Hundertwasser – Friedensreich – Regentag

AUSSTELLUNG 22.02 – 11.05.75

Mit der Ausstellung des Werks von Friedensreich Hundertwasser (eigentlich Friedrich Stowasser 1928–2000) widmete sich das Haus der Kunst dem vielfältigen künstlerischen Schaffen eines zeitgenössischen österreichischen Künstlers. Hundertwasser zählte zu den Vertretern der Nachkriegsmoderne und war 1963 Teilnehmer der Documenta; 1968 schrieb Wieland Schmied eine Monografie über den Künstler. Seine hohe Wertschätzung verdankte der Einzelgänger und Exzentriker aus Wien neben skandalträchtigen Aktionen vor allem dem abstrakt-dekorativen Stil seiner leuchtend farbigen Bilder und Grafiken. Ihre lineare Komposition beruht auf der Spiralform als poetische Analogie zur Schöpfung – ein Charakteristikum, das ihn zum Begründer einer neuen Ornamentik machte. Die Ausstellung würdigte darüber hinaus Hundertwassers Entwürfe für Gobelins und Briefmarken und präsentierte anhand von Architekturmodellen seine originellen Ideen zu Fassadengestaltung und Dachbegrünung, mit denen er – nach dem Motto "Only creativity brings us close to paradise" – für eine Verbindung von Kunst und Umwelt eintrat.
Der unter Hundertwassers eigener Ägide zusammengestellte und eigenwillig gestaltete Katalog mit Bildern und Texten unterschiedlicher Autoren schlägt anhand von 732 Nummern den Bogen vom Jugendwerk zum Hauptwerk des zu dieser Zeit noch nicht fünfzigjährigen Künstlers. Walter Koschatzky zeichnet die künstlerische Entwicklung nach, von den Kinderzeichnungen bis zu ersten "bewussten zielstrebigen Zeichnungen nach der Natur", die als Landschaftsaquarelle vornehmlich die Wiener Umgebung wiedergeben ("Donaukanal mit Überfuhr, Rosauerkaserne und Stephansdom", 1944). Nach einem bald schon abgebrochenen Studium an der Akademie der Künste in Wien wendet sich der Maler unter dem Einfluss des Wiener Jugendstils und Vorbildern wie Gustav Klimt und Egon Schiele von der perspektivischen Darstellung der Realität ab und der flächig-dekorativen Stilisierung der Formen zu.
Zahlreiche Reisen befördern ab ca. 1950 Hundertwassers Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und naiver Kunst. Die Abkehr von der traditionellen Bildform geht einher mit der Änderung des Namens in Friedensreich Regentag Hundertwasser und leitet das Hauptwerk ein. Das Motiv der Spirale, die als Symbol für den Kreislauf von Geburt und Tod seit 1953 seine Bilder und grafischen Blätter dominiert ("Sonne und spiraloide Epoche über dem Roten Meer", 1960), verbindet er nun mit der Theorie des "Transautomatismus": "Das Bild muss zu einem beweglichen Bild, das heißt zu einer Bilderfolge im Inneren des Beschauers" werden. Happenings, Nacktauftritte, Manifeste und Protestaktionen unterstützen sein persönliches wie künstlerisches Engagement für die quasireligiöse Vorstellung vom Paradies: "Die Bilder sind für mich Tore in eine Welt, in der wir uns befinden, aber die wir nicht wahrnehmen können."
Besondere Bedeutung kommt Hundertwassers Architekturvisionen zu. Mit seinem "Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur" protestiert er 1956 gegen die Monotonie eines seelenlosen Funktionalismus ("Die Wohnungen hängen unter den Wiesen", 1970/71). Wie seine Architekturmodelle zeigen, träumt er stattdessen von der "unsichtbaren und unhörbaren Autobahn", von bunten Häusern und einer neuartigen Fußgängerzone. Vor allem aber propagiert er – etwa im "Terrassenhaus für viele Bäume und viele Menschen" (1974) – das "Grasdach", das den Menschen wieder mit der Vegetation verbindet: "…und die Schmetterlinge kommen wieder".

Der Hardcover-Katalog im DIN A6-Format besteht aus einem schwarzen Leineneinband und handgeschöpftem und -bemaltem Vorsatzpapier. Vorder- und Rückseite zeigen in Prägedruck (Metallfolienprägung) jeweils ein farbiges Bild des Künstlers sowie die Signatur "Hundertwasser" bzw. den Ausstellungstitel in Sütterlin. Der Katalog hat insgesamt 465 Seiten mit 214 Farbreproduktionen und 12 s/w-Abbildungen auf weißem oder schwarzem Papier. Texte des Künstlers und anderer Autoren zu Biografie, Jugendwerk, Hauptwerk, grafischem Werk, Gobelin, Architekturmodellen und Briefmarken ergänzen das Bildmaterial.

Friedensreich Hundertwasser, Krematorium, 1963, Sammlung Siegfried Poppe, Hamburg © NAMIDA AG, Glarus / Bridgeman Images

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AUSSTELLUNG

Die Kunst der Naiven. Themen und Beziehungen

01.11.74 – 12.01.75

Zu Beginn der 1970er-Jahre ging eine Welle der Begeisterung für "Die Kunst der Naiven" durchs Land – figurativ-bunte Bilder in stark vereinfachter Darstellung aus der Hand von Laien. MEHR


AUSSTELLUNG

Egon Schiele 1890–1918

22.02 – 11.05.75

Egon Schieles kurzes Leben "im Umkreis der noch einmal vom Glanz einer sterbenden Epoche verklärten Wiener Kultur" bildete den Hintergrund für die Ausstellung mit rund 300 Werken des Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Frantisek Kupka und Otto Gutfreund

15.05 – 20.07.97

Die Ausstellung präsentiert über 200 Arbeiten František Kupkas aus sämtlichen Werkphasen. Seinen Werken sind 18 Bronzeskulpturen Otto Gutfreunds gegenübergestellt. MEHR


AUSSTELLUNG

Tanz in der Moderne — Von Matisse bis Schlemmer

07.02 – 27.04.97

Die Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts waren begeisterte Besucher von Varietés und exotischen Tanzdarbietungen und empfingen aus der Begegnung mit dem Tanz wichtige Impulse. MEHR


AUSSTELLUNG

Alexander Calder

10.05 – 13.07.75

Mit rund 170 Objekten würdigte das Haus der Kunst München das Lebenswerk des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder, der die Retrospektive kurz vor seinem Tod noch wohlwollend unterstützte. MEHR


AUSSTELLUNG

Ernst Wilhelm Nay — Bilder und Dokumente

26.07 – 21.09.80

Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) gilt wegen der abstrakten Bildsprache und der Auffassung vom "Gestaltwert der Farbe" als führender Vertreter der Nachkriegsmoderne. MEHR


AUSSTELLUNG

Amerikanische Malerei 1930-1980

14.11.81 – 31.01.82

Tom Armstrong bot dem deutschen Publikum einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der "Amerikanischen Malerei 1930-1980" – jene Epoche also, in der erstmals in der Kunstgeschichte die maßgeblichen Impulse nicht von Europa, sondern von Amerika ausgingen. MEHR


AUSSTELLUNG

Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


AUSSTELLUNG

Le Corbusier

Mit der Ausstellung würdigte das Haus der Kunst Le Corbusier als das "erste Genie von Weltgeltung, das die Schweizer Architektur-Geschichte zu verzeichnen hat". MEHR


AUSSTELLUNG

Henry Moore

Mit einer großen Retrospektive, bestehend aus 55 Skulpturen, 60 Zeichnungen und zwei Wandbehängen, würdigte das Haus der Kunst im Jahr 1960 Henry Moore als "den ersten englischen Bildhauer von europäischem Rang". MEHR


AUSSTELLUNG

Secession — Europäische Kunst um die Jahrhundertwende

Die Ausstellung richtete den Blick auf den Beginn der Moderne, der in den großen europäischen Kunstzentren am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert mit der "Secession" einsetzte. MEHR


AUSSTELLUNG

Edvard Munch

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). MEHR


AUSSTELLUNG

Internationale Plakate 1871–1971

09.10.71 – 02.01.72

Hundert Jahre nach dem Plakat Fred Walkers "Woman in White" (1871) und in einer Zeit, in der sich Andy Warhol im Rahmen der Pop Art die Darstellung von Konsumprodukten zu eigen machte, machte sich die Ausstellung daran, die Kunstgeschichte des Plakats nachzuzeichnen. MEHR


AUSSTELLUNG

Der Surrealismus 1922–1942

11.03 – 07.05.72

Rund 50 Jahre nach der Entstehung des Surrealismus in Paris rückte die Ausstellung jene Künstler in den Mittelpunkt der Betrachtung, die für diese Zeit prägend gewesen waren. MEHR


AUSSTELLUNG

Die dreißiger Jahre. Schauplatz Deutschland

11.02 – 17.04.77

Golo Mann würdigte die Ausstellung zur deutschen Malerei, Skulptur und angewandten Kunst in den "Dreißiger Jahren" als ein kühnes Unterfangen – war doch die Epoche bis dahin mit einem Tabu belegt gewesen. MEHR


AUSSTELLUNG

Das Automobil in der Kunst 1886-1986

09.08 – 05.10.86

Das hundertjährige Jubiläum führte zur Überlegung, dass das Automobil seit seiner Erfindung 1886 "nicht nur Geschichte, sondern auch Kunstgeschichte gemacht hat." MEHR


AUSSTELLUNG

Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR


AUSSTELLUNG

Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


AUSSTELLUNG

Roy Lichtenstein — Die Retrospektive.

14.10.94 – 08.01.95

Roy Lichtenstein gilt neben Andy Warhol als Begründer der Pop Art, die von Robert Rauschenberg und Jasper Johns vorbereitet worden war. MEHR


AUSSTELLUNG

Brassai — Vom Surrealismus zum Informel.

21.01 – 26.03.95

Die Fotografien von Gyula Halász, der sich Brassai nannte, führen ins Paris der 1930er-Jahre, wo er zunächst als Journalist arbeitete und dann autodidaktisch zur künstlerischen Fotografie fand. MEHR