Werke Europäischer Plastik

AUSSTELLUNG 01.11.1950 – 24.12.1950

Die Ausstellung von "Werken europäischer Plastik" rückte nicht nur die Gattung Bildhauerei in den Mittelpunkt, sondern auch deren Interpretation durch Künstler in europäischen Ländern. Seitens der Ausstellungsleitung München e. V. Haus der Kunst zeichneten vier Bildhauer verantwortlich für ihre Durchführung: Toni Stadler, Georg Brenninger, Josef Wackerle und Theodor Georgii. Ihr kurzes Vorwort (in Englisch, Französisch und Italienisch) unterstrich den Anspruch auf Internationalität, der den Aufbruch in die Moderne begleitete. Im Jahr 1950 verband man mit der lang ersehnten Erweiterung des regionalen Horizonts den Wunsch: "Mögen die ausgestellten Skulpturen aus den verschiedensten Regionen plastischer Vorstellung sich nicht feindlich gegenüberstehen, sondern durch ihre Qualität eine innere Verwandtschaft aufzeigen."
Die Ausstellung versammelte insgesamt ca. 70 Skulpturen bekannter Bildhauer aus Deutschland und den Nachbarländern, die meisten aus Bronze. Sie wurden ergänzt durch einzelne Zeichnungen, die als Leihgaben von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, von deutschen und internationalen Museen, Galerien und Privatsammlungen stammten. Der Auswahl vorangestellt war ein antikes Grabrelief aus der Münchner Glyptothek "Jäger mit Hund" (um 360 v. Chr.), das, gleichsam als Leitmotiv, von einem Ausstellungskonzept zeugte, welches das bildhauerische Gestalten der Gegenwart als Fortführung einer in der Antike begründeten Tradition begriff. Die Werke zeigten sich durchweg der Gegenständlichkeit verpflichtet, Hauptmotiv war die menschliche Figur, bzw. das Tier.
Während sich Pierre-Auguste Renoirs "Kleine Venus" im impressionistischen Stil dem Spiel von Licht und Schatten öffnet, verbindet sein Zeitgenosse Auguste Rodin in der "Kauernden" (1880/82) das akademische Erbe des 19. Jahrhunderts mit einer emotional-expressiven Dynamik, die ihn als Wegbereiter der Moderne kennzeichnet. Eine Reihe von zehn Arbeiten von Aristide Maillol, darunter die "Große Venus", zeugt davon, dass der Künstler die klassische Figur aus der Mythologie zu vereinfachender Abstraktion weiterentwickelt hat. Diese ist in Wilhelm Lehmbrucks Werk, von dem fünf Skulpturen präsentiert wurden, sehr weit vorangetrieben, wie die Fassung des "Mädchentorso, sich umwendend" (1913/14) als Leihgabe aus der Familie des Künstlers zeigt. Die etwa gleichzeitig entstandene kleine Bronze von Henri Matisse zielte weniger auf die mit dem Blick des Malers erfasste Wiedergabe eines liegenden nackten Frauenkörpers, als auf die Eigenwertigkeit der plastischen Volumina. Mit den Werken von Ernst Barlach ("Bettlerin", 1907), Bernhard Heiliger und Gerhard Marcks kehrten mit der Ausstellung auch wieder jene Menschen-Bilder ins Haus der Kunst zurück, die wegen ihrer formalen Abstraktion und ihrer symbolisch überhöhten Expressivität lange Jahre als "entartet" gegolten hatten.
Manche der in der Ausstellung vertretenen Künstler gehörten 1950 als zeitgenössische Bildhauer zur Avantgarde der Nachkriegskunst in Deutschland, deren Ruhm sich erst in den kommenden Jahren festigen sollte. Der Italiener Marino Marini mit einem "Reiter" oder der Engländer Henry Moore mit mehreren Exemplaren seiner berühmten "Liegenden" machen den Bruch mit der antiken Tradition und die Fragilität der menschlichen Existenz durch den Sturz des Reiters, bzw. die Aushöhlung der Figur kenntlich. Die Werke der mitveranstaltenden Bildhauer – Georg Brenninger, Josef Wackerle und Toni Stadler, vertreten durch die Tierplastik "Hund" (1935) – hatten hingegen vor allem regionale Bedeutung. Unter Auslassung von Objektkunst, Surrealismus, Kubismus, Abstraktion etc. beschrieb die Ausstellung "Werke europäischer Plastik" in großem Bogen die Entwicklung der Skulptur vom ausgehenden 19. Jahrhundert über die Klassische Moderne zur beginnenden Nachkriegsmoderne. Sie folgte einer gemäßigt-modernen Kunstauffassung, die jedoch die wegweisenden Impulse aufzeigte, die von einzelnen großen europäischen Künstlerpersönlichkeiten ausgingen.

Der Katalog im broschierten DIN A5-Format umfasst ca. 30 Seiten. Neben dem kurzen Vorwort der Kuratoren, das auch in Englisch, Französisch und Italienisch abgedruckt ist, enthält er 24 s/w-Fotos der insgesamt ca. 70 in der Ausstellung präsentierten plastischen Werke. Die technischen Angaben zur Abbildung sowie in der Werkliste beschränken sich auf Künstlername und Titel.

Die Ausstellung zeigte Arbeiten von Ernst Barlach, Otto Bänninger, Bernhard Bleeker, Hermann Blumenthal, Georg Brenninger, Charles Despiau, Alexander Fischer, Marcel Gimond, Hermann Hahn, Hermann Haller, Philipp Harth, Bernhard Heiliger, Adolf von Hildebrand, Anton Hiller, Ludwig Kasper, Heinrich Kirchner, Richard Knecht, Meise Kogan, Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol, Giacomo Manzú, Gerhard Marcks, Marino Marini, Priska von Martin, Ewald Mataré, Henri Matisse, Hans Mettl, Henry Moore, Georg Müller, Pierre-Auguste Renoir, Auguste Rodin, Edwin Scharf, Toni Stadler, Josef Wackerle, Hans Wimmer und Fritz Wrampe.

Henry Moore, Liegende Figur I, 1951, Sprengelmuseum Hannover © VG Bild-Kunst, Bonn, 1950 / bpk Bildagentur, Foto Michael Herling, Aline Gwose

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