Pierrot — Melancholie und Maske.

AUSSTELLUNG 15.09 – 03.12.95

Die weiß gekleidete, melancholische Komödiantenfigur des Pierrot fasziniert seit rund 400 Jahren die Künstler. Als facettenreiche Figur steht sie im Mittelpunkt dieser Ausstellung und belegt ihre bis heute anhaltende Aktualität. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden italienische Komödianten mit ihren clownesken Dienerfiguren in Gemälden und Grafiken festgehalten. Im Rahmen der Commedia dell’arte begeisterten sie Künstler wie Jacques Callot in Florenz um 1620 ebenso wie in Paris rund hundert Jahre später die "Maler der galanten Feste", Antoine Watteau, Nicolas Lancret und Jean-Baptiste Pater. Watteau löste den Pierrot, wie auch seinen Gegenspieler, den Harlekin, erstmals aus der Theaterwelt und machte ihn als eigenständige und geheimnisvolle Persönlichkeit zum Hauptmotiv seiner Bilder (Pierrot 1718/19). 
In Venedig widmeten sich Giambattista und Domenico Tiepolo in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts den derben Späßen der "Pulcinelle", den Pierrot eng verwandten Jahrmarktsfiguren. Die bizarren Gruppenbilder jener weiß gekleideten Gestalten mit den hohen Hüten gehören zu den eigenwilligsten Beiträgen der Ausstellung. Auch Francisco de Goyas berühmte "Strohpuppe" (1792) versinnbildlicht das Bestreben der Künstler vor der Wende zum 19. Jahrhundert, hinter der Maske die Fesseln gesellschaftlicher Vorstellungen abzustreifen. 
In der modernen Kunstgeschichte begann die Beschäftigung mit dem bauernschlauen und unabhängigen Pierrot bei Honoré Daumier, seine Gaukler und Pierrots dokumentieren die wachsende Popularität der Figur seit 1830. Ausgelöst durch den Pantomimen Jean-Gaspard Deburau zog der Pierrot sehr viele Künstler und Intellektuelle in seinen Bann. Sein träumerischer Charakter wurde schnell zum Sinnbild des melancholischen Typs schlechthin, der das Erschrecken, die Maskerade und die Todessehnsucht als Teil der Künstlerpersönlichkeit verkörpert. Der Belgier James Ensor (1860-1949) war der erste Maler, der die Maske explizit zur Selbstdarstellung verwandte und in seinem Gemälde "Die Verzweiflung des Pierrot" (1892) das Gefühl der Entfremdung sehr persönlich formuliert. Ab 1880 avancierte der Pierrot in Frankreich vor allem durch Paul Cézanne, Pablo Picasso, Georges Rouault, Juan Gris, Henri Laurens und Jacques Lipchitz zum zentralen Bildmotiv. Pablo Picasso stellt die Harlekine und Gaukler aus seiner Blauen und Rosa Periode als Verkörperungen würdevollen Außenseitertums und seinen "Pierrot" (1918) als Inbegriff künstlerischer Melancholie dar. Der deutsche Expressionismus begriff um 1910 die Welt als Bühne und skizzierte mit Masken, Harlekinen und Clowns eine skurrile Auffassung vom Leben. Künstler wie Max Beckmann, Heinrich Campendonk, Erich HeckeI, Paul Klee, August Macke, Emil Nolde und Oskar Schlemmer sind in der Ausstellung mit prägnanten Werken vertreten. 
Auch in der Gegenwartskunst wirken Pierrot und seine Begleiter Pulcinella und Harlekin als künstlerische Identifikationsfiguren fort. In Andy Warhols Selbstporträts (1986) mit Perücke und Schminke verschwimmen die Grenzen zwischen Person und Maske zum Symbol der Suche des modernen Menschen nach einem passenden Ego. Der Raum, den der einstige Vertreter der Pop Art, David Hockney, mit seinen für Bühnenbilder geschaffenen Variationen über das Thema ("Harlekin", 1980) gestaltete, setzt schließlich einen konzeptuellen Akzent in der Jahrhunderte langen künstlerischen Beschäftigung mit dem Figurentypus.

Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Pierrot – Melancholie und Maske, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi

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