Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen

AUSSTELLUNG 07.03 – 30.05.99

"Kunst über Grenzen" charakterisiert die Sammlung des Schweizers Josef Müller (1887-1977), die mit Werken der Klassischen Moderne, der Klassischen Antike und der außereuropäischen Kunst zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Welt gehörte. Inzwischen wurden einzelne Objekte an Museen, u. a. in Barcelona, Genf und Solothurn, gegeben. Für die Ausstellung wurde die Sammlung in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert und erstmals in diesem Umfang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

Der Sammler
Josef Müller verstand sich nicht als Sammler im engeren Sinne, der einem bestimmten Konzept folgt, vielmehr sah er seine Tätigkeit als ein Finden, Zusammenbringen, Genießen, ja als Leben. Immer bewahrte er sich die Offenheit, der sich die Vielfalt der Sammlung verdankt. Bereits als Student erwarb er seine ersten Bilder und machte Entdeckungen, von denen sich einige später als spektakulär herausstellen sollten. Statt das Familienunternehmen zu führen, widmete er sich als Schüler von Cuno Amiet seiner eigenen malerischen Ausbildung und legte am Solothurner Familiensitz "Schanzmühle" die Kunstsammlung an. In dichter Hängung setzte er dort Gemälde, Volkskunst, ethnologische Skulpturen, volkstümliche Keramiken und Antiken zueinander in Bezug. 

Die Sammlung
Zu Josef Müllers ersten Erwerbungen zählten Ferdinand Hodlers "Eiger, Mönch und Jungfrau im Mondschein" (1908) und "Liebe" (1909). Der offene Blick für neue Kunstentwicklungen prägte seinen Kunstgeschmack und begründete die lebenslange Freundschaft zu Hodler. Auch andere Schweizer Künstler wie Cuno Amiet, Hans Berger, Ernst Morgenthaler und vor allem die Bilder von Felix Vallotton weckten sein Interesse. Wichtige Impulse zum Sammeln französischer Kunst empfing Müller durch die Begegnung mit dem Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard. Über ihn gelangte er an den als Gründer der Moderne verehrten Paul Cézanne, dessen "Porträt des Gärtners Vallier" neben acht weiteren Gemälden das Zentrum der Sammlung bildet. Frühe kubistische Werke von Georges Braque und Pablo Picasso fanden ebenso Aufnahme wie zwei Werke von Wassily Kandinsky, darunter die "Komposition V", ein Meisterwerk der frühen Abstraktion. Einige Jahre später ergänzte er die Sammlung um zehn Werke Joan Mirós sowie Bilder von Fernand Léger und Georges Rouault.

Nachdem sich Josef Müller zu Beginn der 1930er-Jahre wegen finanzieller Schwierigkeiten von einigen Werken trennen musste, begann er mit dem Sammeln erschwinglicher außereuropäischer Kunst. In Paris baute er zwischen 1930 und 1942 seine Sammlung ozeanischer, afrikanischer, indonesischer und amerikanischer Kunst auf. Zugleich wandte er sich der Klassischen Antike zu, die in der Sammlung mit Objekten aus dem gesamten Mittelmeerraum, dem Vorderen Orient und den Steppengebieten Russlands in erstaunlicher Vielfalt vertreten ist, die vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. reichen. Einen Schwerpunkt bilden darüber hinaus kykladische und vorderasiatische Idole und Artefakte des 3. Jahrtausends v. Chr. 

In der breiten Palette seiner Sammlerinteressen hat Josef Müller nicht nur Gemeinsamkeiten in der Kultur unterschiedlicher Völker und Epochen aufgezeigt, sondern sich insbesondere um die Anerkennung der primitiven Kunst als Quelle der Inspiration für die Kunst der Moderne verdient gemacht. 1942 kehrte Müller in seine Geburtsstadt Solothurn zurück, um sich dort für die von ihm geschätzten Schweizer Künstler einzusetzen. 

Nach dem Tod Josef Müllers im Jahr 1977 wurden einzelne Objekte an verschiedene Museen und Stiftungen verteilt, die Sammlung wird jedoch von der Tochter und ihrem Mann Jean Paul Barbier bis in die Gegenwart gepflegt. Unter ihrer Ägide vollzog sich eine Neuordnung und Ergänzung, in deren Folge Werke junger Schweizer Künstler ebenso Eingang fanden wie jene von Jean Tinguely, Andy Warhol und Georg Baselitz. Barbier nahm sich insbesondere des Ausbaus der außereuropäischen Kunst an, er erwarb besondere Stücke und gründete verschiedene Museen für die Sammlung. Heute setzen die Enkel Gabriel und Thierry in dritter Generation das Erbe ihres Großvaters Josef Müller fort.

Fernand Léger, Die Lesende (Mutter und Kind), 1922, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 1999
Fernand Léger, Die Lesende (Mutter und Kind), 1922, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 1999
Paul Cézanne, Badende (Undinen), 1883-85, Privatsammlung
Paul Cézanne, Badende (Undinen), 1883-85, Privatsammlung
Wassily Kandinsky, Komposition V (Auferstehung), 1911, Privatsammlung
Wassily Kandinsky, Komposition V (Auferstehung), 1911, Privatsammlung
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
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Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Kunst über Grenzen. Die Klassische Moderne von Cézanne bis Tinguely und die Weltkunst – aus der Schweiz gesehen, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi

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