Roy Lichtenstein — Die Retrospektive.

AUSSTELLUNG 14.10.94 – 08.01.95

Lichtensteins halbabstraktes Frühwerk (1951-1960) ist noch stark der gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus nach Art von Willem de Kooning und Jackson Pollock verpflichtet, der die amerikanische Kunstszene bis zum Ende der 1950er Jahre prägte. Gleichzeitig interessierte sich der Künstler für typisch amerikanische Sujets und die ersten Comicfiguren fanden Eingang in seine Bilder. Mit "Look Mickey" (1961) vollzog Roy Lichtenstein dann den entscheidenden Bruch mit der akademischen Kunst. Seither gilt er, neben Andy Warhol, als Begründer der Pop Art, die von Robert Rauschenberg und Jasper Johns vorbereitet worden war. Seine plakativ vergrößerten Motive entlehnt er Comicstrips, der Werbung, Zeitungsannoncen und dem Telefonbuch. Zum charakteristischen Stilmittel wird die Auflösung der Darstellung in Rasterpunkte, eine Methode, die die individuelle Geste des Malens auf eine mechanische, scheinbar unkünstlerische Faktur reduziert, und, wie die Begrenzung auf Schwarz-Weiß, bzw. die Primärfarben, der Werbegrafik nachempfunden ist.
Bereits in Lichtensteins frühen Pop Art-Bildern (1961-1964) setzt die Auseinandersetzung mit den Klassikern der Moderne, insbesondere Picasso, Cézanne und Mondrian, ein, die ihn ein Leben lang beschäftigen sollte und in der er Themen der Hochkunst mit Stilmitteln der Trivialkultur behandelt. Die "Comicstrips" und die "Bilder aus der Werbung" (1961-1965) persiflieren die verkitschte Gefühlswelt der amerikanischen TV-Seifenopern, und hinterfragen den amerikanischen Traum der Glücksverheißung durch eine glitzernde Konsumwelt. In den "Kriegs-Comics" (1962-1964) richtet sich Lichtensteins ironische Attacke gegen die nostalgische Verklärung des Helden in den Massenmedien, die vor dem Hintergrund des Kriegs in Vietnam besonders beklemmend war. Die "Girls" (1963-1965) greifen das Klischee der dem Mann gehorsam dienenden, leidenden Frau auf und in den "Landschaften" (1964-1969) treibt er die Reduktion des Motivs und seine Verfremdung bis an die Grenze der Abstraktion. Mit den "Brushstrokes" (1965/66) kehrt der Künstler scheinbar an die Wurzeln der gestischen Malerei zurück, kehrt sie aber in ihr Gegenteil, indem er deren Herzstück, den Pinselstrich mit der herabtropfenden Farbe, einfriert und monumentalisiert und so die individuelle Handschrift des Malers zu einer technisch reproduzierbaren Chiffre macht.
Mit Kunst und Architektur der 1920er-Jahre, der Glamourwelt des Broadway mit seinen Theatern und Kinopalästen, beschäftigt sich Roy Lichtenstein in den "Art-Déco-Bildern" (1966-1970). Ein Hauptanliegen des Künstlers, das Spiel von Illusion und Wirklichkeit, findet seinen radikalen Ausdruck in den "Spiegeln" und "Friesen" (1971-1976): Die Spiegel, deren Motive wiederum der Werbung entliehen sind, reflektieren nicht und die den Wolkenkratzern der Gründerzeit entlehnten Friese sind ihrer räumlichen Dimension beraubt und erinnern dennoch an reale Gegenstände. Der Gegensatz zwischen Hochkunst und Trivialkultur steht auch im Mittelpunkt der "Stillleben" (1972-1976) und konfrontiert das klassische Genre mit unserer Konsumwelt. Einen neuen Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts stellen Lichtensteins Paraphrasen des Futurismus, Surrealismus und des deutschen Expressionismus dar (1974-1980). In den 1980er Jahren knüpft Lichtenstein an eine Vielzahl früherer Themen an, Zitat und Selbstzitat werden zu einem zentralen Thema, indem er Spiegelraster über eigene und fremde Werke legt und gestische, abstrakte und figurative Bildpartien in Beziehung setzt. Die Formensprache wird vielfältiger und komplexer, seine Ironie immer hintergründiger.
Das malerische Werk findet seinen Abschluss in den großformatigen "Interieurs" (1990-1994), die ebenfalls voller Bezüge zum eigenen Schaffen aus über drei Jahrzehnten und zur Kunstgeschichte sind. In den letzten Jahren hat Lichtenstein große Wandbilder (1988-1994) geschaffen, die in der Ausstellung durch ihre Vorstudien dokumentiert sind. Sein malerisches Oeuvre ist darüber hinaus in allen Schaffensphasen von einem plastischen Werk begleitet.  

In Zusammenarbeit mit dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York 

Roy Lichtenstein, Blam, 1962, Yale University Art Gallery, New Haven © Roy Lichtenstein und VG Bild-Kunst, Bonn, 1995
Roy Lichtenstein, Blam, 1962, Yale University Art Gallery, New Haven © Roy Lichtenstein und VG Bild-Kunst, Bonn, 1995
Roy Lichtenstein – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Roy Lichtenstein – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Roy Lichtenstein – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Roy Lichtenstein – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
Roy Lichtenstein – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
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Roy Lichtenstein – Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1995, Foto Wilfried Petzi
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AUSSTELLUNG

Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


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Ellsworth Kelly. Retrospektive.

17.10.97 – 20.01.98

Ellsworth Kelly gehört zur Generation derer, die in den 1950er-Jahren den Abstrakten Expressionismus überwanden und eine neuartige Bildsprache entwickelten. MEHR


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Leonardo da Vinci : Joseph Beuys

15.10.99 – 09.01.00

Der Codex Leicester im Spiegel der Gegenwart: Zwei der einflussreichsten Künstler aller Zeiten im Dialog – Leonardo da Vinci und Joseph Beuys . MEHR


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Scharf im Schauen — Aktuelle Kunst in München

10.09 – 30.10.94

Unter dem Titel "Scharf im Schauen" – einem Zitat aus Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg" – widmete sich das Haus der Kunst der "aktuellen Kunst in München". MEHR


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Per Kirkeby — Vorahnung Nordpol.

16.11.94 – 15.01.95

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, das in seiner alljährlichen Novemberausgabe "Nummer 46" den eigens dafür geschaffenen Zyklus nach Art eines mit Pastellkreide gezeichneten Bildromans präsentierte. MEHR


AUSSTELLUNG

Tivadar Kosztka Csontváry 1853–1919

18.11.94 – 29.01.95

Tivadar Kosztka Csontváry (1853–1919) gilt als einer der bedeutendsten Künstler Ungarns und als einer der eigenwilligsten Maler seiner Zeit. MEHR


Audioguide

Black Paintings — Audioguide, 2006

Die Ausstellung zeigte die berühmten schwarzen Gemälde von Künstlern der New York School erstmals im Überblick – Werke von Barnett Newman, Robert Rauschenberg, Mark Rothko, Frank Stella u.a. MEHR


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Ernst Wilhelm Nay — Bilder und Dokumente

26.07 – 21.09.80

Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) gilt wegen der abstrakten Bildsprache und der Auffassung vom "Gestaltwert der Farbe" als führender Vertreter der Nachkriegsmoderne. MEHR


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Amerikanische Malerei 1930-1980

14.11.81 – 31.01.82

Tom Armstrong bot dem deutschen Publikum einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der "Amerikanischen Malerei 1930-1980" – jene Epoche also, in der erstmals in der Kunstgeschichte die maßgeblichen Impulse nicht von Europa, sondern von Amerika ausgingen. MEHR


AUSSTELLUNG

Widerstand — Denkbilder für die Zukunft

11.12.93 – 20.02.94

In Zeiten zunehmender nationalistischer Tendenzen sahen sich die Staatsgalerie Moderner Kunst und das Haus der Kunst zur Stellungnahme herausgefordert. MEHR


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Frank Lloyd Wright — 60 Jahre Architektur

Mit der Ausstellung zum Lebenswerk von Frank Lloyd Wright verband sich im Jahr 1952 neben der Würdigung eines der größten, noch lebenden Architekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch das Bekenntnis zur Moderne. MEHR


AUSSTELLUNG

Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


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Edvard Munch

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). MEHR


AUSSTELLUNG

Internationale Plakate 1871–1971

09.10.71 – 02.01.72

Hundert Jahre nach dem Plakat Fred Walkers "Woman in White" (1871) und in einer Zeit, in der sich Andy Warhol im Rahmen der Pop Art die Darstellung von Konsumprodukten zu eigen machte, machte sich die Ausstellung daran, die Kunstgeschichte des Plakats nachzuzeichnen. MEHR


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Der Surrealismus 1922–1942

11.03 – 07.05.72

Rund 50 Jahre nach der Entstehung des Surrealismus in Paris rückte die Ausstellung jene Künstler in den Mittelpunkt der Betrachtung, die für diese Zeit prägend gewesen waren. MEHR


AUSSTELLUNG

Die Kunst der Naiven. Themen und Beziehungen

01.11.74 – 12.01.75

Zu Beginn der 1970er-Jahre ging eine Welle der Begeisterung für "Die Kunst der Naiven" durchs Land – figurativ-bunte Bilder in stark vereinfachter Darstellung aus der Hand von Laien. MEHR


AUSSTELLUNG

Hundertwasser – Friedensreich – Regentag

22.02 – 11.05.75

Mit der Ausstellung des Werks von Friedensreich Hundertwasser widmete sich das Haus der Kunst dem vielfältigen künstlerischen Schaffen eines zeitgenössischen österreichischen Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Alexander Calder

10.05 – 13.07.75

Mit rund 170 Objekten würdigte das Haus der Kunst München das Lebenswerk des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder, der die Retrospektive kurz vor seinem Tod noch wohlwollend unterstützte. MEHR


AUSSTELLUNG

Die dreißiger Jahre. Schauplatz Deutschland

11.02 – 17.04.77

Golo Mann würdigte die Ausstellung zur deutschen Malerei, Skulptur und angewandten Kunst in den "Dreißiger Jahren" als ein kühnes Unterfangen – war doch die Epoche bis dahin mit einem Tabu belegt gewesen. MEHR


AUSSTELLUNG

Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR