Staatsminister berichtet vor Ausschuss für Wissenschaft und Kunst über den Sachstand der Renovierung des Haus der Kunst

Am Mittwoch, den 25. Januar 2017 hat Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle (Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst) im Bayerischen Landtag vor dem Ausschuss für Wissenschaft und Kunst über den Sachstand der Renovierung des Haus der Kunst berichtet. Architekt David Chipperfield, beauftragt mit der Planung der Renovierung, sowie Okwui Enwezor, Direktor des Haus der Kunst, haben an dieser Sitzung teilgenommen.

„Für mich ergibt sich eine zentrale Frage: Wo steht das Haus der Kunst?“, so Minister Spaenle. „Wo steht es mit seiner baulichen Zukunft? Wo steht es mit seiner Historizität? Wie gehen wir damit um? Wo steht es in der künstlerischen Entwicklung als einer der weltweit einmaligen Hotspots zeitgenössischer Kunst? Und schließlich: Wo steht das Haus der Kunst in der Entwicklung der Stadtlandschaft? Für mich bietet der Entwurf des Architekturbüros Chipperfield für diese zentralen Fragen einen geeigneten Lösungsansatz, den Gebäudekomplex zu sanieren und ihm durch die Einbeziehung des Westflügels neue Nutzungsmöglichkeiten zu eröffnen. Zugleich eröffnet die Vorstudie die große Chance zu einem demokratischen Diskurs über die Funktion des Hauses der Kunst, dieses historisch aufgeladene Gebäude sowie seine innovative Rolle heute und seine künftige Aufgabe.“

David Chipperfield kommentierte: “Unsere Vorschläge für die Renovierung des Haus der Kunst sind unaufdringlich und können allgemein als umfassende Sanierung und Nachrüstung der Räume des Gebäudes beschrieben werden. Das Projekt gliedert sich in drei Abschnitte: Erstens Reparatur und Instandsetzung, zweitens Interventionen, die auf programmatischen Zielsetzungen des Museums basieren und drittens Modifikationen im Außenbereich.“

David Chipperfield äußerte sich auch zu der Kritik, die das vorgeschlagene Renovierungsvorhaben für das unter Denkmalschutz stehende, 1937 eröffnete Gebäude ausgelöst hatte: “Die Kritik an den derzeitigen Entwürfen richtet sich weniger gegen die Reparaturen und die Neuorganisation im Inneren des Gebäudes, sondern gegen die Philosophie, das Gebäude gegenüber der Stadt freizulegen, indem Bäume gefällt und die gesamte Szenerie umgestaltet wird. Weil wir hierbei den ursprünglichen Zustand wiederherstellen wollen, wird uns vorgeworfen, ‚die Naziarchitektur zu glorifizieren‘. Das Fällen der Bäume drückt unseren Zweifel an dem Bedürfnis aus, das Gebäude zu verbergen. Wir stellen die Frage, ob dieses ‚Feigenblatt‘ weiterhin nötig ist.

Wir glauben nicht, dass das Gebäude weiter in diesem zweifelhaften Schwebezustand verharren kann. Wie kann eine Institution, die der zeitgenössischen Kunst gewidmet ist und die sich – gemäß einem wesentlichen Aspekt ihres Auftrags und ihrer Legitimierung – verpflichtet hat, provokante Fragen zu stellen und moralische und gesellschaftliche Belange zu behandeln (einschließlich ihrer eigenen Geschichte und der Gesellschaft, die sie geschaffen hat), sich im Gebüsch verstecken? Wie kann eine Kultureinrichtung eine wachsende und maßgebliche Bedeutung gewinnen, wenn sie nicht zu ihrer unbequemen physischen Präsenz steht?“

Okwui Enwezor, Direktor des Haus der Kunst, benennt für die Neukonzeption des Hauses drei wesentliche Elemente: “Kunsthalle, Universalbühne und Innovations-Institut als aufeinander abgestimmte Angelpunkte des fertigen Umbaus“, und führt aus: “Diese drei Elemente werden der Entwicklung, Produktion und Präsentation von Ausstellungen, Aufführungen, Filmschauen und öffentlichen Programmen dienen. Sie werden außerdem Forschungsstipendien und Künstlerresidenzen auf den Gebieten der bildenden Kunst, des Films, der zeitgenössischen Musik und Choreografie, der Literatur und der wissenschaftlichen Arbeit beherbergen. Unser Ziel ist, hier in München eine einzigartige Plattform für anspruchsvolles und mutiges Denken aus aller Welt zu schaffen.

Das renovierte Haus der Kunst wird über eine erweiterte und modernisierte Ausstattung verfügen und mehr Möglichkeiten für öffentliche Versammlungen, Ereignisse und Tagungen sowie Lernräume für Kinder, Jugendliche, Familien, Studierende und Lehrende bieten.”

Minister Spaenle unterstützt das notwendige Renovierungsvorhaben. Die Präsentation von David Chipperfield wurde von dem Ausschuss für Wissenschaft und Kunst positiv aufgenommen.

Auf der Website des Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst finden Sie ebenfalls eine Stellungsname zur Sanierung des Hauses.

© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
© Maximilian Geuter
© Maximilian Geuter
Mel Bochner, The Joys of Yiddish, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Mel Bochner, The Joys of Yiddish, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi

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