deutschland. In den 1940-er Jahren, zur Blütezeit des Abstrakten Expressionismus in New York entwickelte er — avantgardistischen Trends diametral entgegengesetzt — sein verstörendes Oeuvre. 
Während sich die Zeitgenossen der Abstraktion zuwandten, verdichtete er in seinen mit größter Präzision gemalten Bildern die Menschen — grotesk überzeichnete Kinder, roboterhafte Paare und Unterweltgestalten — zur Vision einer gespenstisch verzerrten Menschheit. Aus seinen Bildern sprechen die soziale Entfremdung und die moralische Krise des 20. Jahrhunderts. 
Nach seiner Ausbildung als Gebrauchsgrafiker an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg war Lindner seit 1929 als Chefgrafiker des Verlags Knorr und Hirth in München sowie als Karikaturist für die Münchner Neuesten Nachrichten tätig. Seine ersten Gemälde malte Richard Lindner erst als 47-Jähriger in New York. 
Die Porträts der französischen Schriftsteller Proust und Verlaine dokumentieren seine stilistische Orientierung an der Neuen Sachlichkeit und sein Selbstverständnis als Außenseiter. Die Bildnisse von Knaben mit geschlossenen Augen knüpfen mit ihren schwebenden Körpern an die Pittura Metafisica Giorgio de Chiricos sowie an die schwellenden Figurinen Oskar Schlemmers an. 
Schließlich gelang Richard Lindner mit dem Gemälde "Die Versammlung" (1953) sein wichtigstes Bild. Die neun in einem kastenartigen Bühnenraum zusammengeführten Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart werden in der starren, in sich gekehrten Haltung zum Sinnbild des im Exil lebenden Künstlers. Der distanzierte Außenseiter der Gesellschaft wird zu ihrem schärfsten Beobachter. 
Gespeist aus autobiografischen Erinnerungen und metaphorischen Anspielungen auf sein neues Leben, befreite das Gemälde Lindner von seiner europäischen Vergangenheit und brachte den Anschluss an die amerikanische Gegenwart und seine zukünftige Identität als Künstler. Die Frau im Korsett in der Bildmitte sollte in den folgenden Jahrzehnten die Hauptdarstellerin seiner Bildinszenierungen werden. Der vom Korsett eingeschnürte Leib der üppigen Frau verkörpert für Lindner Künstlichkeit und Natürlichkeit zugleich und thematisiert damit die doppeldeutige Rolle der Kunst. 
In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre fand Lindner zu seinem reifen Stil. Nun wird die maskenhaft geschminkte und grotesk verkleidete Domina zum vorherrschenden Motiv seiner Bilder. Auf dem Laufsteg New Yorks prostituiert sie sich als Täterin und Opfer in der Welt des Konsums und der Medien, ohne mit den Knaben oder Männern an ihrer Seite zu kommunizieren. 
Die Beziehungslosigkeit wird in den Paarbildnissen der 1970-er Jahre zum Hauptthema Richard Lindners. Der plakativ-bunten Bildoberfläche entsprechen die monströsen Kleiderpanzer, unter denen die schweigende Teilnahmslosigkeit der Großstadtbewohner ihre beunruhigende Wirkung entfaltet. Hinter den harten Kanten der Farbflächen und den maskenhaften Gesichtern verbirgt sich eine dem Betrachter unzugängliche Innenwelt. In dieser Kombination aus Oberflächlichkeit und verschlossener Innenwelt zeigt sich der im Exil lebende Künstler, der seiner eigenen, europäischen Kultur entfremdet ist und zugleich ein Fremder in der Kultur des Gastlandes bleibt.

Richard Lindner, Die Straße, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Richard Lindner, Die Straße, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Richard Lindner, Mann und Frau, 1962, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden Washington
Richard Lindner, Mann und Frau, 1962, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden Washington
Richard Lindner, Double Portrait, 1965, Sammlung Ellen und Max Palevsky
Richard Lindner, Double Portrait, 1965, Sammlung Ellen und Max Palevsky
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Richard Lindner (1901–1978) – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi

Stretch your view


Stretch your view


AUSSTELLUNG

Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


AUSSTELLUNG

Ellsworth Kelly. Retrospektive.

17.10.97 – 20.01.98

Ellsworth Kelly gehört zur Generation derer, die in den 1950er-Jahren den Abstrakten Expressionismus überwanden und eine neuartige Bildsprache entwickelten. MEHR


AUSSTELLUNG

Joel Shapiro

24.10.97 – 18.01.98

Joel Shapiro zählt zu den wichtigsten amerikanischen Bildhauern der Gegenwart. Die Ausstellung zeigt elf Werke, die seine künstlerische Entwicklung der Jahre 1993-1997 erkennen lassen. MEHR


AUSSTELLUNG

Eine Reise ins Ungewisse

06.02 – 03.05.98

München ist der Ort, an dem die Fäden der Künstlerbiografien und die Linien der Werkentwicklung von Arnold Böcklin, Giorgio de Chirico und Max Ernst zusammenlaufen. MEHR


AUSSTELLUNG

Emil Schumacher — Retrospektive

08.05 – 12.07.98

Die Bilder Emil Schumachers (1912-1999) gelten als Inbegriff der deutschen Nachkriegskunst. MEHR


AUSSTELLUNG

Michail Wrubel

08.05 – 20.07.97

Michail Wrubel gilt als Schlüsselfigur des russischen Symbolismus, dessen Ringen mit sich und dem eigenen Werk ihn schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließ. MEHR


AUSSTELLUNG

Beauty now

10.02 – 01.05.00

Lange Zeit war das Schöne keine Kategorie der modernen Kunst – Mode, Werbung und Massenmedien hatten es für sich beansprucht. Seit einigen Jahren jedoch zeichnet sich die Rückkehr der Schönheit in die Kunst der Gegenwart ab. MEHR


AUSSTELLUNG

Mattis-Teutsch

06.07 – 07.10.01

Die Ausstellung "Mattis-Teutsch und Der Blaue Reiter" ist die erste Retrospektive des siebenbürgischen Künstlers Hans Mattis-Teutsch. Zu sehen sind über 150 Gemälde, 40 Skulpturen, 30 Grafiken sowie 70 Linol- und Holzschnitte. MEHR


AUSSTELLUNG

Kurt Schwitters

09.03 – 27.05.01

Die Ausstellung ist eine umfangreiche Retrospektive des Künstlers und Antikünstlers, des Revolutionärs und Traditionalisten, des Bürgerschrecks und Kleinbürgers Kurt Schwitters. MEHR


AUSSTELLUNG

Dora Maar

13.10.01 – 06.01.02

Bekannt als Gefährtin, Modell und Muse Pablo Picassos und als solche Motiv vieler seiner berühmtesten Bilder, wird allzu oft außer Acht gelassen, dass Dora Maar selbst eine herausragende Künstlerin war. MEHR


AUSSTELLUNG

Ernst Wilhelm Nay — Bilder und Dokumente

26.07 – 21.09.80

Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) gilt wegen der abstrakten Bildsprache und der Auffassung vom "Gestaltwert der Farbe" als führender Vertreter der Nachkriegsmoderne. MEHR


AUSSTELLUNG

Amerikanische Malerei 1930-1980

14.11.81 – 31.01.82

Tom Armstrong bot dem deutschen Publikum einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der "Amerikanischen Malerei 1930-1980" – jene Epoche also, in der erstmals in der Kunstgeschichte die maßgeblichen Impulse nicht von Europa, sondern von Amerika ausgingen. MEHR


AUSSTELLUNG

Ernste Spiele

04.02 – 01.05.95

Die Ausstellung stellt die deutsche Romantik als den Beginn der modernen Kunst in Deutschland vor und die künstlerische Avantgarde seit 1900 als eine zweite Romantik. MEHR


AUSSTELLUNG

Die Nacht

01.11.98 – 14.02.99

Thema der Ausstellung ist die Entwicklung des Nachtbildes in der abendländischen Malerei vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. MEHR


AUSSTELLUNG

Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


AUSSTELLUNG

Edvard Munch

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). MEHR


AUSSTELLUNG

Internationale Plakate 1871–1971

09.10.71 – 02.01.72

Hundert Jahre nach dem Plakat Fred Walkers "Woman in White" (1871) und in einer Zeit, in der sich Andy Warhol im Rahmen der Pop Art die Darstellung von Konsumprodukten zu eigen machte, machte sich die Ausstellung daran, die Kunstgeschichte des Plakats nachzuzeichnen. MEHR


AUSSTELLUNG

Der Surrealismus 1922–1942

11.03 – 07.05.72

Rund 50 Jahre nach der Entstehung des Surrealismus in Paris rückte die Ausstellung jene Künstler in den Mittelpunkt der Betrachtung, die für diese Zeit prägend gewesen waren. MEHR


AUSSTELLUNG

Die Kunst der Naiven. Themen und Beziehungen

01.11.74 – 12.01.75

Zu Beginn der 1970er-Jahre ging eine Welle der Begeisterung für "Die Kunst der Naiven" durchs Land – figurativ-bunte Bilder in stark vereinfachter Darstellung aus der Hand von Laien. MEHR


AUSSTELLUNG

Hundertwasser – Friedensreich – Regentag

22.02 – 11.05.75

Mit der Ausstellung des Werks von Friedensreich Hundertwasser widmete sich das Haus der Kunst dem vielfältigen künstlerischen Schaffen eines zeitgenössischen österreichischen Künstlers. MEHR