Emil Schumacher — Retrospektive

AUSSTELLUNG 08.05 – 12.07.98

Die Bilder Emil Schumachers (1912-1999) gelten als Inbegriff der deutschen Nachkriegskunst. In den 1950er- und 1960er-Jahren bestimmten die Abkehr vom Naturalismus und die Hinwendung zur Abstraktion in der Betonung von Farbe, Materie und Geste eine neue junge und internationale Kunstauffassung. Der Rückblick auf sein Lebenswerk zeigt, dass dieses bis heute nichts an Kraft und Frische verloren hat.
Emil Schumacher wird 1912 in Hagen geboren und beginnt seine freie künstlerische Tätigkeit in den 1930er-Jahren, doch der Zweite Weltkrieg unterbricht den kontinuierlichen Schaffensprozess und zwingt ihn 1945 zum Neuanfang. Das frühe, noch gegenständliche Werk "Küchenherd" (1950) lässt bereits das Interesse am freieren Zusammenspiel malerischer Farbflächen mit schwarzen Linienstrukturen erkennen. Als erstes völlig ungegenständliches Gemälde weist "Räumliche Trennung" (1955) das für Schumacher typische leuchtende Ultramarinblau auf, dessen geheimnisvolle Aura ihm den Ruf des Romantikers unter den deutschen Informellen eintrug. Die Begegnung mit dem französischen Tachismus, mit den gestischen Werken von Fautrier, Wols und Dubuffet, führt den deutschen Maler zu Experimenten mit Konsistenz und Stofflichkeit der Farbe und gegen Ende der 1950er-Jahre zu Materialbildern wie "Hephatos" (1959). Das Element des Linearen wird nun von den Rissen in der Maloberfläche übernommen, die den Blick auf tiefer liegende Farbschichten freigeben. Das Interesse Schumachers gilt dem Malprozess an sich, dem Schichten der Farbe und der damit verbundenen Erschließung zeitlicher und räumlicher Dimensionen. Zugleich beschäftigt ihn – in Erinnerung an das Kriegserlebnis – das im heftigen Farbauftrag und der schrundig aufgerissenen Oberfläche enthaltene Thema der geschundenen Landschaft und der körperlichen Versehrung. 
Eine Zäsur im Schaffen des Künstlers stellen die beiden großformatigen Bilder dar, die Schumacher für die "Documenta III" in Kassel schuf (1964). Mit den monumentalen Ausmaßen löst er sich von den Konventionen des Informel und sucht in der Malerei die existenzielle Bestätigung der Wirklichkeit. Unbeirrt von den gegenläufigen Strömungen der Minimal- und Konzeptkunst versteht Schumacher seine Malerei auch in den 1970er-Jahren als "Einschreibung" und körperlicher Ausdruck seiner Auseinandersetzung mit der Frage nach Freiheit und ihrer Gefährdung. Die Einführung des Bogenmotivs in "B-30" (1971) als Geste des Bergens lenkt den Blick wieder auf die Bildmitte und antwortet den entgrenzenden Tendenzen des Abstrakten Expressionismus mit einer neuen Betonung des menschlichen Maßstabs. Mit neuer Lust am Experiment und einer Offenheit jenseits aller künstlerischen Ideologien findet der Maler in den 1980er-Jahren zu neuer expressiver Qualität und in den letzten Schaffensjahren sogar zu einer archaischen Motiven entlehnten Gegenständlichkeit zurück ("Ukhaidir", 1997). 

Emil Schumacher, Edina IV, 1983, Privatsammlung
Emil Schumacher, Edina IV, 1983, Privatsammlung
Emil Schumacher, Pfingsten, 1979, Stadtsparkasse Essen
Emil Schumacher, Pfingsten, 1979, Stadtsparkasse Essen
Emil Schumacher, Documenta III, 1964, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster © Ralf Cohen
Emil Schumacher, Documenta III, 1964, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster © Ralf Cohen
Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
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Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
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Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
Emil Schumacher – Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1998, Foto Wilfried Petzi
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Joel Shapiro

24.10.97 – 18.01.98

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Kurt Schwitters

09.03 – 27.05.01

Die Ausstellung ist eine umfangreiche Retrospektive des Künstlers und Antikünstlers, des Revolutionärs und Traditionalisten, des Bürgerschrecks und Kleinbürgers Kurt Schwitters. MEHR


AUSSTELLUNG

Mattis-Teutsch

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Die Ausstellung "Mattis-Teutsch und Der Blaue Reiter" ist die erste Retrospektive des siebenbürgischen Künstlers Hans Mattis-Teutsch. Zu sehen sind über 150 Gemälde, 40 Skulpturen, 30 Grafiken sowie 70 Linol- und Holzschnitte. MEHR


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Blast!

16.11.96 – 26.01.97

1914 bildete sich in England eine Gruppe von Künstlern und Schriftstellern, die mit modernen Thesen gegen das Establishment und die im viktorianischen Geist befangene Kunst aufbegehrten. MEHR


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Ernst Wilhelm Nay — Bilder und Dokumente

26.07 – 21.09.80

Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) gilt wegen der abstrakten Bildsprache und der Auffassung vom "Gestaltwert der Farbe" als führender Vertreter der Nachkriegsmoderne. MEHR


AUSSTELLUNG

Amerikanische Malerei 1930-1980

14.11.81 – 31.01.82

Tom Armstrong bot dem deutschen Publikum einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der "Amerikanischen Malerei 1930-1980" – jene Epoche also, in der erstmals in der Kunstgeschichte die maßgeblichen Impulse nicht von Europa, sondern von Amerika ausgingen. MEHR


Goethe-Institut Fellowship für Postdoktoranden am Haus der Kunst

Das vom Goethe-Institut unterstützte Stipendienprogramm ist im August 2013 gestartet und wird für jeweils ein Jahr vergeben. Das fünfte Stipendium beginnt im August 2017. MEHR