Die Sammlung Maximilian Speck von Sternburg

AUSSTELLUNG 28.01 – 01.05.00

Die Sammlung des Leipziger Großkaufmanns und Kunstmäzens Maximilian Speck von Sternburg (1776-1856) zählt zu den bedeutendsten bürgerlichen Kunstsammlungen des 19. Jahrhunderts. Mit außergewöhnlichem Sachverstand zusammengetragen, umfasst sie heute 202 Gemälde, 127 Handzeichnungen, 645 Grafiken sowie Archivalien und eine umfangreiche Kunstbibliothek. Sein reiches Vermächtnis, das sich seit 1996 im Rahmen einer Stiftung als Dauerleihgabe im Leipziger Museum der bildenden Künste befindet, wird im Haus der Kunst erstmals umfassend vorgestellt.
Der Lebensweg von Maximilian Speck von Sternburg führt eine beispiellose Entwicklung vor Augen: Aus einfachen Verhältnissen stammend und mit 14 Jahren noch Analphabet, korrespondierte Maximilian später u. a. mit Johann Wolfgang von Goethe und war Berater des bayerischen Königs Ludwig I. sowie des russischen Zaren Alexander I. Als Wollhersteller und -händler brachte er es rasch zu Wohlstand. Ab 1802 unternahm er zahlreiche geschäftliche Reisen, die ihn in die bedeutendsten fürstlichen Galerien und Kunstsammlungen führten. Durch genaues Sehen hat er seinen Geschmack geschult und im Lauf der Zeit durch Bekanntschaften mit Künstlern und Gelehrten geschärft.
Überaus eng waren Maximilian Speck von Sternburgs Verbindungen zu München. Für seine Verdienste um die Modernisierung der bayerischen Landwirtschaft durch den Aufbau von Mustergütern erhob König Ludwig I. Speck 1829 in den Königlich Bayerischen Freiherrenstand mit dem Namenszusatz "von Sternburg". Mit der Pacht des Staatsgutes Fürstenried bei München und dem Erwerb des oberbayerischen Benediktinerstifts Sankt Veit bei Neumarkt an der Rott gingen regelmäßige Aufenthalte in der Landeshauptstadt einher.
Auch die Kunstsammlung belegt die Beziehungen zu München: Etwa die Hälfte des Bestandes an Malerei des 19. Jahrhunderts stammt von Meistern der Münchener Malerschule, wobei der Sammler nicht selten als direkter Auftraggeber in Erscheinung trat. Eine langjährige Freundschaft verband ihn ab 1828 mit Leo von Klenze, dessen "Italienische Landschaft" von 1829 sich auch in der Sammlung befindet.
Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt mit Werken der Gotik und der Renaissance. Zahlreiche Madonnendarstellungen italienischer Meister (z. B. von Il Francia oder Francesco Botticini, beide um 1515/20), Heiligenszenen (Cima da Conegliano, um 1500) und Bürgerporträts führen als private Aufträge das neu erwachte Selbstbewusstsein jener privaten Kunstmäzene vor Augen, denen sich auch Maximilian Speck von Sternburg verbunden fühlte. Unter den Werken altdeutscher und niederländischer Malerei ragt das älteste Gemälde der Sammlung hervor: die berühmte "Heimsuchung" von Rogier van der Weyden, entstanden um 1435. Zu den spektakulären Höhepunkten alter Kunst zählen außerdem das Kreuzigungs-Tryptichon von Jean Bellegambe (um 1520) sowie die monumentalen Darstellungen von Adam und Eva von Lucas Cranach d. Ä. (1533).
Die Malerei des 17. Jahrhunderts trumpft mit einer Reihe prominenter Maler auf. Sie reicht von Hendrick van Balen d. Ä. und Peter Paul Rubens über Gerard van Honthorst, Jan Lievens und Pieter de Hooch bis Jan van Goyen und Aert van der Neer. Besonderer Erwähnung wert ist das allegorische Selbstbildnis von Jan van Wijckersloot (1669) finden, eine Vanitas-Darstellung voll rätselhafter Anspielungen.
Einen Schwerpunkt der Sammlung bildet die zeitgenössische Kunst des 19. Jahrhunderts, an deren Entwicklung Maximilian Speck von Sternburg großen Anteil nahm. So stand er mit Caspar David Friedrich, dem bedeutendsten Maler der Romantik in Deutschland, in persönlicher Verbindung. Zwei kleinformatige Bilder Friedrichs, der "Friedhof im Schnee" (um 1826/27) und das "Seestück bei Mondschein" (um 1827/28), sind vermutlich Auftragsarbeiten für den nur zwei Jahre jüngeren Sammler. Daneben ist auch ein Werk wie das "Hünengrab im Winter" (1824/25) von Johan Christian Clausen Dahl zu nennen, das durch seine stimmungshafte Emotionalität und malerische Präzision besticht, oder Friedrich Wilhelm von Schadows liebliche "Mignon" (1828), die er, angeregt durch Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" malte. 
Das Schicksal der Sammlung Speck von Sternburg im 20. Jahrhundert war wechselvoll: Nachdem die Familie im Zuge der Bodenreform 1946 enteignet worden war, wurden ihre Kunstschätze bis zur Wende der Leipziger Museumssammlung einverleibt. 1994 erhielten die heutigen Erben der Familie aufgrund gesetzlicher Bestimmungen die Kunstsammlung zurück. Sie entschieden sich jedoch großzügig für einen dauerhaften Verbleib der Bilder im Leipziger Museum der bildenden Künste. Für dieses Engagement wurde Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg 1999 durch den Bundespräsidenten mit dem Maecenas-Preis ausgezeichnet.

Sammlung Maximilian Speck von Sternburg, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
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