Theatrum Mundi — Die Welt als Bühne

AUSSTELLUNG 24.05 – 21.09.03

Die Ausstellung "Theatrum Mundi – Die Welt als Bühne" aus Anlass des 350-jährigen Jubiläums der Bayerischen Staatsoper war den vielfältigen Beziehungen zwischen Kunst, Bühne und Leben in Barock und Rokoko gewidmet. Sie zeigte Exponate aus Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Schweden und Russland.
Barocktheater, das ist nicht nur Oper, Sprechtheater und Ballett, es umfasst die Darstellung aller Bereiche des Lebens, es ist wirklich Theatrum Mundi: In der absolutistischen Gesellschaft spielte jeder eine Rolle, die ihm nach seiner Standeszugehörigkeit zugewiesen war. An der Spitze stand der Fürst, zu dessen Selbstverständnis es gehörte, diese "göttliche Ordnung" in opulenten Festen und Aufführungen zu präsentieren. Dabei bemühte sich das Barocktheater um die perfekte Illusion: Auf der Bühne wurden mithilfe ausgeklügelter Mechanik virtuelle Welten geschaffen, in denen Götter vom Himmel fuhren und sich Höllenrachen auftaten. 
Die thematisch gegliederte Ausstellung versuchte, dieses enge Verhältnis zwischen Bühne und Kunst in seinen vielfältigen Facetten nachzuzeichnen: Nachbauten von Donner-, Regen-, Wind- und Wellenmaschinen, die von den Besuchern bedient werden konnten, vermittelten einen Eindruck von der Bühnentechnik, von den "special effects" im Barock. Theaterkostüme im Original und im Entwurf wurden gezeigt, wie z.B. das Originalkostüm des Carlo Bertinazzi, der im 18. Jahrhundert als Arlecchino an der "Comédie italienne" in Paris Triumphe feierte (Museo Burcardo, Rom). Erstmals in Deutschland waren eine Reihe von originalen Bühnenbild-Modellen u.a. von Pariser Opernaufführungen der Zeit um 1760 zu sehen, die heute im Schloss Chambord aufbewahrt werden. Sie vermittelten einen lebendigen, dreidimensionalen Eindruck von der ungeheuren Prachtentfaltung der Oper im Rokoko. Zudem präsentierte die Ausstellung Bühnenbildentwürfe – neben den wunderbaren Arbeiten der Familie Galli Bibiena auch spektakuläre Zeichnungen von Johann Oswald Harms aus dem Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig. Harms war im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert der wichtigste deutsche Bühnenbildner.
Der "Rahmen" des Theaters, die Entwicklung der Architektur von Theaterbau und Opernhaus, war ein weiteres Thema der Ausstellung. Theater wurden für das Publikum gebaut, das sehen wollte, um gesehen zu werden. Hier sind nicht nur bedeutende Pläne und Aufrisse Georg W. von Knobelsdorffs für das Opernhaus Friedrichs des Großen in Berlin zu sehen, sondern auch eine Sammlung von Theatermodellen, die deswegen so interessant sind, weil man mithilfe eines Episkops in einige von ihnen hineinblicken kann, um einen Raumeindruck zu gewinnen. Bilder vom Publikum im Theater, wie z.B. Oliveros Innenansicht des Opernhauses von Turin (Museo Civico, Turin) zeigten unter anderem, wie lebhaft es während einer Opernaufführung im Zuschauerraum zugehen konnte.
Auf der Bühne standen die Stars, die vergöttert und gefeiert wurden. Der Star, der sich in einer Kunstwelt außerhalb des normalen Lebens zu bewegen scheint, wurde im Zeitalter des Barock erst "erfunden". So präsentierte die Ausstellung das legendäre Porträt des Kastraten Farinelli aus Bologna, auf dem nicht nur der Star selbst, sondern auch seine Gönner, das spanische Königspaar, und der Maler des Bildes, Corrado Giaquinto, zu sehen sind.
David Garrick, der große englische Schauspieler und Impresario des 18. Jahrhunderts, wird in Rollenporträts zu sehen sein, ebenso wie die Tänzerin Barberina, für die Friedrich der Große geschwärmt haben soll. Die größten Stars im Barock aber waren die absolutistischen Monarchen, die selbst auf der Bühne standen, Louis XIV. allen voran. Seine über viele Tage dauernden höfischen Feste, die aus Turnieren, Schauspieleinlagen, Maskeraden und Opern bestanden, waren stilbildend für ganz Europa: So wird dem Fest ein weiterer Ausstellungsbereich gewidmet sein. Neben den Festen am Hof von Versailles präsentiert die Ausstellung eine Reihe weiterer Festdarstellungen, u.a. das berühmte Bild des Karussells zu Ehren von Königin Christina von Schweden im Hof des Palazzo Barberini in Rom am 2. Februar 1656 von Filippo Gagliardi und Filippo Lauri (Museo di Roma, Rom).
Das Barocktheater, vor allem die Opernbühne, war ein Schaufenster in das Heroische, Komische und Tragische, in immer neue virtuelle Welten der Historie und der Mythologie. Diese wurden in Beziehung gesetzt zu Fürstenhäusern, zu bedeutenden Ereignissen, zu Hochzeiten, Geburten oder diplomatischen Anlässen. Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts, vor allem die Malerei, behandelte nicht nur die gleichen Themen und Personen, sondern war auch sonst in vielfältiger Weise mit der Barockbühne verbunden. In den Räumen, die Kunst und Bühne gewidmet sind, werden u.a. Tapisserien mit Schauspielszenen von Charles-Antoine Coypel, dem großen Historienmaler und Theaterdichter, gezeigt (Louvre, Paris), wie auch Gemälde, in denen Figuren der Mythologie, der weltlichen und religiösen Historie auftreten – so etwa Armida (Giambattista Tiepolo), Sophonisbe (Mattia Preti) und Judith (Francesco Solimena), deren Schicksale zur gleichen Zeit auf der Bühne dargestellt wurden.
Die Beziehungen zwischen Kunst und Bühne zeigten sich besonders in den Darstellungen des populären Theaters, vor allem jenen der "Commedia dell' arte": Hier wurden die Maske eines Arlecchino (Rom) sowie Marionetten (Turin) gezeigt, berühmte Bilder von Antoine Watteau (Nantes) und Gillot (Louvre, Paris) gaben einen Eindruck von Stücken, die auf den Jahrmarktbühnen zu sehen waren. Gerrit Berckheydes Gemälde mit der Darstellung einer Wandertruppe vor der Kölner Stadtmauer (Köln) ließen ahnen, wie schwierig das Leben einfacher Komödianten ohne die Protektion eines mächtigen Gönners war – bis weit ins 18. Jahrhundert blieben Schauspieler, die es nicht zu Starruhm gebracht hatten, rechtlose Leute.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsoper und dem Deutschen Theatermuseum München.

Zur Ausstellung fand ein umfangreiches Begleitprogramm mit berühmten Opernfilmen und Vorträgen sowie Aufführungen von Barockopern statt. 

Theatrum Mundi — Die Welt als Bühne, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2003, Foto Wilfried Petzi
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