Weniger ist mehr. Bilder, Objekte, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978

AUSSTELLUNG 30.04 – 25.07.10

"Je déteste le décor (Ich hasse Dekor)." (Herman Daled)

Die Brüsseler Sammler Herman und Nicole Daled (geb. 1930/31) haben sich stets geweigert, Kunstwerke als Dekor aufzufassen, d.h. sie als schmückendes Beiwerk zu instrumentalisieren. Sie näherten sich der Kunst in einer fundamental anderen Weise: Grundlage ihrer Aktivitäten war die persönliche Beziehung und der Diskurs mit den Künstlern. Ganz im Sinne der Konzeptkunst, die den intellektuellen Gehalt eines Werks über seine materielle Ausführung stellt, verstanden sich Herman und Nicole Daled weniger als Sammler, denn als Kommunikatoren und Produzenten: Sie boten Künstlern die Möglichkeit, ihre Arbeit auch jenseits der gängigen Mechanismen des Marktes zu verwirklichen. Sie unterstützten Projekte, verlegten Publikationen oder zahlten den Künstlern ein Gehalt.
Die wichtigste Bezugsperson von Herman und Nicole Daled war Marcel Broodthaers; er ist mit ca. 70 Werken in der Sammlung vertreten. Die Begegnung mit ihm führte zum ersten, für die weitere Entwicklung der Sammlung ausschlaggebenden Ankauf: "Robe de Maria" (1966). Die wachsende Freundschaft mit dem charismatischen Broodthaers öffnete dem Sammlerpaar den Zugang zum inneren Zirkel der Kunstszene dieser Epoche. So förderten Herman und Nicole Daled die in den 1960er Jahren noch weitgehend unbekannten Künstler Daniel Buren, Hanne Darboven, Gilbert & George, Dan Graham, Hans Haacke, Sol Lewitt, Bruce Nauman, Dennis Oppenheim, Robert Ryman, Lawrence Weiner u.v.a. Sie alle nahmen 1972 an der legendären documenta 5 von Harald Szeemann teil, die der Konzeptkunst erstmals eine breite Plattform bot.
In ihrer Radikalität standen Herman und Nicole Daled den zeitgleich arbeitenden Künstlern in nichts nach. Zu ihren Grundsätzen gehörte, ausschließlich Werke von lebenden Künstlern und auch diese nur auf dem primären Markt zu kaufen, d.h. von den Künstlern selbst oder von ihren Galerien – und sie auch nicht wieder zu verkaufen.
Von der intensiven Auseinandersetzung des Sammlerpaars mit der Konzeptkunst, einer der wichtigsten Strömungen der jüngeren Kunstgeschichte, zeugen aber nicht nur die gesammelten Kunstwerke, sondern auch die akribisch archivierten Dokumente, in denen eine Fülle von Aktionen und Ereignissen festgehalten sind. Sie veranschaulichen die Genese und Entwicklung einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen zur Konzeptkunst. Die Ausstellung "Weniger ist mehr" legt den Schwerpunkt auf die Jahre von 1966 bis 1978 – der produktivsten Phase in der Sammlungstätigkeit von Herman und Nicole Daled – und zeichnet ein lebendiges Bild der progressiven, internationalen Kunstszene dieser Zeit.

On Kawara, I Got Up, 1972, Detail, The Museum of Modern Art, New York
On Kawara, I Got Up, 1972, Detail, The Museum of Modern Art, New York
Marcel Broodthaers, Le Vinaigre des Aigles, 1968, The Museum of Modern Art, New York © Marcel Broodthaers / VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Marcel Broodthaers, Le Vinaigre des Aigles, 1968, The Museum of Modern Art, New York © Marcel Broodthaers / VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Lawrence Weiner, A Bit Of Matter And A Little Bit More [ein Bisschen Materie und ein Bisschen mehr], 1976 © VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Lawrence Weiner, A Bit Of Matter And A Little Bit More [ein Bisschen Materie und ein Bisschen mehr], 1976 © VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Foto Wilfried Petzi
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Foto Wilfried Petzi
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Marcel Broodthaers, Poèmes industriels, 1968–69, The Museum of Modern Art, New York © Marcel Broodthaers / VG Bild-Kunst, Bonn 2010, Foto Wilfried Petzi
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Marcel Broodthaers, Poèmes industriels, 1968–69, The Museum of Modern Art, New York © Marcel Broodthaers / VG Bild-Kunst, Bonn 2010, Foto Wilfried Petzi
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Niele Toroni, Empreintes de pinceau N° 50 répétées à intervalls réguliers de 30 cm, 1972, The Museum of Modern Art, New York, Foto Wilfried Petzi
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Niele Toroni, Empreintes de pinceau N° 50 répétées à intervalls réguliers de 30 cm, 1972, The Museum of Modern Art, New York, Foto Wilfried Petzi
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Daniel Buren, Tissu en coton rayé de bandes verticales blanches et colorées de 8,7 cm (+/- 0,3 cm) chacune. Les deux bandes extrêmes blanches recouvertes de peinture arcrylique blanche recto-verso, 1970, The Museum of Modern Art, New York, Foto Wilfried Petzi
Weniger ist mehr – Bilder, Objeke, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled. 1966–1978, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2010, Daniel Buren, Tissu en coton rayé de bandes verticales blanches et colorées de 8,7 cm (+/- 0,3 cm) chacune. Les deux bandes extrêmes blanches recouvertes de peinture arcrylique blanche recto-verso, 1970, The Museum of Modern Art, New York, Foto Wilfried Petzi

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Bildergalerie


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Video zur Ausstellung "So Much I Want to Say"

Einführung in die Ausstellung "So Much I Want to Say: Von Annemiek bis Mutter Courage — Sammlung Goetz im Haus der Kunst" von Kuratorin Patrizia Dander. MEHR


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Jenny Holzer. Da wo Frauen sterben bin ich hellwach.

16.11 – 12.12.93

Die Ausstellung zeigt Blätter zu dem Zyklus der amerikanischen Konzeptkünstlerin, den sie unter dem Titel "Da wo Frauen sterben, bin ich hellwach" für die Ausgabe "No. 46" des SZ-Magazins schuf. MEHR


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Partners

07.11.03 – 15.02.04

Mit der Ausstellung werden ausgewählte Werke der Sammlung von Ydessa Hendeles, Sammlerin, Kuratorin und Gründerin der Ydessa Hendeles Art Foundation in Toronto, erstmals international präsentieren. MEHR


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Schatzhäuser Deutschlands

19.11.04 – 13.02.05

Viele der Kunstwerke in adligem Privatbesitz sind Zeugnis der Sammelleidenschaft, aber auch der einstigen Macht dieser Fürstenhäuser: Zahlreiche Hauptwerke der europäischen Malerei und Grafik, unter anderem aus den Ateliers von Rembrandt, Rubens, Dürer, Cranach oder Holbein, sind hier vertreten. MEHR


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Sammlung Generali Foundation

09.03 – 16.05.05

Die Ausstellung ist nicht als "Leistungsschau" dieser bekannten Sammlung angelegt, sondern stellt Querverbindungen zwischen den verschiedenen Werken her. MEHR


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Cardiff & Miller — Werke aus der Sammlung Goetz

13.04 – 08.07.12

Die Ausstellung zeigt acht Arbeiten des kanadischen Künstler-Duos Janet Cardiff und George Bures Miller, die durch die Kombination von Bild, Ton und nachgebildeten Räumen möglichst viele Sinne des Betrachters ansprechen, um das Geschehen so real wie möglich erscheinen zu lassen. 2012 nahmen Cardiff/Miller an der dOCUMENTA (13) in Kassel teil. MEHR


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Emil Schumacher — Retrospektive

08.05 – 12.07.98

Die Bilder Emil Schumachers (1912-1999) gelten als Inbegriff der deutschen Nachkriegskunst. MEHR


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Rupprecht Geiger

25.01 – 08.05.08

Das Haus der Kunst ehrt den Münchner Künstler Rupprecht Geiger zu seinem 100. Geburtstag mit einer Installation in der zentralen Mittelhalle. Neben zwei großen Farbsegeln ist die berühmte "Rote Trombe" zu sehen. MEHR


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Aschemünder

09.04 – 04.09.11

Seit Frühjahr 2011 zeigt das Haus der Kunst in den Räumen seines ehemaligen Luftschutzkellers Film- und Medienkunst aus der umfangreichen Sammlung von Ingvild Goetz. Die erste Gruppenausstellung trägt den Titel "Aschemünder" und zeigt Werke von David Claerbout, Willie Doherty, Harun Farocki, Omer Fast, Mona Hatoum, Anri Sala u.a. MEHR