Michail Wrubel — Der russische Symbolist

AUSSTELLUNG 08.05 – 20.07.97

Michail Wrubel (1856-1910), der Einzelgänger zwischen Genie und Wahnsinn, gilt als Wegbereiter der russischen Avantgarde und als Schlüsselfigur des russischen Symbolismus. In Russland verglich man die Bedeutung Wrubels mit derjenigen Cézannes, im Westen genießen seine Bilder die Wertschätzung zahlreicher Künstler von Picasso bis Baselitz. Die kristalline Textur seiner Gemälde, die perspektivischen Brechungen und seine Liebe zum ornamentalen Detail sind charakteristisch für seinen eigenwilligen Stil. Die Retrospektive stellt Wrubels Werk erstmals im Rahmen einer Ausstellung der westlichen Öffentlichkeit vor. 

Michail Wrubel wurde 1856 in Omsk geboren und absolvierte zunächst ein Jurastudium, bevor er 1880 an der Petersburger Kunstakademie Philosophie studierte und eine Zeichenausbildung begann, die sich am Vorbild der italienischen Renaissance orientierte. Bald wandte sich Wrubel, der zu den gebildetsten Künstlern seiner Zeit zählte und acht Sprachen beherrschte, literarischen Themen zu und fertigte Illustrationen zu Puschkin, Tolstoj, Shakespeare sowie die berühmte Darstellung des "Sitzenden Dämon" (1890) nach dem Gedicht von Michail Lermontow. Nachdem er 1884 in Kiew an kirchlichen Restaurierungsarbeiten beteiligt war, besann er sich wie viele andere russische Künstler auf die Wurzeln der eigenen Kultur und setzte sich intensiv mit der Ikonenmalerei auseinander. Angeregt von den dekorativen Mustern des Orients wie von der venezianischen Renaissancemalerei schuf er in seiner Kiewer Periode das ganz im ornamentalen Stil der Jahrhundertwende gehaltene Porträt einer jüdischen Kaufmannstochter als "Mädchen vor dem Perserteppich" (1886). Mit diesem Bild und einer Reihe von Blumenstudien bewies Wrubel nicht nur sein feines Gespür für farbliche Nuancen, sondern profilierte sich auch als Begründer des russischen Symbolismus. 

1889 zog Wrubel nach Moskau, wo er sich dem "Abramzewo"-Kreis um den Großindustriellen und Kunstfreund Mamontow anschloss. Die großformatigen Ölgemälde, Wandmalereien und Keramiken für dessen Häuser sowie die Bühnenausstattungen für seine Privatoper machten Wrubel endlich berühmt. In den von Helden, Propheten und Traumprinzessinnen bevölkerten allegorischen Bildern erweckte der Maler – im Spannungsfeld von Götterdämmerung und künstlerischer Selbstbehauptung, von Eros und Thanatos – die Märchen und Mythen Russlands zu neuem Leben ("Die Schwanenprinzessin", 1900). Über die vielen unvollendeten Bilder gelangte Wrubel schließlich zur Idee des Fragmentarischen, das als künstlerisches Prinzip weit über die geistige Situation des Fin de siècle in die Moderne hinausweist. 

Das Ringen des Künstlers mit sich und dem eigenen Werk trieb ihn schließlich 1902 an die Grenzen der körperlichen und geistigen Erschöpfung und zwang ihn fortan zeitweise zum Aufenthalt in einer Klinik für Psychiatrie. In den folgenden Jahren schuf Michail Wrubel in höchster Anstrengung seine letzten Meisterwerke, die ihm endlich die offizielle Anerkennung seiner Zeitgenossen eintrugen, bevor er, ab 1905 ständig in der Klinik lebend und 1906 erblindet, im Jahr 1910 starb.

Michail Wrubel, Rote Azalee, 1886/87, Kiewer Museum der Russischen Kunst, Kiew, Foto Nic Tenwiggenhorn
Michail Wrubel, Rote Azalee, 1886/87, Kiewer Museum der Russischen Kunst, Kiew, Foto Nic Tenwiggenhorn
Michail Wrubel, Kopf des Dämons, 1890/91, Kiewer Museum der Russischen Kunst, Kiew, Foto Nic Tenwiggenhorn
Michail Wrubel, Kopf des Dämons, 1890/91, Kiewer Museum der Russischen Kunst, Kiew, Foto Nic Tenwiggenhorn
Michail Wrubel, Der Prophet, 1905, Detail, Allrussisches Puschkin-Museum St. Petersburg
Michail Wrubel, Der Prophet, 1905, Detail, Allrussisches Puschkin-Museum St. Petersburg
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Michail Wrubel – Der russische Symbolist, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi

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