Carl Spitzweg — Reisen und Wandern in Europa und der "Glückliche Winkel"

AUSSTELLUNG 24.01 – 18.05.03

Carl Spitzweg (1808-1885) war stets ein sehr populärer Maler. Wir alle kennen seine mit liebenswürdigem Humor gezeichneten Charakterstudien, seine skurrilen Sonderlinge, die Bücherwürmer, schrulligen Wissenschaftler, Hagestolze, lebensfrohen Mönche und selbstgenügsamen Dachstubenbewohner, die ihr stilles "Glück im Winkel" zu genießen scheinen. Das Bild von Spitzweg als Malerpoet und Chronist der "guten alten Zeit" prägt bis heute die Wahrnehmung und Rezeption seines Werks. Weit weniger bekannt ist, dass Spitzweg Zeit seines Lebens ein passionierter Reisender war. 
Die Ausstellung im Haus der Kunst folgt den Spuren der regen Reisetätigkeit Carl Spitzwegs und macht ihre Auswirkung auf sein malerisches Werk sichtbar. Da die Reisethemen die gesamte Schaffenszeit des Künstlers durchzogen, folgt die Ausstellung statt einer chronologischen, der regionalen Gliederung. In elf thematischen Pavillons werden die zeichnerischen Impressionen aus unterschiedlichen Ländern präsentiert – aus dem heimatlichen Oberbayern und benachbarten Franken ebenso wie aus der Schweiz, aus Österreich, Italien, Frankreich, England und Belgien. 
Auf die frühen Wanderungen nach Italien (1832/34) folgten 1838 und 1841 Reisen in die Schweiz. Streifzüge durch Oberbayern schlossen sich an – kaum ein Gebiet hat der Künstler so gründlich durchwandert wie die oberbayerische Landschaft, die er in vielfältigen Varianten wiedergab. Auch die Ausflüge in den Fränkischen Jura und den Donauraum waren für Spitzweg von großer Bedeutung, schätzte er doch die "drei Frankenländer" wegen ihrer kulturellen Vielfalt und landschaftlichen Schönheit. 
Exotischere Motive lieferten dagegen im Jahr 1851 die Besuche der Industrie- und Weltausstellungen in Großstädten wie Paris und London, wo Spitzweg besonders angetan war von der Darstellung des Orients. Seine Neigung zu märchenhaften Szenen offenbart sich auch in den "Reisen in die Phantasie", denen sich der Künstler gern hingab, und denen die traumhaften Begegnungen mit Kobolden und Geisterwesen entsprangen.
Das Kapitel "Friede im Lande" widmet sich den Soldaten-Bildern. Viele von ihnen entstanden unter dem Eindruck der kriegerischen Auseinandersetzungen von 1866 und zeugen von Spitzwegs durchaus kritischer Einstellung zum Militär. Ein großer Motivschatz bot sich dem Künstler auch in den kleinen Privatarmeen, die nach der Französischen Revolution allenthalben in Deutschland rekrutiert wurden. 
Die "Poetische Nachtlandschaft" ist ein eigenes Thema im Spätwerk Carl Spitzwegs. Im Licht des Mondes ließ sich das Zusammenspiel der Figuren und ihrer Umgebung besonders pointiert darstellen und durch schauerliche Gestalten verfremden. 
Zeit seines Lebens blieb jedoch die Heimatstadt München Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens Carl Spitzwegs. Die verschiedenen Domizile, die er im Laufe von fast fünfzig Jahren bewohnte und die Beobachtungen, die sich ihm zuletzt von seinem Erkerfenster in der Innenstadt boten, führten zu jenen beliebten Bildern, die das Idyllische jener Zeit, das viel beschworene "Glück im Winkel" zitieren.
In der Spätphase seines künstlerischen Schaffens ab Mitte der 1860er-Jahre verarbeitete Carl Spitzweg in den "Zimmerbildern" die Erinnerungen an frühere Reisen wie etwa die ins "Heilige Land". 

Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der
Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der "Glückliche Winkel", Installationsansicht, Haus der Kunst, 2003, Foto Wilfried Petzi
Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der
Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der "Glückliche Winkel", Installationsansicht, Haus der Kunst, 2003, Foto Wilfried Petzi
Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der
Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der "Glückliche Winkel", Installationsansicht, Haus der Kunst, 2003, Foto Wilfried Petzi
Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der
Carl Spitzweg – Reisen und Wandern in Europa und der "Glückliche Winkel", Installationsansicht, Haus der Kunst, 2003, Foto Wilfried Petzi

Stretch your view


Stretch your view

Bildergalerie


AUSSTELLUNG

Die Münchner Schule 1850–1914

28.07 – 07.10.79

Die von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen organisierte Ausstellung widmete sich einer umfassenden Darstellung der Münchner Malerei zwischen 1850 und 1914. MEHR


AUSSTELLUNG

Corot, Courbet und die Maler von Barbizon.

04.02 – 21.04.96

250 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken bezeugen ein neues Naturverständnis, das die Voraussetzung für die Malerei des Impressionismus und der Moderne in Europa geschaffen hat. MEHR


AUSSTELLUNG

Paul Gaugin

Mit Paul Gauguin rückte ein Künstler in den Blickpunkt, der zu seiner Zeit weit davon entfernt war, jenen "schöpferischen Geist Frankreichs" zu verkörpern, den Germain Bazin, Chefkurator des Louvre-Museums in Paris, in seinem Katalogaufsatz beschwört. MEHR


AUSSTELLUNG

Internationale Plakate 1871–1971

09.10.71 – 02.01.72

Hundert Jahre nach dem Plakat Fred Walkers "Woman in White" (1871) und in einer Zeit, in der sich Andy Warhol im Rahmen der Pop Art die Darstellung von Konsumprodukten zu eigen machte, machte sich die Ausstellung daran, die Kunstgeschichte des Plakats nachzuzeichnen. MEHR


AUSSTELLUNG

Barnes Collection

23.06 – 22.10.95

Die Ausstellung zeigt die legendäre Sammlung moderner Kunst, die Alfred C. Barnes zusammengetragen hat. Gezeigt werden berühmte Schlüsselwerke der rund 2000 Werke umfassenden Sammlung. MEHR


AUSSTELLUNG

Pierrot — Melancholie und Maske.

15.09 – 03.12.95

Die melancholische Komödiantenfigur des Pierrot fasziniert seit rund 400 Jahren die Künstler. Als facettenreiche Figur steht sie im Mittelpunkt dieser Ausstellung und belegt ihre bis heute anhaltende Aktualität. MEHR


AUSSTELLUNG

Carl Philipp Fohr

25.04 – 20.07.97

Carl Philipp Fohr zählt zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Romantik und gilt heute als Inbegriff des "frühvollendeten" Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Eine Reise ins Ungewisse

06.02 – 03.05.98

München ist der Ort, an dem die Fäden der Künstlerbiografien und die Linien der Werkentwicklung von Arnold Böcklin, Giorgio de Chirico und Max Ernst zusammenlaufen. MEHR


AUSSTELLUNG

Kunst über Grenzen

07.03 – 30.05.99

Die Ausstellung charakterisiert die Sammlung des Schweizers Josef Müller, die zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Welt gehörte. MEHR


AUSSTELLUNG

Peter Cornelius

10.09.04 – 09.01.05

In Zusammenarbeit mit der Alten Nationalgalerie in Berlin wurde im Haus der Kunst München erstmals seit rund 70 Jahren wieder ein Hauptwerk des Malers und Zeichners Peter Cornelius präsentiert: seine Kartons zu den mythologischen Decken- und Wandbildern der Glyptothek in München. MEHR


AUSSTELLUNG

Michail Wrubel

08.05 – 20.07.97

Michail Wrubel gilt als Schlüsselfigur des russischen Symbolismus, dessen Ringen mit sich und dem eigenen Werk ihn schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließ. MEHR


AUSSTELLUNG

Die Sammlung Maximilian Speck von Sternburg

28.01 – 01.05.00

Die Sammlung des Leipziger Großkaufmanns und Kunstmäzens Maximilian Speck von Sternburg (1776-1856) zählt zu den bedeutendsten bürgerlichen Kunstsammlungen des 19. Jahrhunderts. MEHR


AUSSTELLUNG

Goethes italienisches Museum

13.05 – 30.07.00

"Geheimster Wohnsitz" ist der Titel eines um 1810 entstandenen Gedichts von Johann Wolfgang von Goethe, es handelt von einem imaginären Bauwerk in Italien, das der geistigen Erziehung dienen soll. MEHR


AUSSTELLUNG

Sammlung Rau

05.10.01 – 13.01.02

Die Sammlung Rau ist eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen in Europa. Bis vor kurzem noch nahezu unbekannt, wird sie mit dieser Ausstellung erstmals öffentlich vorgestellt. MEHR


AUSSTELLUNG

Prüderie und Leidenschaft

01.03 – 02.06.02

Den Zeitgenossen der viktorianischen Epoche galt jede naturalistische Darstellung des nackten Körpers als moralisch gefährlich. Mit der Thronbesteigung Königin Victorias im Jahre 1837 wurde der Aktdarstellung neue Aufmerksamkeit und Bedeutung zuteil. MEHR


AUSSTELLUNG

Johan Christian Dahl

12.07 – 13.10.02

Der Norweger Johan Christian Dahl gilt neben Caspar David Friedrich als wichtigster Vertreter der Malerei der Romantik. Ein erneuter Blick auf Dahls Bilder soll dessen Verdienste um die deutsche Malerei des beginnenden 18. Jahrhunderts würdigen. MEHR


AUSSTELLUNG

Meisterzeichnungen der Goethezeit

06.09 – 09.11.97

Die Ausstellung vereint die großen Künstler um 1800 und bezeichnet zugleich die konträren Temperamente, welche die Epoche zwischen Sturm und Drang und frühem Realismus im deutschen Sprachgebiet rahmen. MEHR