Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt.

AUSSTELLUNG 16.03 – 14.05.00

Wie verändern sich Menschen, die Minister, Ministerpräsident, Bundeskanzler, Leiter eines großen Unternehmens oder Bundesgeschäftsführer einer großen Partei werden, unter dem Druck der Verantwortung und der öffentlichen Aufmerksamkeit? Diese Frage bildete den Antrieb für die Fotografin Herlinde Koelbl (geb. 1939) als sie zwischen 1991 und 1998 in einer Langzeitstudie fünfzehn Prominente jeweils jährlich im Porträt festhielt und jenen Spuren nachging, welche die Macht in ihre Gesichter gezeichnet hatte. Die großformatigen Fotografien, die das Haus der Kunst in einer Ausstellung präsentierte, sind in Schwarz-Weiß gehalten und nähern sich dem Dargestellten vor neutral weißem Hintergrund von vorne, variieren aber zwischen der Fokussierung auf das Gesicht und der halbfigurigen Wiedergabe. Die Porträtreihe war um eine sachliche Dokumentation dessen bemüht, was in Blick, Mimik, Körpersprache und Kleidung zum Ausdruck kommt. Sie suchte – ergänzt durch ausführliche Interviews, bzw. charakteristische Zitate – Anhaltspunkte zu finden, die Rückschlüsse auf die Verwandlung des Menschen durch das Amt zuließen.
Unter den fünfzehn Protagonisten demonstriert der SPD-Politiker Gerhard Schröder, der 1991 gerade Ministerpräsident geworden war und 1998 zum Bundeskanzler gewählt wurde, seinen Willen zur Macht – zuweilen mit dicker Zigarre ganz unverhohlen. Doch politischer Kampf und private Rückschläge wie die Trennung von seiner ersten Frau, prägen ihn ebenso wie Joschka Fischer. Sein Werdegang katapultiert ihn vom Abgeordneten der Grünen zum Außenminister, was sich äußerlich in einem deutlichen Gewichtsverlust sowie in einer neuen Partnerschaft niederschlägt. Unter den Frauen bekennen sich die SPD-Politikerin Heide Simonis, Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, und Irmgard Schwaetzer, FDP-Ministerin, freimütig zu ihrer Eitelkeit. Im Gegensatz zu den Männern sprechen sie aber auch offener von den Niederlagen und den Wunden, die das Scheitern schlägt, welches auch die Karriere des Bayerischen CSU-Ministers Peter Gauweiler trübt. Die einzige, die um Unabhängigkeit ringt und sich ein Leben außerhalb der Politik vorstellen kann, ist die mehrfache SPD-Kandidatin für das Amt der Bayerischen Ministerpräsidentin, Renate Schmidt. Angela Merkel durchläuft von 1991 bis 1998 verschiedene Ministerämter im CDU-Kabinett von Helmut Kohl und träumt davon, den Ausstieg aus der Politik zu schaffen und "ein paar Dinge" bewegt zu haben, die mit ihrem Namen verbunden bleiben. Heinrich von Pierer/Siemens, Karlheinz Blessing/Dillinger Hütte und Henning Schulte-Noelle/Allianz sehen sich als Topmanager der Wirtschaft im Vergleich zu den Politikern geschützter vor persönlichen Angriffen und dadurch im Vorteil – entsprechend gering scheint die äußerliche Veränderung. Doch egal, ob es sich um Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ, handelt oder um die Straußtochter Monika Hohlmeier, der als CSU-Ministerin im Bayerischen Kabinett eine verheißungsvolle Karriere bevorzustehen scheint, gleich ob es um Friedbert Pflüger, Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Rolf Schlierer, Bundesvorsitzender der Republikaner, oder Arnold Vaatz, Minister in Sachsen, geht – das Resümee von Herlinde Koelbl fällt deutlich aus: "Einen Preis zahlen sie immer. Im Verlust an Spontaneität, Offenheit, Unbefangenheit, Eigenständigkeit, Privatleben, Menschlichkeit."

Der broschierte Katalog umfasst 400 Seiten und zeigt auf dem Titel einzelne Porträts. Das Vorwort verfasste Herlinde Koelbl. Die Kapitel folgen den 15 Namen der Prominenten und enthalten jeweils acht s/w-Fotografien sowie die schriftlich gefassten Interviews mit ihnen. Ihre biografischen Daten finden sich im Anhang.

Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Herlinde Koelbl. Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi

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