Antoni Tàpies — Die Retrospektive

AUSSTELLUNG 26.05 – 13.08.00

Die vom Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid organisierte Retrospektive ist die umfassendste Ausstellung, die es je über Antoni Tàpies gab. Mit 90 Werken aus öffentlichen und privaten Sammlungen der ganzen Welt bietet sie einen Überblick über das Schaffen des Künstlers von den ersten, Mitte der 1940er-Jahre entstandenen Selbstbildnissen und Collagen bis hin zu Arbeiten, die Ende der 1990er-Jahre entstanden. 
Antoni Tàpies' Beitrag zur Ästhetik des 20. Jahrhunderts liegt im besonderen Umgang mit Textur und Materie, der seinen Gemälden das unverwechselbare Aussehen einer Mauer (span. tapia) verleiht. Für Tàpies bot das Motiv der Mauer reiche expressive Anklänge: So verwehrt sie den Zutritt und verhindert, gewissermaßen als Antirenaissancebild par excellence, das Sehen. Zugleich stellt sie eine Oberfläche dar, auf der Graffiti und Spuren die vergehende Zeit und die sich ständig verwandelnde Welt verdeutlichen. So nahm das Bild der Mauer, auch aufgrund der Identifikation mit seinem eigenen Namen, für den Künstler einen magischen Charakter an, der seine gesamte Malerei prägte. 
Ein Bild zu malen, war für Tàpies die Möglichkeit, über sich hinauszugehen, die Mauern einzureißen, die den Menschen von seiner Umwelt trennen. Der Rückgriff auf eine kleine Zahl von Motiven wie Stühle, Türen, Fenster, Pantoffeln und Füße – banale Alltagsobjekte aus der unmittelbaren Lebenswelt des Künstlers – verdeutlicht seinen Wunsch, den Betrachtern Vertrautheit und Identifikation zu vermitteln. Versehen mit charakteristischen Kalligrafien und Schriftzeichen, häufig Kreuzen und den Initialen seines eigenen Namens "A" und "T", verweisen Tàpies' Werke auch auf das Selbstverständnis des Künstlers als Schamane, der in der Lage ist, die Natur der Materialien zu erkennen, Substanzen zu verändern und dem Leben Sinn zu verleihen. Zahlreiche seiner Arbeiten erinnern an mittelalterliche Votivtafeln, die heilende Effekte haben sollen, wenn man sie auf den Körper auflegt. Tàpies hat wiederholt bemerkt, dass alle Kunst eine Art Spiel ist, eine Falle, die der Betrachter annehmen muss, damit sie wirkt. Wenn er die Leinwand mit einem Kreuz oder einem anderen Zeichen versieht, soll das ihre "Wahrhaftigkeit" aufheben. 
Für Tàpies hat die Kunst rituellen Charakter, der verändernd auf das Bewusstsein wirken will. Immer misstrauisch gegenüber einer Zivilisation, die zu sehr auf den Logos konzentriert ist, fand Tàpies eine Inspirationsquelle bei den Mystikern und dem Zen-Buddhismus. In seinen Schriften betont der Künstler, dass die Malerei den Blick für eine humane Weltsicht öffnen und Verhaltensregeln präsentieren müsse, die unser Leben mit mehr Sinn und unsere Beziehungen zu Mitmenschen und Natur mit mehr Liebe erfüllen. Aus diesem Geist plädiert der Künstler für eine nachdenkliche und transzendentale Ästhetik, die zugleich dem Humor, der Ironie und dem Spiel große Bedeutung beimisst.

Antoni Tàpies, Weiss mit roten Flecken, 1954, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies, Weiss mit roten Flecken, 1954, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies, Fussspuren auf braunem Bett, 1966, Ludmer Collection, Montreal © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies, Fussspuren auf braunem Bett, 1966, Ludmer Collection, Montreal © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies, Lack mit schwarzen Formen, 1982, VEBA AG, Düsseldorf © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies, Lack mit schwarzen Formen, 1982, VEBA AG, Düsseldorf © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies, Collage mit Banknoten, 1951, Fundació Antoni Tàpies, Barcelona © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies, Collage mit Banknoten, 1951, Fundació Antoni Tàpies, Barcelona © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Antoni Tàpies – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Antoni Tàpies – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Antoni Tàpies – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Antoni Tàpies – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Antoni Tàpies – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Antoni Tàpies – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi

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Ernst Wilhelm Nay — Bilder und Dokumente

26.07 – 21.09.80

Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) gilt wegen der abstrakten Bildsprache und der Auffassung vom "Gestaltwert der Farbe" als führender Vertreter der Nachkriegsmoderne. MEHR


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14.11.81 – 31.01.82

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12.08 – 09.10.88

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20.05 – 14.08.94

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21.01 – 26.03.95

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Barnes Collection

23.06 – 22.10.95

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15.05 – 20.07.97

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17.10.97 – 20.01.98

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Joel Shapiro

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14.11.97 – 11.01.98

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01.02 – 13.04.98

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