Ellen Gallagher — AxME

Ausstellung 28.02 – 13.07.14

In einer Bildsprache, die Elemente aus Mythen, Natur, Kunst und Sozialgeschichte vereint, schafft die afrikanisch-amerikanische Künstlerin Ellen Gallagher komplexe Arbeiten in einer Vielzahl von künstlerischen Medien: Malerei, Zeichnung, Film, Collage u.a. In akribischen Arbeitsschritten verunklart und überlagert sie gesammelte Bilder aus Literatur, Werbung oder Naturgeschichte, bis durch einen Schleier von Tintenschlieren, Flecken und Abrieb nur noch Spuren davon sichtbar sind und eine seltsame, zum Teil bizarre Fantasiewelt entsteht. 
 1986 verbrachte Gallagher ein Semester an Bord eines Forschungsschiffs, um das Wanderverhalten von Pteropoden - mikroskopisch kleinen Schnecken - zu erforschen. Sie fertigte Zeichnungen an, auf die sie später in einer Serie von Aquarellen ("Coral Cities", 2007) zurückkam. Im Mittelpunkt der Serie steht "Drexciya", ein mythisches, mit afrikanischen Frauen und Kindern bewohntes Atlantis. Gallagher bevölkert ihre Leinwände mit Frauen, deren fließendes Haar aus Korallen besteht, oder malt quallenartige Wesen mit afrikanischen Gesichtern. "Drexciya", so der Mythos, wurde von schwangeren Afrikanerinnen gegründet, die von Bord der Sklavenschiffe in den Atlantik gesprungen oder gestoßen worden waren, und Kinder zur Welt brachten, die unter Wasser atmen konnten. Die Aquarelle erzählen also nicht nur von Flucht, sondern auch von einem gelobten Land, von Neuanfängen und neuen Identitäten, die sich im Zuge einer Emanzipation herausbilden.
 Anfang der 1990er-Jahre eroberte Ellen Gallagher mit Gemälden wie "Oh! Susanna" oder "Oogaboogah" die New Yorker Kunstwelt im Sturm. Die auf den ersten Blick minimalistischen Gemälde lassen bei näherem Hinsehen Ansammlungen von Augen und Lippen erkennen, wie sie für Afrikaner typisch sind /dem Klischee afrikanischen Aussehens/der afrikansichen Physiognomie entsprechen. 
 Für mehrere Serien, die Ellen Gallagher in den 2000er-Jahren schuf, verwendete sie Werbeanzeigen aus Zeitschriften mit afrikanischer Leserschaft wie Ebony, Our World oder Black Stars. Insbesondere Werbung für Perücken und andere Bedarfsartikel, die afrikanischen Frauen ein verändertes — weißen Frauen angepasstes — Aussehen versprachen, verarbeitete sie in monumentalen Werken wie "Pomp-Bang" von 2003. 
 Die Überblicksausstellung geht der Entwicklung und Wiederkehr von Themen in Gallaghers Werk nach - von den bahnbrechenden frühen Leinwandarbeiten bis zu den jüngsten Arbeiten und Filminstallationen. 

"AxME" wurde organisiert von der Tate Modern, London, in Zusammenarbeit mit Sara Hildén Art Museum, Tampere, und Haus der Kunst, München.
Die internationale Ausstellungstournee wird unterstützt durch Gagosian Gallery und Hauser & Wirth.

Wir danken der Bayerischen Hausbau GmbH & Co.KG, die als Hautpsponsor die Ausstellungsstation im Haus der Kunst großzügig unterstützt.

Ellen Gallagher, Pomp-Bang, 2003 (Detail), Sammlung des Museum of Contemporary Art, Chicago. Joseph und Jory Shapiro Fund im Austausch und zweckgebundene Schenkung von Sara Szold © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Pomp-Bang, 2003 (Detail), Sammlung des Museum of Contemporary Art, Chicago. Joseph und Jory Shapiro Fund im Austausch und zweckgebundene Schenkung von Sara Szold © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Bird in Hand, 2006 (Detail), Tate © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Bird in Hand, 2006 (Detail), Tate © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Dirty O's, 2006 (Detail), Sammlung Ursula Hauser, Schweiz © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Dirty O's, 2006 (Detail), Sammlung Ursula Hauser, Schweiz © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Dirty O's, 2006 (Detail), Sammlung Ursula Hauser, Schweiz © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Dirty O's, 2006 (Detail), Sammlung Ursula Hauser, Schweiz © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, DeLuxe, 2004–05, Tate © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, DeLuxe, 2004–05, Tate © Ellen Gallagher
Edgar Cleijne und Ellen Gallagher, Osedax, 2010 © Ellen Gallagher, Courtesy the artist and Gagosian Gallery
Edgar Cleijne und Ellen Gallagher, Osedax, 2010 © Ellen Gallagher, Courtesy the artist and Gagosian Gallery
Edgar Cleijne und Ellen Gallagher, Osedax, 2010 © Ellen Gallagher, Courtesy the artist and Gagosian Gallery, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Edgar Cleijne und Ellen Gallagher, Osedax, 2010 © Ellen Gallagher, Courtesy the artist and Gagosian Gallery, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher, Watery Ecstatic, 2007, Sammlung Grubman, Courtesy Kim Heiston Art Advisory, LLC  © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher, Watery Ecstatic, 2007, Sammlung Grubman, Courtesy Kim Heiston Art Advisory, LLC © Ellen Gallagher
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi
Ellen Gallagher — AxME, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014, Foto Wilfried Petzi

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Bildergalerie


Essay

Ulrich Wilmes: Ellen Gallagher

Katalogbeitrag über die Entwicklung der visuellen Sprache von Ellen Gallagher MEHR


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Art in Review — Artikel in New York Times über Ellen Gallagher

"Manche Leute tun sich mit Ellen Gallaghers Arbeit schwer. Ist es die Mischung aus Hübschheit und Politik, die sie suspekt macht?" MEHR


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Okwui Enwezor über Ellen Gallaghers Frühwerk

In seinem Artikel schreibt Okwui Enwezor über das Frühwerk Ellen Gallaghers, die zu Beginn der 1990er-Jahre in der New Yorker Kunstszene für Aufregung gesorgt hatte. MEHR