Improvise NOW!!! – Internationalismus und Darmstadt: Jenseits der Neuen Musik

Diskussion, Konzert 22.10.16, 18 Uhr

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik behandelt diese Podiumsdiskussion die Wirkungsmacht dieses einzigartigen internationalen Treffpunkts im Laufe der letzten sieben Jahrzehnte. Die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik sind 1946 von Wolfgang Steinecke ins Leben gerufen worden und bis heute eine der wichtigsten Plattformen für zeitgenössische Musik. Erster Veranstaltungsort war das Jagdschloss Kranichstein in der Nähe der völlig vom Krieg zerstörten Stadt, mitten in den Ruinen des frühen Wiederaufbaus in Europa. Die Darmstädter Ferienkurse sind mit wichtigen Protagonisten der zeitgenössischen Musik nach 1945 verbunden und waren Schauplatz vehementer ästhetischer Debatten und Kontroversen über die Zukunft des Komponierens, Genderrepräsentation oder nicht-westliche Musik.
Die Diskussion wird eine Präsentation der Ausstellung "historage" zum Ausgangspunkt nehmen, für die neun internationale Künstler beauftragt wurden, sich anlässlich des 70-jährigen Bestehens mit dem Archiv der Darmstädter Ferienkurse auseinanderzusetzen. Nach der Diskussion werden Andreas Fischer (Bass), Noa Frenkel (Contralto) und Daniel Gloger (Countertenor) Olaf Nicolais "Non consumiamo..." zur Aufführung bringen, das Ensemble Musikfabrik und ein Stück des Komponisten und Improvisators Michael Wertmüller folgen.

 

Teilnehmer
 Michael Rebhahn (*1972) studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie und wurde mit einer musikästhetischen Arbeit über John Cage promoviert. Von 1997 bis 2000 arbeitete er in der Redaktion der Neuen Zeitschrift für Musik sowie als Autor für das TV-Magazin 3sat-Kulturzeit. Lehraufträge und Gastvorträge u.a. an der Goethe Universität Frankfurt, der Folkwang Universität der Künste Essen, der Kunstuniversität Graz, der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Harvard University. 2007 leitete er die Redaktion für Neue Musik beim Hessischen Rundfunk. Rebhahn hat zahlreiche Radiofeatures über Neue Musik realisiert, u.a. für Deutschlandradio Kultur, hr2-kultur, SWR2 und WDR 3. Seit 2012 ist er Dozent bei den Internationalen Darmstädter Ferienkursen und Mitherausgeber der »Darmstädter Beiträge zur Neuen Musik«. Seit 2015 arbeitet er als Redakteur für Neue Musik für den Südwestrundfunk (SWR2) in Baden-Baden. Michael Rebhahn lebt in Frankfurt am Main.

Olaf Nicolai studierte Literatur und Philologie in Leipzig, Budapest und Wien und schloss seine Doktorarbeit 1992 ab. Der Künstler hat eine Vielzahl von interdisziplinären Projekten verwirklicht, welche die elementare Erfahrung von Raum, Zeit und Körperhaftigkeit herausfordern. Basierend auf einem Science-Fiction-Roman, einem Musikstück oder industriellen Handwerksmethoden, untersuchen Nicolais Arbeiten soziales Verhalten und wie dieses durch die physischen und historischen Aspekte bestimmter Räume beeinflusst wird. Nicolai hat in den letzten Jahren viele Musik-Performances zur Aufführung gebracht, darunter "Escalier du Chant" (2011) und zuletzt "Non consumiamo …(to Luigi Nono)", ein Auftragswerk der 56. Biennale von Venedig. Olaf Nicolai erhielt eine Vielzahl von Stipendien und Preise u.a. den P.S.1 Museum Grant, New York (1998), den IASPIS Grant, Stockholm (2000), den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg (2002) und den Preis der Stadt Paris (2007) und der Villa Aurora, Los Angeles (2008).

Michael Wertmüller ist ein Schweizer Komponist und Improvisator, dessen Musik gleichzeitig spekulativ und von einer urwüchsigen Kraft beseelt ist. Wertmüller ist ein Virtuose – nicht nur als Komponist, sondern auch als Schlagzeuger. Mehreren seiner Stücke liegen literarische Texte zugrunde: Texte von Nietzsche in "Dunkel-Zeiten", von Beuys in "Das Zimmer", "William" basiert auf einem bizarren Stück von Thomas Bernhard und "Entleibung" behandelt ein Triptychon von Francis Bacon. Dabei werden die Text-Bilder nicht thematisch in die Musik übertragen, sondern dienen als Impulse für musikalische Prozesse – einem Expressionismus, der sich in Rhythmen und Tönen entfaltet. Seine letzte Komposition für ein großes Ensemble, die Oper "Weine nicht, singe", wurde Ende 2015 an der Hamburger Staatsoper uraufgeführt und von der Kritik gefeiert. Wertmüller arbeitet seit langem im Full Blast Trio mit Peter Brötzmann und Marino Pliakas zusammen.

Konzert
20.30 Uhr

Das Ensemble Musikfabrik hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1997 einen Namen als eines der führenden europäischen Ensembles für zeitgenössische Musik gemacht. Das Solistenensemble aus Köln interessiert sich besonders für künstlerische Experimente und Innovation bei der Aufführung neuer und unbekannter Werke sowie von eigens für das Ensemble entstandenen Auftragswerken. Das Ensemble Musikfabrik arbeitet oft eng mit den Komponisten zusammen und gibt rund 80 Konzerte jährlich, in Deutschland und im Ausland, auf Festivals sowie in einem eigenen Radioprogramm, "Musikfabrik in WDR", produziert für den Rundfunk und spielt CDs ein.

Programm
Olaf Nicolai

"Non consumiamo… (To Luigi Nono)" (2015)
Für drei Stimmen, Radio und Elektronik
20’
Mit Andreas Fischer (Bass), Noa Frenkel (Contralto) und Daniel Gloger (Countertenor).

Ensemble Musikfabrik
Morton Feldman | "De Kooning" (1963)
Für Horn, Schlagzeug, Klavier, Violine und Cello
12’
Live-Aufführung mit Filmprojektion

Karlheinz Stockhausen | "ZYKLUS" (1959)
Für einen Schlagzeuger
13’

Morton Feldman | Jackson Pollock (1951)
Für zwei Celli
5’30
Live-Aufführung mit Filmprojektion

Steve Reich | "Radio Rewrite" (2012)
Für Ensemble (Flöte, Klarinette, zwei Vibraphone, zwei Klaviere, E-Bass und Streichquartett)
19’

Michael Wertmüller | "Batterie" (2004)
Für einen Schlagzeuger
14’30’’

Steve Reich |" Come Out" (1966)
Loops und Stimme
17’16’’

Konzertflügel aus dem Steinway-Haus München

Tickets
Podiumsdiskussion: Eintritt frei
Konzert: Vorverkauf 18 € / Abendkasse 25 €
Tickets sind online, an der Kasse im Haus der Kunst oder bei München Ticket erhältlich.

"Improvise NOW!!!" ist eine Kooperation mit dem Goethe-Institut.

 

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Improvise NOW!!! – Internationalismus und Darmstadt: Jenseits der Neuen Musik

22.10.16, 18 Uhr

Ensemble Musikfabrik, Foto © Jonas Werner-Hohensee
Ensemble Musikfabrik, Foto © Jonas Werner-Hohensee
Ensemble Musikfabrik, Foto © Lukas Hellermann
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Ensemble Musikfabrik, Foto © Astrid Ackermann
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Ensemble Musikfabrik, Foto © Klaus Rudolph
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