Internationale Plakate 1871–1971

AUSSTELLUNG 09.10.71 – 02.01.72

Hundert Jahre, nachdem Fred Walker mit "Woman in White" (1871) zeigte, "wie ein gutes Plakat auszusehen habe", und in einer Zeit, in der sich Andy Warhol im Rahmen der Pop Art die Darstellung von Konsumprodukten zu eigen machte, machte sich die Ausstellung "Internationale Plakate 1871–1971" daran, anhand von rund 700 Beispielen die Kunstgeschichte des Plakats nachzuzeichnen. Heinz Spielmann als Leiter der modernen Abteilung am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe übernahm die wissenschaftliche Bearbeitung und Konzeption. In seiner Einführung zum Katalog skizziert er die Geschichte des Bildplakats als eine Erfindung der Industriegesellschaft und dazu bestimmt, mit malerischen und typografischen Mitteln Werbung für ein Produkt zu machen. Von England ausgehend, war die Drucktechnik der Farblithografie gegen Ende des 19. Jahrhunderts ausgereift, und es entwickelten auch andere Länder – Frankreich, Deutschland, Holland, Österreich, Russland, die Schweiz, die USA und Japan – einen unverkennbaren Plakatstil. Entworfen von Gebrauchsgrafikern und Künstlern, im Spannungsfeld von angewandter und hoher Kunst, beansprucht das Plakat heute Anerkennung als eigene ästhetische Gattung.
In England nahm die Plakatkunst Ende des 19. Jahrhunderts mit berühmten Vertretern wie Aubrey Beardsley, The Brothers Beggarstaff und Dudley Hardy ("A Gaiety Girl", 1893) ihren Anfang. Als große Inspirationsquelle für die internationale Plakatkunst diente von Anfang an der aus der traditionellen Kalligrafie und dem Holzschnitt entwickelte Stil der japanischen Zeichner. Einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des künstlerischen Plakats in Frankreich leisteten Henri de Toulouse-Lautrec ("Reine de Joie", 1892) und Jules Chéret ("Palais de Glace – Champs Elysées", 1893), der mit seinen Mädchendarstellungen als der erfolgreichste Plakatzeichner des Fin de siècle galt. Auch Amerika ließ sich von der Begeisterung für das Kunstplakat anstecken, wie Beispiele von William Bradley und Louis John Rhead zeigen; Edward Penfield gestaltete für die Zeitschrift "Harper's" ein Plakat, das mit eleganten, sportlichen Herren den "Duft der großen weiten Welt" verbreitete und so die Produktwerbung mit emotionalen Qualitäten koppelte. In Deutschland boten zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem die satirischen Münchner Zeitschriften "Jugend" und "Simplizissimus" ein Forum für Bilder, die Witz und Werbung verknüpften, zu nennen sind hier beispielsweise Thomas Theodor Heine und Olaf Gulbransson. Mit einprägsamen Bildformeln profilierten sich auch Julius Klinger und Ludwig Hohlwein, der die Reklame für den "Zoologischen Garten München" (1912) gestaltete.
Zugleich etablierten sich auch international renommierte Künstler des Expressionismus mit dem "Malerplakat", und die Künstler der "Brücke" bezogen es in ihr Programm der künstlerischen Durchdringung des Lebens ein und machten mit Holzschnitten auf ihre Ausstellungen aufmerksam (Ernst Ludwig Kirchner "MUIM-Institut", 1911). Andere nutzten das Plakat zur Selbstdarstellung, wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka ("Selbstbildnis", 1923). In den Plakaten der 1920er-Jahre spiegeln sich nicht nur neue Themen wie Filme oder Reisen, sondern auch aktuelle künstlerische Tendenzen wie Futurismus und Konstruktivismus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein neues Kapitel in der Entwicklung des europäischen Malerplakats. Neben den Reproduktionen von Kunstwerken zu Plakatzwecken entstand das "Originalplakat", das von den Künstlern als solches konzipiert war und einen großen Teil im grafischen Oeuvre der Maler einnahm. Hier taten sich in Frankreich vor allem Henri Matisse, Jean Cocteau, Fernand Léger, Joan Miró und Pablo Picasso ("Toros Vallauris", 1958), in Deutschland Willi Baumeister und Hap Grieshaber hervor ("Duitse Kunst na 1945", 1954). Der Überblick über die Kunstgeschichte der "Internationalen Plakate" von 1972 schließt mit der Plakatedition aus der Hand namhafter Künstlerpersönlichkeiten – darunter David Hockney, Serge Poliakoff, Victor Vasarely und Horst Antes –, die anlässlich der Olympischen Spiele in München im selben Jahr herausgegeben wurde.

Der broschierte Katalog trägt auf dem Einband die s/w-Abbildung von Fred Walkers "Woman in White" aus dem Jahr 1871. Er umfasst 340 Seiten mit 13 Farbtafeln sowie etwa 126 s/w-Abbildungen. Nach dem Vorwort der Ausstellungsleitung und der Einführung von Heinz Spielmann folgt ein "Glossar der wichtigsten Techniken des Plakatdrucks". Die "Ausgestellten Werke" listen insgesamt 734 Nummern: nach Chronologie, Ländern und Künstlern geordnet und durch einführende Texte erläutert.

Otto Fischer, Die Alte Stadt, 1896, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz © bpk Bildagentur, Foto Dietmar Katz
Otto Fischer, Die Alte Stadt, 1896, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz © bpk Bildagentur, Foto Dietmar Katz
Henri Privat-Livemont, Cabourg, 1896 © De Agostini Picture Library / Bridgeman Images
Henri Privat-Livemont, Cabourg, 1896 © De Agostini Picture Library / Bridgeman Images
Emil Orlik, Die Weber, 1897, Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin © bpk Bildagentur, Foto Knud Petersen
Emil Orlik, Die Weber, 1897, Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin © bpk Bildagentur, Foto Knud Petersen

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