Als das Nichtkönnen produktiv wurde

Diskussion 20.07.15

Mit Diedrich Diederichsen, Michaela Melián und Wolfgang Müller, moderiert von Roderich Fabian

Wenn man über die deutsche Subkultur der 1980er-Jahre spricht, stößt man früher oder später auf den Begriff der "Geniale Dilletanten", der zum Synonym einer kurzen Epoche künstlerischen Aufbruchs wurde. Diese war geprägt durch genreübergreifendes Experimentieren und den Einsatz neuer elektronischer Geräte — Maler spielten in Bands oder gründeten Clubs, Musiker drehten Super-8-Filme. Dada und Fluxus wurden revitalisiert. Auf Virtuosität wurde häufig bewusst verzichtet. Das Nicht-Können und der Widerstand gegen Konventionen sollten den Weg öffnen zu einer ungebremsten Kraft des Ausdrucks, einer neuen Expressivität. Die Gründung von Labels, Magazinen, Galerien und Clubs, das selbstständige Produzieren und Vertreiben von Platten, Kassetten und Fanzines sowie das Organisieren von Konzerten an ungewöhnlichen Orten zeigten das Bemühen, abseits der ausgetretenen Pfade, des Kommerzes und des massenkompatiblen Geschmacks neues Terrain zu erschließen. Mainstream und Stadionrock wurden zu Feindbildern. Statt des Englischen etablierte sich die deutsche Sprache in Bandnamen und Songtexten. Es war eine Zeit, in der noch alles offen schien, noch alles machbar, veränderbar und unberechenbar. Was ist daraus entstanden, sind solche subkulturellen Bewegungen auch heute noch möglich und notwendig? Darüber diskutieren Diedrich Diederichsen, Michaela Melián und Wolfgang Müller, moderiert von Roderich Fabian.

Diedrich Diederichsen
Diedrich Diederichsen war in den 1980er-Jahren als Redakteur und Herausgeber von Musikzeitschriften tätig und lehrte nach mehreren Gastprofessuren u.a. in Frankfurt, Pasadena, Wien und Los Angeles von 1998 bis 2007 als Professor für Ästhetische Theorie / Kulturwissenschaften an der Merz-Akademie in Stuttgart. Seit 2006 ist er Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der Bildenden Künste, Wien. Zu seinen Publikationen zählen, neben Veröffentlichungen in der tageszeitung, der Süddeutschen Zeitung und in Texte zur Kunst, u.a. "Über Pop-Musik" (2014), "Über den Mehrwert (in der Kunst)" (2008) und "Eigenblutdoping – Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation" (2008).

Roderich Fabian
Roderich Fabian war in den 1980er-Jahren Student in München, Taxifahrer, Mitglied der Bands "Zusatzzahl" und "Fruchtstäbchen" sowie "Fanzine-Macher, Flipper-Spezialist, Rumhänger, Säufer, Konzert-Besucher, WG-Mitglied und voller Ambitionen" (Fabian über Fabian).
Heute ist er freier Journalist und Redakteur der Bayern2-Radiosendungen "Nachtmix" und "Nachtsession", Autor, Moderator und Filmkritiker beim "Zündfunk" sowie, Zitat: "Jury-Mitglied, Vorleser, Säufer, Konzert-Besucher und voller Ambitionen".

Michaela Melián
Michaela Melián, Künstlerin und Musikerin, studierte in München und London Kunst und Musik. Sie war Mitherausgeberin des Magazins "Mode und Verzweiflung", das bis 1986 in München aufgelegt wurde. 1980 gründete sie mit Justin Hoffmann, Thomas Meinecke und Wilfried Petzi die Band F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle), die bis heute aktiv ist. Seit den Nullerjahren produziert und veröffentlicht Melián eigene Musik. Ihre künstlerische Praxis umfasst verschiedene Medien wie Zeichnung, Fotografie, Film, Objekt, Musik, Wort, Hörspiel und Installation. Zuletzt wurden Ihre Arbeiten u.a. in der Kunsthalle Hamburg, im Lenbachhaus München, Kunstverein Karlsruhe und im Lentos Kunstmuseum Linz gezeigt. Seit 2010 lehrt Melián als Professorin für zeitbezogene Medien an der HFBK Hamburg.

Wolfgang Müller
Wolfgang Müller ist Künstler, Musiker und Autor. 1980, zu Beginn seines Studiums der Experimentellen Filmgestaltung an der (West-) Berliner Hochschule der Bildenden Künste gründete er gemeinsam mit Nikolaus Utermöhlen das Bandprojekt "Die Tödliche Doris", das bis 1987 bestand. 1982 publizierte er das Buch "Geniale Dilletanten" mit Beiträgen u.a. von Gudrun Gut, Tabea Blumenschein und Blixa Bargeld. Als Künstler widmete sich Müller unterschiedlichsten Projekten; seit den 1990er-Jahren beschäftigt er sich insbesondere mit Island und seiner Kultur und veröffentlichte zum Thema Bücher und Hörspiele. Er unterrichtete als Gastprofessor Experimentelle Plastik an der HFBK Hamburg und veröffentlichte Ende 2012 das Buch "Subkultur Westberlin 1979-1989. Freizeit".

Veranstaltung in Kooperation mit dem Goethe-Institut.


Als das Nichtkönnen produktiv wurde

20.07.15

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Diedrich Diederichsen: Geniale Dilletanten – "Als das Nichtkönnen produktiv wurde"

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