Ernste Spiele — Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst 1790–1990

AUSSTELLUNG 04.02 – 01.05.95

Die Ausstellung stellt die deutsche Romantik als den Beginn der modernen Kunst in Deutschland vor und die künstlerische Avantgarde seit 1900 als eine zweite Romantik. Das zwei Jahrhunderte umspannende Panorama der Kunstentwicklung wird in acht Themenräumen entfaltet, die sich wie ein Ring um den großen Mittelsaal legen, der der eigentlichen Romantik vorbehalten bleibt. In diesem ideellen und historischen Zentrum der Ausstellung präsentieren zwei kapellenartige Einbauten die beiden einzigen noch erhalten gebliebenen Transparentbilder von Caspar David Friedrich und den Komplex der "Tageszeiten" von Philipp Otto Runge. Mit diesen beiden Protagonisten der deutschen Romantik werden bereits die wesentlichen Themen angeschlagen, die seit 1800 zur Revolution in der Kunst geführt haben: Die Erhebung des symbolischen Landschaftsbildes als höchste Gattung auf den Altar der Kunst, die Einbeziehung von Licht und Transparenz als wesentliches Medium der Malerei, die Entdeckung von Zeit und rhythmischen Strukturen als bedeutende Gestaltungs- und Ausdrucksmittel in der bildenden Kunst, die Entstehung der Gedankenkunst durch die Einführung von Konstruktion und Hieroglyphen in die Zeichnung und Malerei, die Synästhesie von Malerei, Architektur, Musik und Literatur im Rahmen des Gesamtkunstwerks und der Anspruch der Kunst auf ein universales Weltmodell.

Künstlerbild – Einsamkeit und Gemeinschaft
In Selbstporträts, Freundschaftsbildnissen, Darstellungen des Künstlers in der Landschaft und im Atelier, im Bild des in sich selbst versunkenen oder aus dem Fenster schauenden Menschen, aber auch in der Landschaft eines arkadischen Italien wird das Thema des einsamen und sich nach Gemeinschaft sehnenden Menschen in der Moderne dargestellt.

Licht und Finsternis
Die beiden Pole der Wahrnehmung führen am deutlichsten den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen, Leben und Tod und damit die kosmischen Rhythmen der Natur, in die der Mensch gestellt ist, vor Augen. Von der symbolischen Auffassung des Lichts führt ein direkter Weg zu seiner Emanzipation als Gestaltungsmittel der Kunst.

Hymnen an die Nacht – Traum und Unbewusstes
Traum, Melancholie und Wahnsinn gehören zum dunklen, unerforschten Grenzbereich des Menschen, von dem sich die Romantiker so fasziniert zeigten. Ihre Bilder von der Nachtseite des Lebens belegen den Anteil der Kunst an der Entdeckung des Unbewussten, die zur grundlegenden Umwertung des theologischen und rationalistischen Menschenbildes in den letzten beiden Jahrhunderten geführt und uns die Augen für die Bedeutung der Triebkräfte unserer inneren und äußeren Natur geöffnet hat.

Die Form des Paradoxen – Ironie und Groteske
Die romantische Ironie macht deutlich, dass die menschliche Sehnsucht nach Gemeinschaft und Einheit mit der Natur unerfüllbar ist. Sie betont den notwendigen Bruch in jedem System, aber auch den Drang zur Transzendierung alles Endlichen ins Unendliche, alles Bedingten ins Unbedingte und damit die Unabgeschlossenheit alles Seienden und jeglicher Form. Aus dieser Haltung erwächst die ironische Distanz des Künstlers zu sich selbst und zum eigenen Werk. Die Einführung des Fragments, des Zufalls, der Collage und des Witzes in die Kunst ist die Folge.

Einheit der Künste – Einheit des Kosmos
Die Vereinigung der Künste in einem Gesamtkunstwerk, wie es von der Romantik erträumt und auch von den nachfolgenden Künstlern erstrebt wurde, richtet sich auf das Zusammenwirken aller Gestaltungsformen in der Produktion der Kunst und aller Sinne in ihrer Rezeption. Das Gesamtkunstwerk antizipiert darüber hinaus die Einheit der Welt durch den Zusammenklang aller Kräfte des Universums.

Chiffrenschrift – Symbol und Struktur
Beim Blick auf den Makrokosmos geht die Aufmerksamkeit für den Mikrokosmos nicht verloren. Selbst in den Steinen, Wolken und Blättern entziffern die Romantiker die Sprache der Natur, die von ihrem übersinnlichen Ursprung und der inneren Gesetzmäßigkeit ihrer Formbildung zeugt. Pflanzen und Felsen bilden den symbolischen Gegensatz von Organischem und Anorganischem, Belebtem und Unbelebtem. Selbst Steine und Wolken, die gemeinhin als unterste Stufe des Lebendigen gelten, dienen als Ausdruck der Allbelebtheit des Universums.

Natur – Ursprung und Neubeginn
Die Aufwertung der Landschaft und die Entwicklung einer religiös-symbolischen Landschaftsmalerei ist eine der für die Kunstgeschichte folgenreichsten Entscheidungen der deutschen Romantik. Die Landschaft erscheint als Teil einer viel weiter gefassten Natur, die in der menschenleeren Gebirgswelt und in grenzenlosen Meeresansichten den Menschen mit der Unendlichkeit konfrontiert. Ein- und ausfahrende Schiffe, Winterlandschaften und Ruinen, Bilder von Kindern und Nackten symbolisieren die ewige Wiederkehr von Tod und Erneuerung im Leben des Menschen und in der Natur.

Nationale Mythen – Einheitsträume und Einheitszwänge
In der rückwärts gewandten Sehnsucht der Romantiker nach dem christlichen Mittelalter wird die Hoffnung auf nationale Einheit, aber auch auf ein von Willkürherrschaft befreites und befriedetes Europa erkennbar. Bei der Figurenmalerei der Nazarener kommt diese Utopie in einer Vorliebe für biblische Legenden und einem Hang zu frömmelnder Betulichkeit zum Ausdruck. Die Spätromantik konzentriert sich zunehmend auf die Ausmalung der Idylle und märchenhafte Verzauberung – eine Tendenz, die einerseits zur Betonung des Irrationalen im Surrealismus, andererseits zum verlogenen und verordneten "Glück im Winkel" der Nazikunst führt, deren pervertierte und ideologisch missbrauchte Pseudoromantik in der Ausstellung zwar dokumentiert, aber, von ihr getrennt, im Flur gezeigt wird.

Caspar David Friedrich, Mondaufgang am Meer, 1822, Alte Nationalgalerie, Berlin © Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Foto Jörg P. Anders, Berlin
Caspar David Friedrich, Mondaufgang am Meer, 1822, Alte Nationalgalerie, Berlin © Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Foto Jörg P. Anders, Berlin
Ernste Spiele – Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst 1790–1990, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Ernste Spiele – Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst 1790–1990, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
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Ernste Spiele – Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst 1790–1990, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Ernste Spiele – Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst 1790–1990, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
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Ernste Spiele – Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst 1790–1990, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
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Ernste Spiele – Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst 1790–1990, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
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AUSSTELLUNG

Wunden der Erinnerung — Beate Passow und Andreas v. Weizsäcker.

06.05 – 28.05.95

Mit der Ausstellung wollte das Haus der Kunst anlässlich der 50. Wiederkehr des Tages der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur das Augenmerk auf die schreckliche Alltäglichkeit des Krieges. MEHR


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Sigmar Polke — Remix. Kugelsichere Ferien

17.11.95 – 21.01.96

Parallel zum Heft Nr. 46 des Magazins der Süddeutschen Zeitung präsentierte das Haus der Kunst die Originalblätter aus dem "Bilderalbum", ergänzt durch aktuelle Arbeiten auf Papier. MEHR


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Johan Christian Dahl

12.07 – 13.10.02

Der Norweger Johan Christian Dahl gilt neben Caspar David Friedrich als wichtigster Vertreter der Malerei der Romantik. Ein erneuter Blick auf Dahls Bilder soll dessen Verdienste um die deutsche Malerei des beginnenden 18. Jahrhunderts würdigen. MEHR


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Gut gewachsen — Aktuelle Kunst in München.

08.11.95 – 21.01.96

Die zweite Ausstellung in der Reihe, die Positionen vorstellt, welche jeweils ein spezifisches Spektrum des künstlerischen Schaffens in der Stadt repräsentieren. MEHR


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Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


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Brassai — Vom Surrealismus zum Informel.

21.01 – 26.03.95

Die Fotografien von Gyula Halász, der sich Brassai nannte, führen ins Paris der 1930er-Jahre, wo er zunächst als Journalist arbeitete und dann autodidaktisch zur künstlerischen Fotografie fand. MEHR


AUSSTELLUNG

Der Glanz der Farnese — Kunst und Sammelleidenschaft in der Renaissance.

02.06 – 27.08.95

Der Aufstieg der italienischen Adelsfamilie Farnese begann 1493 mit der Ernennung Alessandro Farneses zum Kardinal und späteren Papst Paul III. MEHR


AUSSTELLUNG

Barnes Collection

23.06 – 22.10.95

Die Ausstellung zeigt die legendäre Sammlung moderner Kunst, die Alfred C. Barnes zusammengetragen hat. Gezeigt werden berühmte Schlüsselwerke der rund 2000 Werke umfassenden Sammlung. MEHR


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Pierrot — Melancholie und Maske.

15.09 – 03.12.95

Die melancholische Komödiantenfigur des Pierrot fasziniert seit rund 400 Jahren die Künstler. Als facettenreiche Figur steht sie im Mittelpunkt dieser Ausstellung und belegt ihre bis heute anhaltende Aktualität. MEHR


AUSSTELLUNG

Ellsworth Kelly. Retrospektive.

17.10.97 – 20.01.98

Ellsworth Kelly gehört zur Generation derer, die in den 1950er-Jahren den Abstrakten Expressionismus überwanden und eine neuartige Bildsprache entwickelten. MEHR


AUSSTELLUNG

Joel Shapiro

24.10.97 – 18.01.98

Joel Shapiro zählt zu den wichtigsten amerikanischen Bildhauern der Gegenwart. Die Ausstellung zeigt elf Werke, die seine künstlerische Entwicklung der Jahre 1993-1997 erkennen lassen. MEHR


AUSSTELLUNG

Eine Reise ins Ungewisse

06.02 – 03.05.98

München ist der Ort, an dem die Fäden der Künstlerbiografien und die Linien der Werkentwicklung von Arnold Böcklin, Giorgio de Chirico und Max Ernst zusammenlaufen. MEHR


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Die Nacht

01.11.98 – 14.02.99

Thema der Ausstellung ist die Entwicklung des Nachtbildes in der abendländischen Malerei vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. MEHR


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Spuren des Geistigen

19.09.08 – 11.01.09

Ausgehend von der Mystik im Werk eines Caspar David Friedrich führte die künstlerische Suche nach geistigen und spirituellen Inhalten im Laufe des 20. Jahrhunderts zu herausragenden künstlerischen Positionen, die versuchten, dem Kosmischen und Unendlichen Ausdruck zu verleihen. MEHR


AUSSTELLUNG

Richard Lindner

07.02 – 27.04.97

Richard Lindner floh 1933 vor der Nazi-Diktatur aus Deutschland. In den 1940er-Jahren entwickelte er – avantgardistischen Trends diametral entgegengesetzt – sein verstörendes Oeuvre. MEHR


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Michail Wrubel

08.05 – 20.07.97

Michail Wrubel gilt als Schlüsselfigur des russischen Symbolismus, dessen Ringen mit sich und dem eigenen Werk ihn schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließ. MEHR


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Emil Schumacher — Retrospektive

08.05 – 12.07.98

Die Bilder Emil Schumachers (1912-1999) gelten als Inbegriff der deutschen Nachkriegskunst. MEHR


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Russische Avantgarde

10.05.96 – 04.08.97

Zunächst erwarb George Costakis Kunstwerke von verarmten Sammlern; ab 1946 konzentrierte er sich auf die russische Avantgarde, die in den Jahren der Revolution um 1917 in Blüte stand. MEHR


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Beauty now

10.02 – 01.05.00

Lange Zeit war das Schöne keine Kategorie der modernen Kunst – Mode, Werbung und Massenmedien hatten es für sich beansprucht. Seit einigen Jahren jedoch zeichnet sich die Rückkehr der Schönheit in die Kunst der Gegenwart ab. MEHR


AUSSTELLUNG

Mike Kelley — Katholische Vorlieben.

11.02 – 17.04.95

Mike Kelley hat mit seinen Installationen und Performances der amerikanischen Gegenwartskunst einen Stachel ins Fleisch getrieben. MEHR