Jelena Vesić: Herzliche Begegnung mit den Anderen

Vortrag 01.06.17, 19 Uhr

Herzliche Begegnung mit den Anderen: Das künstlerische Leben der Pioneer-Plakette und das (post)koloniale Unbehagen am Universalbild des Menschen.
Vortrag von Jelana Vesić, Goethe-Institut Postdoctoral Fellow am Haus der Kunst und ebendort Forscherin zum Diskurs-Ausstellungskapitel Postcolonial: 1955-1980

Wir alle wissen nun mit Sicherheit, dass der Wust aus Geschichte, Gerüchten und Belegen, den wir die Tradition der Moderne nennen, von einem engen Horizont begrenzt ist. Rückblickend erkennen wir deutlicher, welchen „Gesetzen“ des Fortschritts er gehorcht, aus welchen idealistischen Philosophien, welchen militärischen Metaphern des Vorstoßens und der Eroberung sein Innengerüst geschmiedet ist. Was für ein jämmerlicher Anblick er ist – oder war!
Brian O'Doherty, "In der weißen Zelle", 1996 (1976)

Dieser Vortrag erkundet die postkoloniale Politik der Bilder und einige relevante kunstgeschichtliche Begriffe ausgehend von einer Analyse der Pioneer-Plaketten. Auf diesen beiden vergoldeten Aluminiumtafeln, die 1972 und 1973 an den Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11 angebracht wurden, ist eine Universaldarstellung des oder der Menschen zu sehen. Das Piktogramm sollte die Existenz intelligenten Lebens auf der Erde dokumentieren und eventuellen intelligenten Anderen im Kosmos ein allgemeingültiges Bild des Menschen vermitteln. Die Abbildungen waren Bestandteil des NASA-Forschungsprogramms und wurden 1977 auch in die Golden Records an Bord der Voyager-Sonden aufgenommen. Sie begleiteten somit den ersten Raumflug, der unser Sonnensystem verließ.

Die Pioneer-Plakette war das erste von Menschen hergestellte Ausstellungs-Artefakt, das Wesen und Selbst des Menschen für nichtmenschliche Andere und deren „Blick“ abbildete. Zugleich blieb sie eng an westliche Bildtraditionen und an die von Erwin Panofsky so genannte "Perspektive als symbolische Form" gebunden.

Jelena Vesić ist freischaffende Kuratorin, Autorin und Dozentin. In ihren Publikationen, Forschungen und Ausstellungen verbindet sie politische Theorie mit zeitgenössischer Kunst. Sie war Redakteurin der Zeitschriften Prelom – Journal of Images and Politics (Belgrad, 2001-2010) und Red Thread (Istanbul). Außerdem gehörte sie dem Herausgeberkomitee von ARTMargins (MIT Press) an. Sie hat zahlreiche Aufsätze zu kuratorischer Arbeit, geschichtswissenschaftlichen Methoden, Ausstellungsgeschichte und Politik der Zurschaustellung veröffentlicht. Ihr neuestes Buch On Neutrality (gem. mit Vladimir Jerić Vlidi und Rachel O’Reilly) erschien in der Reihe Non-Aligned Modernity (MoCA Belgrad) und widmet sich in Fallbeispielen der Kultur und Politik der Bewegung Blockfreier Staaten, der bedeutendsten Entkolonialisierungsbewegung des 20. Jahrhunderts.

Ermöglicht durch
Goethe-Institut und Kulturstiftung des Bundes

In englischer Sprache

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5 €

Pioneer-Plakette, entworfen von Carl Sagan und Frank Drake. Künstlerische Gestaltung von Linda Salzman Sagan. Foto: NASA Ames Research Center (NASA-ARC)

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Postwar / Trailer

Der Trailer gibt einen Einblick in global ausgerichtete Ausstellung, die den Besucher in acht Kapiteln durch die ersten 20 Jahre nach dem Krieg führt. MEHR


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Postwar / Ausstellungsfilm

Der Ausstellungsfilm erlaubt einen Blick auf die Werke in der Ausstellung, kommentiert von den drei Ko-Kuratoren Okwui Enwezor, Katy Siegel und Ulrich Wilmes. MEHR


Publikation

Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965 - Ausstellungsführer

14.10.16

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Bildergalerie


Begleitheft für Lehrer zur Ausstellung "Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965"

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Arbeitsblätter

Arbeitsblatt zur Ausstellung "Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965"

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Konferenz

"Nachkriegskunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965"

21.05 – 24.05.14

In Zusammenarbeit mit der Tate Modern wird vom 21. bis 24. Mai 2014 im Haus der Kunst eine Konferenz zum Thema "Nachkriegskunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965" stattfinden mit dem Ziel, die beiden Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg neu zu bedenken und zu analysieren. MEHR