Francis Bacon: Retrospektive 1909–1992

AUSSTELLUNG 01.11.96 – 26.01.97

Francis Bacon wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum bedeutendsten Erneuerer der figurativen Malerei. In einer Epoche, die von den ungegenständlichen Tendenzen des Abstrakten Expressionismus in den Vereinigten Staaten und des Informel in Europa geprägt war, konzentrierte er sich ganz auf die Darstellung des Menschen. In seinen Gemälden — Porträts und Akten — erforschte der Maler in obsessiver Intensität die menschliche Kreatur, zeigte sie in ihrer ganzen Größe und Sinnlichkeit, aber auch in ihrem Elend und ihrer Verworfenheit. Wie bei keinem anderen Künstler des 20. Jahrhunderts ist das malerische Werk Bacons auch ein Spiegel seiner eigenen zerrissenen Existenz. 
Bacon, geboren 1909 als Sohn englischer Eltern im irischen Dublin, hat nie eine Kunstakademie besucht. Sein erstes, 1944 entstandenes Triptychon "Drei Studien zu Figuren am Fuß einer Kreuzigung" (Tate Gallery, London), das sich stark an Picassos surrealistischer Bildsprache orientiert, machte den Künstler schlagartig berühmt. 
Während der 1950er-Jahre setzte sich Bacon zunächst mit Velázquez auseinander. Insbesondere inspirierte ihn dessen berühmtes Porträt Papst Innozenz X., das eine intensive Beschäftigung mit dem Motiv nach sich zog. In jenen Jahren entstand eine Reihe von Bildnissen isolierter Gestalten in bedrängenden Bildräumen, für die ihm Fotografien aus Büchern oder Porträts seiner engen Freunde als Vorlage dienten, welche er dem lebenden Modell vorzog. Manche der zumeist sitzend dargestellten Figuren tragen animalische Züge, immer wieder taucht der zum stummen Schrei geöffnete Mund – ein Motiv aus Eisensteins Film "Panzerkreuzer Potemkin" — auf. 
Mitte der 1960er-Jahre markiert die monumentale "Kreuzigung" (1965, Pinakothek der Moderne, München) eine Zäsur im Œuvre des Malers. Zentrales Motiv ist nun das Fleisch des geschundenen und verstümmelten Körpers, der in leuchtenden Farbräumen wie auf einer Bühne präsentiert wird. Die Bilder vermitteln die Gefährdungen der menschlichen Existenz, deren intime Seiten mit einer Fülle von Emotionen — gewaltsam, zärtlich und schuldbeladen — bloßgelegt werden. Nach dem tragischen Tod seines Lebensgefährten George Dyer im Jahr 1971 spiegelt Bacons Werk die Reflexion seines Lebens und der eigenen Sterblichkeit. In der letzten Werkphase schließlich, von 1976 bis zu seinem Tod 1992, ließ Bacon die Härte und Aggressivität der vorangegangenen Jahre hinter sich. Landschaften und der männliche Torso wurden nun sein Thema. Der Farbauftrag ist glatter, fast transparent, die Palette heller. Der beunruhigende Kontrast zwischen der sich weiter verflüchtigenden Figur und dem sie umgebenden zarten Hintergrund ist größer denn je. 
Das Werk Francis Bacons hat die künstlerische Arbeit einer ganzen Epoche geprägt und die Auffassung des Menschen als eines einsamen und — auch gegen sich selbst — gewalttätigen, gleichzeitig aber auch hoffnungsvollen und sehnsüchtigen Wesens befördert. Im Zusammenhang mit der Wiederentdeckung des menschlichen Körpers und der Neubewertung seiner Sexualität im aktuellen Diskurs, im Kontext von Identitätsfragen, Schönheitskult und gentechnologischen Möglichkeiten, erscheint Bacons Werk heute in neuem Licht.

Francis Bacon: Retrospektive 1909–1992, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1996, Foto Wilfried Petzi
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Francis Bacon: Retrospektive 1909–1992, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1996, Foto Wilfried Petzi
Francis Bacon: Retrospektive 1909–1992, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1996, Foto Wilfried Petzi
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Francis Bacon: Retrospektive 1909–1992, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1996, Foto Wilfried Petzi
Francis Bacon: Retrospektive 1909–1992, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1996, Foto Wilfried Petzi
Francis Bacon: Retrospektive 1909–1992, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1996, Foto Wilfried Petzi
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Richard Prince

15.11.96 – 06.01.97

Richard Prince erzielte erste Erfolge mit "refotografierten" Bildern aus den Medien, die, wie etwa die "Cowboys", Motive der Konsumwelt aufgreifen und zu Mythen stilisieren. MEHR


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Hughie O'Donoghue

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Julião Sarmento

24.10.97 – 18.01.98

Julião Sarmento gilt als einer der bedeutendsten portugiesischen Künstler der Gegenwart. Mit rund 80 Gemälden bietet die Ausstellung im Haus der Kunst einen Überblick über sein bisheriges Schaffen. MEHR


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Spuren des Geistigen

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Ausgehend von der Mystik im Werk eines Caspar David Friedrich führte die künstlerische Suche nach geistigen und spirituellen Inhalten im Laufe des 20. Jahrhunderts zu herausragenden künstlerischen Positionen, die versuchten, dem Kosmischen und Unendlichen Ausdruck zu verleihen. MEHR


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26.07 – 21.09.80

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Amerikanische Malerei 1930-1980

14.11.81 – 31.01.82

Tom Armstrong bot dem deutschen Publikum einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der "Amerikanischen Malerei 1930-1980" – jene Epoche also, in der erstmals in der Kunstgeschichte die maßgeblichen Impulse nicht von Europa, sondern von Amerika ausgingen. MEHR


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Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


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Edvard Munch

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). MEHR


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Internationale Plakate 1871–1971

09.10.71 – 02.01.72

Hundert Jahre nach dem Plakat Fred Walkers "Woman in White" (1871) und in einer Zeit, in der sich Andy Warhol im Rahmen der Pop Art die Darstellung von Konsumprodukten zu eigen machte, machte sich die Ausstellung daran, die Kunstgeschichte des Plakats nachzuzeichnen. MEHR


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Der Surrealismus 1922–1942

11.03 – 07.05.72

Rund 50 Jahre nach der Entstehung des Surrealismus in Paris rückte die Ausstellung jene Künstler in den Mittelpunkt der Betrachtung, die für diese Zeit prägend gewesen waren. MEHR


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Die Kunst der Naiven. Themen und Beziehungen

01.11.74 – 12.01.75

Zu Beginn der 1970er-Jahre ging eine Welle der Begeisterung für "Die Kunst der Naiven" durchs Land – figurativ-bunte Bilder in stark vereinfachter Darstellung aus der Hand von Laien. MEHR


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Hundertwasser – Friedensreich – Regentag

22.02 – 11.05.75

Mit der Ausstellung des Werks von Friedensreich Hundertwasser widmete sich das Haus der Kunst dem vielfältigen künstlerischen Schaffen eines zeitgenössischen österreichischen Künstlers. MEHR


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Die dreißiger Jahre. Schauplatz Deutschland

11.02 – 17.04.77

Golo Mann würdigte die Ausstellung zur deutschen Malerei, Skulptur und angewandten Kunst in den "Dreißiger Jahren" als ein kühnes Unterfangen – war doch die Epoche bis dahin mit einem Tabu belegt gewesen. MEHR


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Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR


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Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


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Roy Lichtenstein — Die Retrospektive.

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Roy Lichtenstein gilt neben Andy Warhol als Begründer der Pop Art, die von Robert Rauschenberg und Jasper Johns vorbereitet worden war. MEHR


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Brassai — Vom Surrealismus zum Informel.

21.01 – 26.03.95

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Barnes Collection

23.06 – 22.10.95

Die Ausstellung zeigt die legendäre Sammlung moderner Kunst, die Alfred C. Barnes zusammengetragen hat. Gezeigt werden berühmte Schlüsselwerke der rund 2000 Werke umfassenden Sammlung. MEHR


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Pierrot — Melancholie und Maske.

15.09 – 03.12.95

Die melancholische Komödiantenfigur des Pierrot fasziniert seit rund 400 Jahren die Künstler. Als facettenreiche Figur steht sie im Mittelpunkt dieser Ausstellung und belegt ihre bis heute anhaltende Aktualität. MEHR


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Frantisek Kupka und Otto Gutfreund

15.05 – 20.07.97

Die Ausstellung präsentiert über 200 Arbeiten František Kupkas aus sämtlichen Werkphasen. Seinen Werken sind 18 Bronzeskulpturen Otto Gutfreunds gegenübergestellt. MEHR