Der Surrealismus 1922–1942

AUSSTELLUNG 11.03 – 07.05.72

Rund 50 Jahre nach der Entstehung des Surrealismus in Paris rückte die Ausstellung jene Künstler in den Mittelpunkt der Betrachtung, die für diese Zeit prägend gewesen waren. Der amerikanische Kunsthistoriker und Kurator Patrick Waldberg schöpfte in seiner Chronik aus der Bekanntschaft mit André Breton, der großen Gründerfigur des Surrealismus, den es 1942 ins Exil nach New York verschlagen hatte.
Breton bündelte als Dichter und Herausgeber der Zeitschrift "Littérature" gemeinsam mit anderen Schriftstellern wie Philippe Soupault, Guillaume Apollinaire, Tristan Tzara und Paul Éluard die avantgardistischen Kräfte, die sich seit 1919 aus dem Dadaismus entwickelt hatten. Im "Manifest des Surrealismus" beschrieb er 1924 als bedeutendsten Aspekt der surrealistischen Erfahrung den "psychischen Automatismus" als einen "Zustand des Träumens", der in der Begegnung mit dem Unbewussten den Schlüssel zu den Quellen der menschlichen Existenz liefern sollte.
Die Ausstellung führte rund 500 Werke von 70 Künstlern aus ganz Europa zusammen. Neben den Initiatoren, dem Maler Francis Picabia und dem Fotografen und Objektkünstler Man Ray waren auch Marcel Duchamps Readymades ("Flaschentrockner", 1914) aus dem Dadaismus heraus entwickelt. Der Deutsche Max Ernst als einer der wichtigsten Protagonisten brachte mit 32 Gemälden, darunter das Waldbild "La joie de vivre" (1936), den Willen zum Ausdruck "jeden Augenblick des Lebens zu einem glühenden Höhepunkt zu führen bis zu einem Zustand, wo Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheidbar sind". Wo die Bilder von Giorgio de Chirico ("Le retour du poète", 1911) eine magische Dingwelt beschwören, zeigen sowohl die Plastiken von Hans Arp als auch die Bilder von Joan Miró ("Maternité", 1924) eine eher spielerisch-abstrakte Kosmologie des unbewussten Lebens.
1926 war noch ein Großteil der Künstler in der ersten Ausstellung des Surrealismus in der Pariser Galerie Pierre vertreten; in der Folge aber etablierten sich trotz mehrfacher Spaltungen unterschiedliche Auffassungen der surrealistischen Ästhetik. Aus der Pariser Gruppe entwickelte sich zwischen 1930 und 1942 eine internationale Bewegung. Dem Spanier Salvador Dalí ("L'écho du vide", 1936/52) und dem Belgier René Magritte ("Le thérapeute", 1937) hingegen gelingen in illusionistischer Gegenständlichkeit Bilder von äußerster Traumhaftigkeit. Während der Tscheche Joseph Sima mystischen Neigungen folgt, leisten die Jugoslawen um Marko Ristic einen eigenen Beitrag zur Phänomenologie des Irrationalen. Dem Kreis der Surrealisten stehen nun zahlreiche Künstler aus der ganzen Welt nahe: Darunter der Deutsche Richard Oelze, der Engländer Henry Moore, der Wiener Wolfgang Paalen, Victor Brauner aus Rumänien, Oscar Dominguez aus Tenerifa, die Argentinierin Léonor Fini, Wilhelm Freddie aus Kopenhagen, der Kubaner Wifredo Lam sowie die Amerikanerin Dorothea Tanning. Auch der Schweizer Bildhauer Alberto Giacometti schließt sich mit frühen figurativen Plastiken den Surrealisten an ("Femme cuiller", 1926).
Nachdem viele der genannten Künstler bereits 1936 in London auf der Internationalen Surrealismus-Ausstellung vertreten waren, sah die Schau im Haus der Kunst 1972 ihre Aufgabe darin, eine Vorstellung von dem Elan zu geben, der die Vertreter dieser Stilrichtung in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg beflügelte. Patrick Waldberg: "Niemals in der Geschichte hat eine auf Dichtung und Kunst bezogene Bewegung der Kraft des Imaginären eine solche Bedeutung zuerkannt". Diese Leistung ist, dem Kurator zufolge, insbesondere André Breton zu verdanken, dem er die Ausstellung von 1972 widmete.

In Zusammenarbeit mit dem Musée des Arts Décoratifs, Paris.

Der broschierte Katalog trägt auf dem Einband die farbige Abbildung von Max Ernst "La Femme Chancelante" (1923). Er umfasst etwa 200 Seiten mit 10 Farb- und zahlreichen s/w-Abbildungen. Der einführende Text "Vor fünfzig Jahren…" von Patrick Waldberg wird ergänzt durch ein alphabetisches Verzeichnis der Künstler sowie eine durch Fotos illustrierte Zeittafel. Das Verzeichnis der ausgestellten Werke listet 479 Werke von 70 Künstlern.

Salvador Dalí, L'enigme du désir, 1929, Detail, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Salvador Dalí, L'enigme du désir, 1929, Detail, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Max Ernst, La joie de vivre, 1936, Detail, Privatsammlung © bpk Bildagentur, Foto Hermann Buresch
Max Ernst, La joie de vivre, 1936, Detail, Privatsammlung © bpk Bildagentur, Foto Hermann Buresch
René Magritte, L'île au trésor, 1942, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur
René Magritte, L'île au trésor, 1942, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur

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Max Ernst — Die Retrospektive

12.06 – 12.09.99

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Dora Maar

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12.08 – 09.10.88

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14.11.81 – 31.01.82

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