Harun Farocki – Filmnacht zum Thema Arbeit

Filmscreening 22.04.17, 21 Uhr

Harun Farocki
Filmnacht zum Thema Arbeit

Samstag 22. April 2017, 21 Uhr
Münchner Kammerspiele, Kammer 2

Harun Farocki, vor zwei Jahren viel zu früh verstorben, war Leitfigur in einer Szene von Filmemachern und Intellektuellen, die sich in Europa Ende der 1960er-Jahre im Zuge brisanter politischer Debatten entwickelt hatte. In dieser turbulenten Zeit wurde nicht nur das Produktionsmodell des Filmemachers/Autorenfilmers definiert, sondern auch die Frage nach dem analytischen Rahmen des Kinos mit Blick auf gesellschaftspolitische Ereignisse aufgeworfen.

Die ausgewählten Arbeiten für die Filmnacht und die beiden Gespräche zwischen der Kuratorin, Autorin und Künstlerin Antje Ehmann und dem Medienwissenschaftler Rembert Hüser gehen Farockis fortlaufender Analyse der sich verändernden Modi von Lohnarbeit, Produktion und Konsum nach.

Die derzeitige Unzufriedenheit mit internationalen Arbeitspraktiken und die massenhafte Vertreibung von Arbeitern, die unter dem Deckmantel der Globalisierung überall vorkommt, lässt Farockis präzise Überlegungen über das Wesen menschlichen und gesellschaftlichen Handels noch aktueller und dynamischer erscheinen.

Die Harun Farocki-Filmnacht findet im Rahmen der Haus der Kunst-Ausstellung "Harun Farocki: Counter Music" statt und ist eine Kooperation mit den Münchner Kammerspielen und KINO DER KUNST.

Programm

21.00

EINFÜHRUNG
FILM
– Wie man sieht, 1986, 72 Min., deutsch mit englischen Untertiteln

22.25
GESPRÄCH
– Antje Ehmann und Rembert Hüser

23.10
FILME
– Jean-Marie Straub und Daniele Huillet bei der Arbeit an Franz Kafkas Romanfragment Amerika, 26 Min., deutsch mit englischen Untertiteln
– Aufstellung, 16 Min., deutsch mit englischen Untertiteln

24.00
GESPRÄCH
– Antje Ehmann und Rembert Hüser

00.30
ENDE

Eintritt: 6 € / ermäßigt 4 €
Tickets sind online auf der Webseite der Münchner Kammerspiele sowie an den jeweiligen Tageskassen erhältlich.

Filme

Wie man sieht, 1986
Mein Film "Wie man sieht" ist ein Spielfilm, er hat viel Handlung. Er berichtet von Mädchen in Pornomagazinen, die einen Namen bekommen, und von den namenlosen Toten im Massengrab, von Maschinen, die so hässlich sind, dass eine Verkleidung das Auge des Arbeiters schützen muss, und von Motoren, die zu schön sind, dass sie die Kühlerhaube verbirgt, von Arbeitstechniken, die an der Zusammenarbeit von Hand und Hirn festhalten oder damit Schluss machen wollen.

Mein Film "Wie man sieht" ist ein Aufsatz- oder Essay-Film. Der gegenwärtige Meinungsapparat ist ein großes Maul und vielleicht ein Reißwolf. Ich mache aus den Fetzen einen neuen Text und veranstalte also eine Schnitzeljagd. Mein Film ist aus vielen Einzelheiten und stellt unter ihnen viele Bild-Bild und Wort-Bild und Wort-Wort-Beziehungen her und kann also einen Abend füllen. Ich suchte und fand eine Form, in dem man mit wenig Geld viel hinstellen kann. (Harun Farocki)

Jean-Marie Straub und Daniele Huillet bei der Arbeit an Franz Kafkas Romanfragment Amerika, 1983
Dieser Film ist gleichzeitig ein Selbstportrait und eine Hommage an Farockis Vorbild (und ehemaligen Filmakademie-Lehrer) Jean-Marie-Straub. Farockis Bewunderung für Straub ging so weit, dass er über "Zwischen zwei Kriegen" sagte: "Vielleicht habe ich den Film nur gemacht, um von Straub anerkannt zu werden".

Mit diesem Beobachtungsfilm dokumentiert Farocki, dass sich sein Wunsch erfüllt hat: Der Film zeigt, wie Farocki unter Straubs Regie für den Film Klassenverhältnisse (1983) seine Rolle als "Delamarche" probt. Wer Farockis Dokumentation der Dreharbeiten einmal gesehen hat, vergisst diese kurzen Szenen nie wieder. Die Inszenierungstechnik von Jean-Marie Straub und seiner Frau Danièle Huillet ist so repetitiv und detailversessen, dass die Szenen bis zur Erschöpfung der Darsteller geprobt werden.

Straub führt seine Schauspieler wie ein Theaterregisseur. Schon wegen diesem im Kino ungewöhnlichen Verfahren ist es gut, dass diese ungewöhnliche Art, Filme zu inszenieren, einmal filmisch festgehalten worden ist. Farocki filmte eine Arbeit des Widerstands gegen das traditionelle Kino, gegen das er sich auch mit seinen eigenen Filmen aufgelehnt hat. (Tilman Baumgärtel)

Aufstellung, 2005
Schaubilder, die den Warenkorb, die Rentenlücke, die Migration darzustellen helfen sollen, sind anachronistisch, sind ein Rückgriff auf die politischen Allegorien aus dem 19. Jahrhundert. Ob es sich um Piktogramme handelt oder bloß um Säulen- oder Torten-Diagramme, stets ist ein rührendes Unvermögen der Abstraktion bezeugt.

Wir haben Figuren zur Illustration von Schaubildern aufgegriffen, aus Zeitungen, Schulbüchern, Behördenschriften und daraus die Geschichte der Migration in der Bundesrepublik Deutschland rekonstruiert. Wir wollen also eine Begriffskritik an den Repräsentationen der Migration üben, die ikonischen wie symbolischen Zeichen auf ihre Ursprünge zurückverfolgen und auf den Gehalt hin untersuchen, der ihnen selbst nicht bewusst ist. (Harun Farocki)

Biografien
Antje Ehmann

Antje Ehmann ist Kuratorin, Autorin und Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Zu ihren jüngsten kuratorischen Projekten zählen: Harun Farocki. Empathy, Fundació Antoni Tàpies, Barcelona 2016; Harun Farocki. What is at Stake, Institut Valencia d’Art Modern, Valencia 2016 (mit Carles Guerra); Labour in a Single Shot, Venice Biennale, Venedig 2015, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2015, MUAC, Mexico City 2014, Tel Aviv Museum for Contemporary Art, Tel Aviv 2013; Lumiar Cité, Lissabon 2013, Max Mueller Institute, Bangalore 2013.

Zu ihren jüngsten künstlerischen Projekten zählen: Wie soll man das nennen was ich vermisse (mit Jan Ralske, 2015); War Tropes 2011(mit Harun Farocki, 2011); Feasting or Flying (mit Harun Farocki, 2009).

Zu Ihren jüngsten Publikationen zählen: Harun Farocki. Another Kind of Empathy (mit Carles Guerra 2016); Netzkatalog Labour in a Single Shot, labour-in-a-single-shot.net (2011-2014); Harun Farocki. First Time in Warsaw (mit Artur Liebhart 2012); Serious Games. War – Media – Art (mit Ralf Beil 2011); Harun Farocki. Against What? Against Whom? (mit Kodwo Eshun 2009).

Rembert Hüser
Rembert Hüser ist seit Januar 2014 Professor für Medienwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt. Im Frühjahr 2016 unterrichtete er als Max Kade Professor an der Brown University. Davor war er von 2003 bis 2013 Associate Professor für Kultur- und Medienwissenschaft an der University of Minnesota in den Fachbereichen German, Scandinavian & Dutch und Cultural Studies & Comparative Literature. 1992 promovierte er an der Universität Bielefeld mit einer Arbeit zur Rhetorik der Kritik (Kommissar Lohmann). Jüngste Veröffentlichungen zur Abu Goat Map des Goat Simulators, zu Partituren und Spraydosen in den Peanuts und bei Adorno, zu Kybernetik im James Bond-Vorspann, Kafka im Louvre, zum zweiten Teil von Manifesten und zu Videoinstallationen in Streichelzoos.

Year of Production: 2005; Reproduction Courtesy of: Harun Farocki
Year of Production: 2005; Reproduction Courtesy of: Harun Farocki
"Jean-Marie Straub und Danièle Huillet bei der Arbeit an einem Film nach Franz Kafkas Romanfragment "Amerika" © Harun Farocki, 1983
Foto:
Foto: "Wie man sieht" © Harun Farocki, 1986
Foto Portrait Harun Farocki, Copyright/Author: Hertha Hurnaus; Jahr: 2007
Foto Portrait Harun Farocki, Copyright/Author: Hertha Hurnaus; Jahr: 2007
Foto Portrait Harun Farocki, Copyright/Author: Hertha Hurnaus; Jahr: 2007
Foto Portrait Harun Farocki, Copyright/Author: Hertha Hurnaus; Jahr: 2007
Foto: Harun Farocki beim 51.Festival del film Locarno © Festival del film Locarno 1998
Foto: Harun Farocki beim 51.Festival del film Locarno © Festival del film Locarno 1998

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