Hans Haacke: Gift Horse

AUSSTELLUNG 27.04 – 20.08.17

Das Haus der Kunst freut sich, Hans Haackes gefeierte Monumentalplastik Gift Horse (2015) in seinen Räumen zeigen zu können. Ursprünglich im Auftrag der City of London als zehnter Beitrag für den Skulpturensockel "Fourth Plinth" am Trafalgar Square entstanden, wurde dieses Werk inmitten hitziger Debatten über die Ausgabefreudigkeit der Stadtverwaltung in Zeiten eisernen Sparens während der Finanzkrise enthüllt und dadurch auch in einen Zusammenhang mit den aktuellen sozialen und politischen Verhältnissen überall auf der Welt gebracht. So gesehen hätte Gift Horse zu keinem sinnfälligeren Zeitpunkt entstehen können.

Die Bronzeplastik stellt, basierend auf einer Radierung des englischen Malers George Stubbs, ein Pferdeskelett ohne Sattelzeug dar. Ein elektrisches, an einem Vorderbein des Pferdes befestigtes Laufschriftband zeigt in Echtzeit übertragene Kurse der Londoner Aktienbörse an, die in München durch einen Live-Ticker der Frankfurter Börse ersetzt werden. Die Arbeit nimmt unmittelbar Bezug auf ein nie ausgeführtes Reiterstandbild von König Wilhelm IV., das ursprünglich für den Sockel vorgesehen war, und versinnbildlicht das Zusammenwirken von Reichtum, Macht und imperialer Geschichte.

Wie Haacke erläutert, entstand sein Projektvorschlag aus der eingehenden Auseinandersetzung mit dem Ort und der Bedeutung des Denkmals für die politische Repräsentation:
"Ich wurde als einer von sechs Künstlern eingeladen, einen Vorschlag für den vierten Sockel an der nordwestlichen Ecke des Trafalgar Square einzureichen. Der Sockel stand seit 150 Jahren leer. Georg IV., dessen Reiterstatue einen Sockel an der Nordostecke ziert, hatte in seiner Regierungszeit so viel Geld ausgegeben, dass es unter dem Nachfolger, seinem jüngeren Bruder Wilhelm IV., nicht mehr für einen Ritt auf dem Bronzepferd reichte.
Nachdem ich mehrere Einfälle verworfen hatte, schien mir eine Bezugnahme auf den Brauch, Herrscher auf Pferderücken zu verewigen, angebracht. (Ich bin nicht der erste Fourth Plinth-Künstler, der das tut.) Meine Verewigung sollte ein Pferdegerippe mit Live-Verzierung sein – und keinen Reiter haben.
Zum Projektvorschlag für den Fourth Plinth gehörte ein Bild, dem man entnehmen konnte, wie das Ganze am Ende aussehen würde. Da ich keinerlei Kenntnis von Pferdeskeletten besaß (auch was das angeht, bin ich wohl nicht der einzige), fragte ich eine Bibliothekarin, ob sie einschlägige Publikationen kannte. Sie verwies mich auf The Anatomy of the Horse von George Stubbs. Von meinen Besuchen in der Tate kannte ich Stubbs als Maler von Pferden und englischen Adeligen auf Pferderücken. Aber mir war neu, dass er als Sohn eines Gerbers eigenhändig Pferde seziert und seine Beobachtungen als Radierungen in diesem Buch veröffentlicht hatte. Dann fand ich heraus, dass gleich in nächster Nähe des Trafalgar Square ein Porträt von Whistlejacket, einem sich aufbäumenden Araberhengst, das sein Besitzer Charles Watson-Wentworth, zweiter Marquis von Rockingham, in Auftrag gegeben hatte, in einem großen Saal der National Gallery hängt. Dieser Marquis war ein Whig und zweimaliger Premierminister und laut Wikipedia 'selbst nach den Maßstäben dieser wohlhabenden Kreise außergewöhnlich reich'.
Ob Gift Horse nun ein Denkmal oder ein Mahnmal ist – betrachten Sie es vielleicht einfach als meine Reverenz an die City, die Wallstreet von London."

Nach seiner erfolgreichen Enthüllung in London wird Gift Horse in Absprache mit Haacke am Haus der Kunst in der monumentalen Mittelhalle gezeigt, um so eine weitere Ebene der Resonanz auf die für viele europäische Plätze und Gebäude bestimmende öffentliche Machtdarstellung zu eröffnen. Denn diese Plastik ist insbesondere in ihrer Anknüpfung an zeitgenössische Zurschaustellungen von Macht, Wert, Reichtum und politischem Gedächtnis interessant. Unmittelbar beim Betreten der Mittelhalle im Haus der Kunst werden die Besucher mit dem, auf einem monumentalen Sockel aufgestellten Gift Horse, als eine Antwort auf die zeremoniell aufgeladene und propagandistische Vergangenheit der ehemaligen Ehrenhalle konfrontiert. Es steht in Erinnerung an die zeremonielle und propagandistische Funktion der ehemaligen Ehrenhalle auf einem wuchtigen Piedestal. Die skulpturale Qualität von Haackes scharfsinniger Reflexion von Macht bildet einen Gegensatz zur monumentalen Dimension der Mittelhalle und bereichert so auch die Diskussion über die bevorstehende Renovierung des Hauses der Kunst.

Kuratiert von Ulrich Wilmes

Courtesy Paula Cooper Gallery, New York © VG Bild-Kunst, Bonn

Stretch your view


Stretch your view


AUSSTELLUNG

Frank Bowling: Mappa Mundi

23.06.17 – 07.01.18

Die umfassende Überblicksausstellung zeigt seltene und noch nie zuvor ausgestellte große Gemälde und andere Arbeiten des in Guyana geborenen britischen Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Kiki Smith — Procession

02.02 – 03.06.18

Die Ausstellung präsentiert die ganze Vielfalt des Œuvres der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith und zeichnet dessen Entwicklung bis in die jüngste Zeit nach. MEHR


Video

Hans Haacke / Ausstellungsfilm

Der Ausstellungsfilm erlaubt einen Blick auf die Ausstellung, kommentiert von Hans Haacke und Kurator Ulrich Wilmes. MEHR


Publikation

Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965 - Ausstellungsführer

14.10.16

MEHR


Edition

Thomas Struth

MEHR


Edition

Sarah Sze — Point to Point, 2017

MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 26.08, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Freier 1. Donnerstag

Donnerstag, 07.09, 18 Uhr

An jedem 1. Donnerstag im Monat ist der Eintritt zwischen 18 und 22 Uhr frei. MEHR


Eröffnung

After-Opening Party

Donnerstag, 14.09, 19 Uhr

Wir lassen den Sommer ausklingen – und läuten unser Herbstprogramm ein: Das Haus der Kunst eröffnet vier Ausstellungen. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 23.09, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 28.10, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 25.11, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 23.12, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Dauerausstellung

Archiv Galerie 2017/18

18.07.17 – 04.02.18

Im Fokus der neu gestalteten Archiv Galerie steht der Sommer 1937 in München, als das neuerrichtete Haus der Deutschen Kunst mit der ersten "Großen Deutschen Kunstausstellung" und die Femeschau "Entartete Kunst" im Galeriegebäude am nahegelegenen Hofgarten eröffnet wurden MEHR


Künstlerische Auftragsarbeit

DER ÖFFENTLICHKEIT: Sarah Sze

15.09.17 – 12.08.18

Für die fünfte Ausgabe der Serie DER ÖFFENTLICHKEIT — VON DEN FREUNDEN HAUS DER KUNST hat die amerikanische Künstlerin Sarah Sze eine ortsspezifische Arbeit für die Mittelhalle im Haus der Kunst konzipiert. MEHR


AUSSTELLUNG

Again and Again

15.09.17 – 08.04.18

Again and Again zeigt Videoarbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Mark Leckey, Bjørn Melhus, Tracey Emin und Brice Dellsperger, die vom gespaltenen oder reproduzierten Subjekt fasziniert sind. Alle Arbeiten erforschen dabei die Idee des Selbst zur Jahrtausendwende. MEHR


Symposium

Art and Black Atlantic Cultures

Freitag, 20.10, 11 Uhr

Ein Symposium rund um das Werk von Frank Bowling mit Ellen Gallagher, Isaac Julien, Steve McQueen & more MEHR


AUSSTELLUNG

Thomas Struth: Figure Ground

05.05 – 17.09.17

Die Übersichtsausstellung von Thomas Struth präsentiert erstmals eine Auswahl seiner umfassenden Werkgruppen unter dem Aspekt des sozialen Interesses, das die Entwicklung seines künstlerischen, explizit international angelegten Werks durchzieht. MEHR