Graham Sutherland

AUSSTELLUNG 11.03.1967 – 07.05.1967

Wenige Jahre nach der Ausstellung mit Werken des englischen Bildhauers Henry Moore würdigte das Haus der Kunst mit dem Maler Graham Sutherland (1903–1980) abermals einen zeitgenössischen Künstler aus England. Am Goldsmith College of Art in London ausgebildet, trat Sutherland nach anfänglicher Konzentration auf grafische Arbeiten und Buchillustrationen seit 1935 mit surrealistischen Bildern in Erscheinung. Sein Erfolg wurde durch die Präsentation seiner Werke auf der Biennale in Venedig von 1952 sowie durch die Teilnahme an den documenta-Ausstellungen von 1955, 1959 und 1964 bestätigt. Die 1967 von dem englischen Kunstkritiker Douglas Cooper für München, Den Haag, Berlin und Köln organisierte Retrospektive mit 174 Objekten bot den umfangreichsten Querschnitt seines malerischen Oeuvres, der bis dahin in Deutschland zu sehen war.
Graham Sutherlands Malerei lebt von der Inspiration durch die Natur. Die Beobachtung von organischen Formen und ihren Veränderungen, die bereits Künstler wie Paul Klee und Max Ernst beschäftigte, bildet den Ausgangspunkt für eine freie Verformung der Erscheinungen ("Stechginster auf Klippe", 1939). Diese steigert sich nach Sutherlands Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Kriegsmaler zu einem fantastisch-abstrakten Vokabular. Seine Bilder von wuchernden Pflanzen und monströsen Tieren ("Grille", 1948) lösen starke Gemütsbewegungen aus: Entzücken über die Schönheit der Natur, ehrfürchtiges Staunen über ihre Wandelbarkeit, aber auch Furcht vor Reifung und Verfall, Schrecken angesichts der Verheerungen der Zeit oder das Gefühl von Bedrohung durch Naturgewalten. Douglas Cooper zufolge steht Graham Sutherland mit seinem Interesse für die Natur in der Nachfolge der englischen Romantiker und gilt mit seiner modernen Interpretation als Ausnahmegestalt unter den Künstlern Europas.
Die Schrecken des Krieges und die Erfahrung der Fragilität menschlicher Existenz führen den Künstler, der in jungen Jahren zum katholischen Glauben übergetretenen war, zur Beschäftigung mit religiösen Themen. Das vielfach variierte Motiv der "Dornen" ("Dornenbäume", 1947) steht für den existenziellen Schmerz, der in Christi "Kreuzigung" (1947) kulminiert. Die Bilder der 1950er- und 1960er-Jahre lassen den Einfluss von Francis Bacon erkennen, doch verbindet Sutherland anders als dieser das Leiden der erniedrigten Kreatur mit der Hoffnung auf eine Erlösung im Geistigen ("Der Gefangene", 1963/64). Zum Ausgleich wendet sich der Künstler dem Porträt zu, bei dem ihn wiederum der Ausdruck von Charakter und Lebenskampf fasziniert, den er in eindringlichen Bildnissen wie dem von Konrad Adenauer (1965) festhält.
Der broschierte Katalog zur Ausstellung umfasst 200 Seiten mit ca. 11 Farb- und 150 s/w-Abbildungen. Der Titel zeigt in Farbe das Bild "Der Bogen" (1962). Das Vorwort von Douglas Cooper wird ergänzt durch Biografie, Ausstellungsverzeichnis und Bibliografie. Die Liste der ausgestellten Werke umfasst insgesamt 174 Nummern, unterteilt in "Gemälde" (91), "Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen", "Lithografien und Bücher" sowie "Plastiken und Teppich".

Die Ausstellung war im Anschluss im Gemeentemuseum Den Haag, im Haus am Waldsee, Berlin, und am Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen.

Graham Sutherland, Sich bückender Mann, 1965, Privatsammlung © Bridgeman Images
Graham Sutherland, Sich bückender Mann, 1965, Privatsammlung © Bridgeman Images
Graham Sutherland, Weinlaube, 1952, Privatsammlung © Bridgeman Images, Foto Agnew's, London
Graham Sutherland, Weinlaube, 1952, Privatsammlung © Bridgeman Images, Foto Agnew's, London

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