The Sea is History: Art and the Cultures of the Black Atlantic

Symposium Freitag, 20.10, 10 Uhr

The Sea is History:  Art and the Cultures of the Black Atlantic
Ein Symposium rund um das Werk von Frank Bowling

Am 23. Juni 2017 eröffnet das Haus der Kunst Frank Bowling: Mappa Mundi, eine umfassende Überblicksausstellung monumentaler und mittelgroßer Gemälde des renommierten in Guyana geborenen britischen Künstlers Frank Bowling. Der Titel Mappa Mundi, der die Idee der epischen Form aufnimmt, beschreibt die fesselnde Präsenz von Bowlings dramatischen Bildern gut. Als er sich 1967 der Abstraktion zuwandte, verabschiedete sich Bowling vom spekulativen Realismus der Figur und strebte stattdessen ein sinnliches, intuitives Malerlebnis an, inspiriert nicht nur durch eigene Lebenserfahrung, sondern auch durch eine Beschwörung von Mythen von Erinnerung, Abwesenheit, Verlust, Exil und Umherirren. Damit wurde die Abstraktion zu einem Versuchsfeld, in dem die Bildoberfläche mit unsanktioniertem Inhalt überlagert wurde, wodurch sich die riesigen Flächen der abstrakten Arbeiten in einen sowohl formalistischen wie auch agonistischen Raum künstlerischen Engagements verwandelten.

Die Keimzentren der Ausstellung liegen zwischen Bowlings Geburtsort Bartica, London und New York und spiegeln die diasporischen und transnationalen Anliegen eines Künstlers, der sich im Zuge der Konstruktion seiner künstlerischen Subjektivität stets mit der komplexen Geschichte des Schwarzen Atlantik und den Folgen der Mittelpassage beschäftigt hat; der kritischen Literatur zu Bowlings Werk ist die Bedeutung dieser philosophischen und historischen Auseinandersetzung oft entgangen.

Obwohl er im englischsprachigen Teil von Südamerika geboren wurde, ist Bowlings Kunst mit Édouard Glissants Begriff eines "karibischen Diskurses" verbunden und von diesem beeinflusst, besonders von der Idee, dass die gesamte kritische Literatur und Kunst, die im historischen Komplex des Schwarzen Atlantik entstanden ist, einen andauernden Prozess philosophischer Reflexion darstellt. Aus diesem Grund dient Derek Walcotts berühmtes Gedicht "The Sea is History" als Linse, durch die Bowlings gewaltige künstlerische Errungenschaften betrachtet werden sollen.

Um das faszinierende visuelle und physische Drama seiner Gemälde zu entfalten und dabei die Reaktion des Betrachters direkt herauszufordern, entwickelte Bowling eine Palette mit strahlenden Farben und gedeckten Tönen, schuf modulierte Oberflächen und sich verschiebende Ebenen. Indem er sich die Idee der Langsamkeit  zu eigen machte – in Form eines gemächlichen, absorbierenden Auftrags von Acrylfarbe, seinem liebsten Medium – baute er die Gemälde in subtilen, kontrastierenden Schichten auf. Deren langsam aufgeschichtete und akkumulierte Oberflächen wurden zu Schauplätzen einer Art historischer Rückrufs, der unbefestigte Territorien, gleitende Kontinente, vergängliche Meerespanoramen, geologische Landschaften, flüssiges Magma und anthropozentrische Felder heraufbeschwor. Genauso wie bei ihrer Entstehung sind diese Gemälde auch heute noch von einer unvergleichlichen physischen Kraft und visuellen Dramatik. Nur selten hat das Erlebnis des Malens einen solchen Eindruck von Fülle vermittelt, ein räumliches und zeitliches Maß, das den Betrachter in eine Szenerie versetzt, die ihm zugleich ein Gefühl des Versinkens und des Eingehülltseins, des Fortgetragenwerdens und Nachinnengestülptseins vermittelt; als ob man sich außerhalb des eigenen Körpers, außerhalb der Welt befindet.

Man könnte fragen: Warum gerade jetzt der Schwarze Atlantik im visuellen Diskurs? Wie kann das Visuelle, durch die beharrliche ästhetische, formale und theoretische Linse der Kunst, uns einen Sinn für die Erneuerung der schwarzen atlantischen Kulturen und das Interesse an ihnen und an den kosmopolitischen Varianten kritischer Praxis vermitteln, die es hervorgebracht hat? Künstler wie Sonia Boyce,  Isaac Julien, John Akomfrah, Steve McQueen und Ellen Gallagher haben in jüngster Zeit Arbeiten geschaffen, die als Interventionen in diesem kritischen Raum der Disapora gelten können.

Die Verdienste des inzwischen dreiundachzigjährigen Frank Bowling werden erst allmählich in ihrer Gänze erfasst und neue Verbindungen werden hergestellt, wie an der obigen Liste verwandter Künstlerinnen und Künstler zu erkennen ist. Die Ausstellung und das Symposium feiern und hinterfragen die ausgreifenden kulturellen und künstlerischen Räume, in denen Bowlings Ideen, Kunst und Kritik seit bald sechzig Jahren zuhause sind.

"The Sea is History: Art and the Cultures of the Black Atlantic" befasst sich nicht nur mit Bowlings diasporischem Unbewussten als Emigrant, als transnationaler und kosmopolitischer Künstler, sondern will gleichzeitig umreißen und erkunden, wie seine Arbeit verschiedene modernistische Pietäten bezüglich der reinen Immanenz, die formalistische Abstraktion umgab, sowie deren spätere Kritik über den Haufen warf. In seiner New Yorker Zeit scheinen Bowlings frühere humanistische Interessen in reine Abstraktion zerstoben zu sein. Abstraktion löst in seiner Arbeit allerdings nicht zwingenderweise den Inhalt auf, noch wendet sie sich ganz von der Abbildung ab. Wie viele schwarze Künstler seiner Generation fand sich Bowling mit den sich wandelnden Loyalitäten zwischen der spät-modernistischen Idee von der Autonomie des Kunstwerks und den Forderungen an den einzelnen Künstler, für gesellschaftliche und politische Veränderungen zu kämpfen, konfrontiert.

Die Debatten um die Kluft zwischen modernistischen und politisch orientierten Künstlern drehten sich um übergreifendere Fragen der gesellschaftlichen Emanzipation des schwarzen Individuums bzw. spezifisch des schwarzen Künstlers als Katalysator innerhalb der emanzipatorischen Chancen der Kunst im Kampf um kulturelle Sichtbarkeit.

Diese aufgeladene Umgebung regte Bowling dazu an, seine eigene Rolle als Künstler neu zu überdenken. Doch gleichzeitig veranlasste sie ihn – einen schwarzen Künstler, der in Südamerika geboren und England zur Schule gegangen war – seine eigene Verschiedenheit vom afroamerikanischen politischen Kampf anzuerkennen.

Mit dem Beginn seiner gefeierten  “Map Paintings” im Jahr 1967 nahm Bowling die Gelegenheit wahr, das Narrativ von einer schwarzen künstlerischen Universalität zu verkomplizieren, indem er seinen kritischen Blick auf Südamerika und die Karibik richtete. Damit initiierte er ein neues diskursives und kritisches Bewusstsein nicht nur für die historische, sondern gleichzeitig auch für die spezifische räumliche und zeitliche Dimension des "karibischen Diskurses" seiner Malerei. Durch diese radikale Kehrtwende rückten die “Map Paintings” ins Zentrum des Schwarzen Atlantik als irdischem Schauplatz universaler Bedeutung und künstlerischer Erfindung. Dieser reflektierte formale und philosophische Schachzug ist in vielerlei Hinsicht analog zu karibischen und antillischen Schriftstellern wie Aimé Cesaire, Derek Walcott, Wilson Harris, George Lamming, Édouard Glissant, Edward Kamau Braithwaite und Stuart Hall, die Bowling zutiefst bewunderte.

Das Symposium hat zum Ziel, die Schnittmenge der künstlerischen, theoretischen, literarischen und kulturellen Dimensionen von Bowlings Arbeit zu erforschen. Es steht zu hoffen, dass die eingeladenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ­– von Literaturwissenschaftlern, Kulturtheoretikern und Kunsthistorikern bis zu Künstlern – in ihrer Auseinandersetzung mit Frank Bowling: Mappa Mundi beleuchten werden, wie der Schwarze Atlantik noch heute neue Generationen von Künstlern inspiriert.

Teilnehmer:
Sonia Boyce, J. Michael Dash, Ellen Gallagher, Isaac Julien, Courtney J. Martin, Steve McQueen, David Scott

Mit Dank an ICF International Curators Forum für die Unterstützung des Symposiums. 

Freitag, 20. Oktober, 2017
10 - 19.30 Uhr

In Englischer Sprache

Eintritt: 5 €
Der Ticketverkauf startet am 1. September

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AUSSTELLUNG

Frank Bowling: Mappa Mundi

23.06.17 – 07.01.18

Die umfassende Überblicksausstellung zeigt seltene und noch nie zuvor ausgestellte große Gemälde und andere Arbeiten des in Guyana geborenen britischen Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Hans Haacke: Gift Horse

27.04 – 20.08.17

Das Haus der Kunst freut sich, Hans Haackes gefeierte Monumentalplastik Gift Horse (2015) in seinen Räumen zeigen zu können. MEHR


AUSSTELLUNG

Kiki Smith — Procession

02.02 – 03.06.18

Die Ausstellung präsentiert die ganze Vielfalt des Œuvres der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith und zeichnet dessen Entwicklung bis in die jüngste Zeit nach. MEHR


Publikation

Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965 - Ausstellungsführer

14.10.16

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Künstlergespräch

Frank Bowling: Mappa Mundi

22.06.17, 19 Uhr

"Frank Bowling: Mappa Mundi" ist eine umfassende Überblicksausstellung seltener und noch nie zuvor gezeigter großer Gemälde und anderer Arbeiten des in Guyana geborenen britischen Künstlers Frank Bowling. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 29.07, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Freier 1. Donnerstag

Donnerstag, 03.08, 18 Uhr

An jedem 1. Donnerstag im Monat ist der Eintritt zwischen 18 und 22 Uhr frei. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 26.08, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Eröffnung

After-Opening Party

Donnerstag, 14.09, 19 Uhr

Wir lassen den Sommer ausklingen – und läuten unser Herbstprogramm ein: Das Haus der Kunst eröffnet vier Ausstellungen. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 23.09, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 28.10, 14 Uhr

"Ohne Worte" – Frank Bowling eröffnet dir neue Raumgefühle! Das riesige Format seiner Bilder lässt uns eintauchen in seine Bilder-Welten. Erzeugt Farbe ein Raumgefühl? MEHR


Dauerausstellung

Archiv Galerie 2017/18

18.07.17 – 04.02.18

Im Fokus der neu gestalteten Archiv Galerie steht der Sommer 1937 in München, als das neuerrichtete Haus der Deutschen Kunst mit der ersten "Großen Deutschen Kunstausstellung" und die Femeschau "Entartete Kunst" im Galeriegebäude am nahegelegenen Hofgarten eröffnet wurden MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Thomas Struth

Samstag, 29.07, 11 Uhr

Kunstlabor III – Paradiese: Inspiriert von der Ausstellung Thomas Struth lassen wir unsere eigenen Paradiese entstehen; aus Materialien die wir im Englischen Garten sammeln, oder bei uns im Atelier finden. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Mittwoch, 02.08, 10 Uhr

Kunstlabor I – Spritzen, tropfen, gießen, schütten … Experiment Farbe: In Frank Bowlings Bilder gibt es viel zu entdecken: Muschelschalen, Verpackungsmaterial, Fundstücke aus seinem Atelier. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Thomas Struth

Mittwoch, 09.08, 10 Uhr

Kunstlabor III – Paradiese: Inspiriert von der Ausstellung Thomas Struth lassen wir unsere eigenen Paradiese entstehen; aus Materialien die wir im Englischen Garten sammeln, oder bei uns im Atelier finden. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Mittwoch, 16.08, 10 Uhr

Kunstlabor I – Spritzen, tropfen, gießen, schütten … Experiment Farbe: In Frank Bowlings Bilder gibt es viel zu entdecken: Muschelschalen, Verpackungsmaterial, Fundstücke aus seinem Atelier. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Samstag, 19.08, 11 Uhr

Kunstlabor II – Farben erzählen Geschichten – wer bist Du? Wo kommst Du her? In vielen Bildern Frank Bowlings kannst Du Umrisse von Ländern und Kontinenten erkennen. Gemeinsam entdecken wir die Landkartenbilder in der Ausstellung, bevor wir im Atelier uns selbst mit Kartenmaterial, Farbe und Pinsel auf die Suche machen. Wer bin ich? MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Thomas Struth

Mittwoch, 23.08, 10 Uhr

Kunstlabor III – Paradiese: Inspiriert von der Ausstellung Thomas Struth lassen wir unsere eigenen Paradiese entstehen; aus Materialien die wir im Englischen Garten sammeln, oder bei uns im Atelier finden. MEHR


Workshop 6-12 Jahre

Frank Bowling

Mittwoch, 30.08, 10 Uhr

Kunstlabor I – Spritzen, tropfen, gießen, schütten … Experiment Farbe: In Frank Bowlings Bilder gibt es viel zu entdecken: Muschelschalen, Verpackungsmaterial, Fundstücke aus seinem Atelier. MEHR


Workshop ab 8 Jahren

Thomas Struth

Samstag, 02.09, 14 Uhr

Eine ganz eigene Sicht auf Menschen zeigt uns in der Ausstellung der berühmte Künstler Thomas Struth. Wir erproben dann selbst neue, absolut individuelle Porträts: Profi-Fotografen zeigen euch, wie ihr tolle Fotos gestaltet und einfach mal "mehr als einen Schnappschuss" machen könnt. MEHR