Wassily Kandinsky 1866–1944

AUSSTELLUNG 13.11.76 – 30.01.77

Mit Wassily Kandinsky ehrte das Haus der Kunst 1977 den Gründer des "Blauen Reiter" und Wegbereiter der Abstraktion als einen "prophetischen" Künstler, dessen "Bedeutung als Maler und Denker bis heute noch nicht gebührend gewürdigt worden ist". Die umfassende Ausstellung basierte auf der Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, die über eine der größten Sammlungen von Werken des "Blauen Reiter" verfügt, und mit dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York, dessen Direktor Thomas M. Messer für die Konzeption und wissenschaftliche Bearbeitung verantwortlich zeichnete. Messer gliederte den Katalog mit rund 280 Gemälden, Aquarellen, Hinterglasbildern und Druckgrafik nach sechs Schaffensphasen, die er jeweils mit kunsthistorischen Erläuterungen versah.
Das erste Kapitel skizziert unter dem Titel "Vorbereitung. Von Russland nach München" die Übersiedlung Kandinskys und seiner Frau Anna von Moskau nach München, um hier nach dem Studium der Nationalökonomie 1896 einen Neuanfang als Künstler zu wagen. Ausgebildet im privaten Kunstunterricht malt er impressionistische Landschaften, bevor er nach 1905 mit Motiven aus der russischen Märchenwelt eine originelle Bildsprache entwickelt ("Reitendes Paar", 1907). Als Lehrer an der Malschule "Phalanx" lernt er 1902 Gabriele Münter kennen, mit der er eine Beziehung eingeht. Zahlreiche Reisen dienen bis 1908 der Suche nach der künstlerischen Selbstverwirklichung zwischen konservativer und moderner Haltung.
Kapitel zwei "Durchbruch: Der Blaue Reiter" erinnert an die 1911 in München und Murnau erfolgte Gründung der Künstlergruppe mit Franz Marc, Alexej Jawlensky, Paul Klee, August Macke, Marianne von Werefkin und Gabriele Münter. Mit zwei wegweisenden Ausstellungen in der Galerie Thannhauser, zu denen auch Künstler aus dem Ausland eingeladen sind, sowie der 1912 erscheinenden Programmschrift des "Almanach" etabliert sich die Gruppe als Vorreiter der Moderne. Kandinsky weist in seinem Aufsatz "Über das Geistige in der Kunst" den Weg zur autonomen Kunst. Zunächst ist in den farbenfreudigen, expressionistischen Werken der Murnauer Zeit neben Pferd und Reiter die Landschaft des Voralpenlandes Kandinskys Lieblingsmotiv ("Kirche in Murnau", 1910). Mit den "Improvisationen" und "Kompositionen" gelangt er jedoch allmählich zu einer Transformation der Realität, die einzelne gegenständliche Motive in dynamische Malstrukturen von intensiver Farbigkeit einbindet ("Improvisation Sintflut", 1913). Es entstehen Werke von "in der Kunst des 20. Jahrhunderts noch nie da gewesener schöpferischer Individualität".
"Turbulenzen: Krieg und Revolution" verschlagen Kandinsky 1914 in seine Heimat, wo er nach der Trennung von Gabriele Münter Nina heiratet und künstlerisch den Übergang zur Abstraktion vorbereitet ("Roter Fleck II", 1921). Die Phase mündet 1922 mit der Übernahme einer Lehrtätigkeit am Bauhaus: Kapitel vier "Konsolidierung: Weimar". In dieser Zeit vollzieht Kandinsky den radikalen Schritt zur rationalen Konstruktion unter Verwendung geometrischer Formen in klaren Farben und scharfen Konturen ("Komposition VIII", 1923). Theoretisch untermauert durch seine Schrift "Punkt und Linie zu Fläche" (1926) schließt sich nach dem Umzug des Bauhauses 1925 die Phase "Weiterentwicklung: Dessau" (Kapitel fünf) an, in der der Sechzigjährige mit dem Kreis als Hauptmotiv Intellekt und Emotion, Kalkulation und Spontaneität vereint ("Einige Kreise", 1926). Die durch zahlreiche Ausstellungen gefestigte internationale Anerkennung Kandinskys als führende Figur der Moderne endet 1933 mit der Machtergreifung Hitlers und der Emigration des Künstlers nach Paris.
In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod 1944 vollzieht sich schließlich die "Synthese: Paris" (Kapitel sechs) in Form von Bildern, in denen er das geometrische Vokabular durch eine biomorphe Formenwelt erweitert und Kunst und Natur verbindet ("Wechselseitiger Gleichklang", 1942). Als Realitätsfragmente aus Flora und Fauna erschließen die ebenso konkreten wie gegenstandslosen Gebilde einen universalen Symbolismus, in dem alle bisherigen Bestrebungen Kandinskys zur Einheit gelangen. Im Spätwerk verbindet sich die vergeistigte Kunst mit neuer Leichtigkeit, die weiterhin dem Ziel verpflichtet bleibt, "vom Geheimen durch Geheimes zu sprechen".

In Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München und dem Solomon R. Guggenheim Museum New York.

Der broschierte Katalog trägt auf dem Einband die farbige Abbildung von Kandinskys Gemälde "Schwarze Linien" (1913) und umfasst circa 250 Seiten. Der Textteil beginnt mit den Lebensdaten des Künstlers, durch s/w-Fotos illustriert. Der Katalog der "Ausgestellten Werke" folgt mit sechs Kapiteln der Chronologie, zu denen Thomas M. Messer jeweils einen Text verfasst hat. Insgesamt sind 278 Objekte aufgeführt, davon 105 Gemälde sowie Aquarelle, Hinterglasbilder und Druckgrafik; zu einzelnen Bildern findet man Erläuterungen. Insgesamt circa 14 Farbabbildungen und zahlreiche s/w-Fotos ergänzen das jeweilige Kapitel.

Wassily Kandinsky, Gelb-Rot-Blau, 1925, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur
Wassily Kandinsky, Gelb-Rot-Blau, 1925, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur
Wassily Kandinsky, Studie zu Komposition II, 1910, The Solomon R. Guggenheim Museum, New York © bpk Bildagentur
Wassily Kandinsky, Studie zu Komposition II, 1910, The Solomon R. Guggenheim Museum, New York © bpk Bildagentur
Wassily Kandinsky, Komposition VIII, 1923, New York, The Solomon R. Guggenheim Museum, New York © bpk Bildagentur
Wassily Kandinsky, Komposition VIII, 1923, New York, The Solomon R. Guggenheim Museum, New York © bpk Bildagentur

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