Paul McCarthy. Lala Land Parodie Paradies.

AUSSTELLUNG 12.06 – 28.08.05

Mit "Lala Land Parodie Paradies" präsentiert das Haus der Kunst die bislang umfangreichste Werkschau des amerikanischen Künstlers Paul McCarthy in Europa. 1945 in Salt Lake City, USA, geboren, gilt McCarthy als einer der international anerkanntesten und zugleich einflussreichsten Künstler der Gegenwart. Sein Schaffen war wegweisend für die jüngere Künstlergeneration der amerikanischen Westküste, etwa für Mike Kelley oder Jason Rhoades, inspirierte aber auch junge europäische Künstler wie John Bock oder Jonathan Meese. McCarthys Interesse gilt der "Malerei als Aktion", der Performance, der Installation und dem Film. Seine Bezugspunkte wurzeln im typisch Amerikanischen: Soap-Operas, Comics, B-Movies und Disneyland.
Paul McCarthys Kunst ist provokant. Ob in den Live-Performances der 1960/70er-Jahre oder in seinen aktuellen Installationen und Inszenierungen – stets ironisiert und attackiert er den American Way of Life oder die pervertierte, von den Medien manipulierte Gesellschaft. Seine Arbeiten sind geprägt von einer drastischen, meist sexuell aufgeladenen künstlerischen Sprache ohne Rücksicht auf verklärende Konventionen oder Tabus.
"Lala Land Parodie Paradies" präsentiert nun auf rund 2.500 m² zwei neue, raumgreifende Installationen Paul McCarthys, an denen der Künstler mehrere Jahre arbeitete und die jetzt erstmals öffentlich zu sehen sind: "Pirate Project" und "Western Project". In beiden Arbeiten setzt McCarthy eine Vielzahl künstlerischer Mittel ein – Installation, Skulptur, Zeichnung, Fotografie und Video – und verbindet sie zu einer monumentalen Inszenierung. Die Protagonisten entspringen, wie häufig bei Paul McCarthy, gängigen amerikanischen Klischees: Cowboys und Piraten. Sie sind Urthemen der amerikanischen Zivilisation und zugleich klassische Sujets des Hollywood Kinos. Sie wurden in unzähligen Filmen zu Mythen stilisiert und verklären die Sicht auf die amerikanische Vergangenheit bis heute.
Im Zentrum des "Western Projects" stehen das Westernfort mit Wachtürmen und Tunneln; Planwagen umkreisen den Komplex und erinnern an den Aufbruch Amerikas nach Far West und die gewaltsame Eroberung von Land als Teil des amerikanischen Traums. Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen sind hier offensichtlich. "Pirate Project" zitiert Figuren aus Peter Pan oder Pirates of the Caribbean – beides Attraktionen in Disneyland. Kernstück ist ein original großes Piratenschiff aus rostrotem Fiberglas, das – wie auch das Westernfort - als Setting für eine Performance diente, die ca. einen Monat lang mit rund 30 Protagonisten im Haus der Kunst durchgeführt wurde und in der Ausstellung als Video zu sehen ist. Die Performance – ebenso wie die große Westernparade, mit der die Ausstellung eröffnet wurde – funktioniert dabei wie ein Initiationsritual: Sie macht die Installation zu dem, was sie jetzt ist. Überreste wie Trichter, Schokoladensirupdosen oder Prothesen, die in der Performance Einsatz fanden, oder Planwagen, die Teil der Eröffnungsparade waren, werden nun zu Bestandteilen der Installation.
Die Welt, die McCarthy in "Lala Land Parodie Paradies" inszeniert, ist eine Welt aus Ekel und Anziehung, Schmutz und Künstlichkeit, Pornografie und Disneyland. Stets ist es die dunkle, verborgene Seite der Protagonisten, die er zur Schau stellt, ironisiert und bis ins Groteske überzeichnet. Doch nicht Schock und Provokation sind das Ziel McCarthys, sondern die Katharsis, die den letztlich moralischen Anspruch des Künstlers vor Augen führt.

Im Rahmen der Bundesgartenschau 2005 installierte Paul McCarthy auf dem Dach des Haus der Kunst ein überdimensionales, aufblasbares Blumenbouquet (Inflatable). Das Haus der Kunst wurde so zu einem Blumentopf, aus dem deutsche Geranien sprießen.

Paul McCarthy und Damon McCarthy, Gray Ghost [Grauer Geist], (1936) 2001, Sammlung des Künstlers, Courtesy Paul McCarthy, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies, Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy und Damon McCarthy, Gray Ghost [Grauer Geist], (1936) 2001, Sammlung des Künstlers, Courtesy Paul McCarthy, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies, Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy und Damon McCarthy, F-Fort and Lamp Wagons, 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies, Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy und Damon McCarthy, F-Fort and Lamp Wagons, 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies, Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy und Damon McCarthy, Underwater World [Unterwasserwelt], 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy und Damon McCarthy, Underwater World [Unterwasserwelt], 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy und Damon McCarthy, Underwater World [Unterwasserwelt], 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy und Damon McCarthy, Underwater World [Unterwasserwelt], 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy, Captain Morgan, 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies, Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy, Captain Morgan, 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Installationsansicht LaLa Land. Parodie Paradies, Haus der Kunst, 2005, Foto Wilfried Petzi
Paul McCarthy, Flowers [Blumen], 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Hergestellt von: Inflatable Marketplace, Hans U. Böckler, Ravio Puusemp,  Installationsansicht auf dem Dach des Haus der Kunst zur Ausstellung LaLa Land. Parodie Paradies, 2005, Foto Christoph Seeberger
Paul McCarthy, Flowers [Blumen], 2005, Courtesy Paul McCarthy, Hauser & Wirth, Zürich und London, und Luhring Augustine, New York, Hergestellt von: Inflatable Marketplace, Hans U. Böckler, Ravio Puusemp, Installationsansicht auf dem Dach des Haus der Kunst zur Ausstellung LaLa Land. Parodie Paradies, 2005, Foto Christoph Seeberger

Stretch your view


Stretch your view

Bildergalerie


Ausstellungskatalog

Paul McCarthy — Lala Land Parodie Paradies

Hrsg. von Haus der Kunst, München; mit Texten von Elisabeth Bronfen, Stefanie Rosenthal, Benjamin Weissman, John Welchman. MEHR


Mel Bochner: The Joys of Yiddish

Zur Ausstellung "Wenn sich die Farbe ändert" wurde Mel Bochners monumentales Spruchband "The Joys of Yiddish" an der Fassade des Haus der Kunst installiert. MEHR


AUSSTELLUNG

Gustav Metzgers: Travertin/Judenpech

Im Rahmen der Archiv Galerie 2015/16 wurden zwei künstlerische Interventionen für die Fassade des Haus der Kunst reaktiviert: Christian Boltanskis "Résistance" und Gustav Metzgers "Travertin/Judenpech". MEHR


AUSSTELLUNG

Christian Boltanski: Résistance

Im Rahmen der Archiv Galerie 2015/16 wurden zwei künstlerische Interventionen für die Fassade des Haus der Kunst reaktiviert: Christian Boltanskis "Résistance" und Gustav Metzgers "Travertin/Judenpech". MEHR


AUSSTELLUNG

Gustav Metzger

21.05.10 – 31.03.11

"Strampelde Bäumf / Mirror Trees" zeigt Bäume, die mit ihren Wurzeln aus der Erde gerissen und kopfüber in Beton gegossen wurden – es sind gestürzte, strampelnde Bäume, in denen sich Gustav Metzgers Geschichte widerspiegelt. MEHR