Emil Nolde — Gedächtnisausstellung

AUSSTELLUNG 24.09.1957 – 01.12.1957

Mit rund 550 Werken gedachte die Ausstellung des Künstlers Emil Nolde (1867–1956) ein Jahr nach seinem Tod. Alfred Hentzen, der damalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, rühmte ihn in seinem Vorwort zum Katalog als einen Maler, der sich in seinen Landschaften, Stillleben, Mensch- und Tierdarstellungen stets an der Natur orientierte, dessen Werk ganz von der Farbe bestimmt war und der die Gabe besaß, Geistiges durch die Farbe auszudrücken. 30 Jahre nach der ersten großen Retrospektive seines Werks im Jahr 1926 ging es darum, erstmals Noldes künstlerische Entwicklung aufzuzeigen und die Bedeutung des wegen seiner Haltung zum Nationalsozialismus umstrittenen Künstlers für die Kunst der Moderne offenbar werden zu lassen.
Der als Sohn eines Bauern in Nolde/Nordschleswig geborene Emil Hansen fand erst spät zu erster Anerkennung als vorwiegend autodidaktisch geschulter Maler. Die mit seiner Heirat vollzogene Umbenennung in Emil Nolde verband er mit einem Bekenntnis zur Heimat im äußersten Norden Deutschlands, wo er mit seiner Frau Ada lebte. Die Bilder aus dem religiösen Motivkreis zeugen ebenso wie jene mit Spukgestalten aus dem nordischen Sagenschatz von der Prägung durch die Herkunft. Vom Impressionismus und Vorbildern wie Gauguin, van Gogh und Munch inspiriert, fand Nolde vorübergehend Anschluss an die Künstlergruppe "Die Brücke" sowie an die Berliner Secession, bevor er seinen künstlerischen Weg als Einzelgänger fortsetzte. Mit visionär-expressiven Bildern wie dem "Abendmahl" (1909) und dem ekstatischen "Tanz um das goldene Kalb" (1910), aber auch mit Meerlandschaften, ersten Gartenbildern und Eindrücken vom städtischen Leben in Berlin in großflächigen, farbintensiven Formen gelang Emil Nolde 1912 der Durchbruch bei der legendären Sonderbund-Ausstellung in Köln, wo seine Werke neben jenen anderer namhafter Zeitgenossen gezeigt wurden.
Die Südseereise nach Neu-Guinea 1913/14 brachte für Emil Nolde neben starken visuellen Eindrücken von der exotischen Natur auch die Begegnung mit primitiven Kulturen. Die künstlerische Reife schlug sich in den leuchtend farbigen Südseelandschaften nieder ("Eingeborene am Strand", 1914). Auch die nach der Rückkehr entstandenen Werke religiöser Thematik ("Grablegung", 1915) lassen ebenso wie der üppig-sinnliche "Blumengarten (Ringelblumen)" (1918) eine neue künstlerische Qualität erkennen, die ihm nach dem Krieg in Deutschland große Anerkennung eintrug. Der Inspiration durch die Südseereise verdankte sich auch die von Nolde entwickelte Aquarelltechnik, welche seiner Malerei besondere Leuchtkraft verlieh ("Bauernhof unter großer Wolke").
In den 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre galt Nolde als einer der großen expressionistischen Maler Deutschlands, dessen Werke in allen wichtigen Museen vertreten waren. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers aber fiel auch er, der nordische Künstler par excellence und seit 1919 dänischer Staatsbürger, der Ächtung der modernen Kunst zum Opfer: 1052 seiner Bilder, soviel wie von keinem anderen Künstler, wurden aus den Museen entfernt, wichtige Werke wie "Die Sünderin" (1926) in der Femeausstellung "Entartete Kunst" (1937) dem Spott preisgegeben. Nolde erhielt Malverbot und zog sich nach Seebüll zurück. Nach dem Krieg fand der Künstler mit vergrößerten Einzelformen, der ins Unwirkliche gesteigerten Farbigkeit und einer die Bilder tragenden, feierlichen Stille zu seinem Altersstil. Seit seinem Tod wird das Andenken an ihn von der "Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde" gewahrt.

In Zusammenarbeit mit der "Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde".

Der broschierte Katalog mit dem Aquarell "Reife Sonnenblume" (o. J.) als Titelmotiv enthält ein Vorwort von Alfred Hentzen und das "Verzeichnis der ausgestellten Werke" sowie etwa 210 Seiten mit Abbildungen, davon etwa 16 in Farbe. Die Werkliste führt insgesamt 550 Katalognummern auf: 184 Gemälde, sowie zahlreiche Aquarelle (nach Themen geordnet) und Druckgrafik. Sie nennt Titel, Datum, Technik, Maße, Signatur, Provenienz und evtl. Werkverzeichnis-Nummer (Grafik).

Emil Nolde, Kerzentänzerinnen, 1912, Detail, Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll
Emil Nolde, Kerzentänzerinnen, 1912, Detail, Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll
Emil Nolde, Pfingsten, 1909, Detail, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie © bpk Bildagentur, Foto Jörg P. Anders
Emil Nolde, Pfingsten, 1909, Detail, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie © bpk Bildagentur, Foto Jörg P. Anders
Emil Nolde, Tanz um das goldene Kalb, 1910, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Emil Nolde, Tanz um das goldene Kalb, 1910, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Emil Nolde, Weiße und rote Amaryllis, o.D., Hamburger Kunsthalle © bpk Bildagentur, Foto Christoph Irrgang
Emil Nolde, Weiße und rote Amaryllis, o.D., Hamburger Kunsthalle © bpk Bildagentur, Foto Christoph Irrgang
Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung "Emil Nolde", 1957, Foto Archiv Künstlerverbund im Haus der Kunst München e.V. (vormals Ausstellungsleitung e.V.)

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AUSSTELLUNG

Europäischer Expressionismus

07.03 – 10.05.70

Ziel der Ausstellung, die rund 300 Ölgemälde und Druckgrafiken zeigte, war es, "diesem Lebensgefühl und seinen Auswirkungen in bestimmten Phasen der europäischen Kunst in unserem Jahrhundert nachzuspüren." MEHR


AUSSTELLUNG

Vincent van Gogh 1853–1890

Als einem der populärsten Maler in Deutschland und als Wegbereiter der Moderne widmete das Haus der Kunst Vincent van Gogh 1956 eine Retrospektive mit einer Auswahl von 166 Werken. MEHR


AUSSTELLUNG

Wilhelm Lehmbruck

Die Ausstellung rückte 46 Skulpturen des Künstlers in den Mittelpunkt, lenkte den Blick aber auch auf eine Vielzahl von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken und brachte damit eine weitgehend unbekannte Seite des Künstlers zum Vorschein. MEHR


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Edvard Munch

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). MEHR


AUSSTELLUNG

Expressionisten. Sammlung Buchheim.

29.07 – 18.10.98

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Werke großer Expressionisten wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein. MEHR


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Le Corbusier

Mit der Ausstellung würdigte das Haus der Kunst Le Corbusier als das "erste Genie von Weltgeltung, das die Schweizer Architektur-Geschichte zu verzeichnen hat". MEHR


AUSSTELLUNG

Entartete Kunst — Bildersturm vor 25 Jahren

Die Ausstellung erinnerte an die von Adolf Hitler angeordnete Femeausstellung "Entartete Kunst", die 1937 parallel zur pompösen Eröffnung des "Hauses der Deutschen Kunst" stattfand. MEHR


AUSSTELLUNG

Werke Europäischer Plastik

Die Ausstellung rückte nicht nur die Gattung Bildhauerei in den Mittelpunkt, sondern auch deren Interpretation durch Künstler in europäischen Ländern. MEHR


AUSSTELLUNG

Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


AUSSTELLUNG

Max Beckmann

Mit einer Retrospektive ehrte das Haus der Kunst im Jahr 1968 Max Beckmann (1884–1950) als einen der größten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts. MEHR


AUSSTELLUNG

Joan Miró

Anhand von 238 Objekten – neben 118 Gemälden eine Vielzahl von Gouachen, Collagen, Druckgrafiken, Skulpturen, Keramiken und illustrierten Büchern – umriss die Ausstellung die Etappen von Mirós bis dato fünfzigjährigem Schaffen. MEHR


AUSSTELLUNG

Aristide Maillol

Anlässlich der Wiederkehr des 100. Geburtstags von Aristide Maillol zeigte das Musée d'Art Moderne in Paris eine Ausstellung mit 180 Objekten des plastischen, malerischen, grafischen und kunsthandwerklichen Lebenswerks des großen Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Fernand Léger 1881–1955

Ein Jahr nach seinem Tod widmete das Musée des Arts Décoratifs in Paris dem Künstler Fernand Léger eine Ausstellung seiner Gemälde und Zeichnungen. MEHR


AUSSTELLUNG

Paul Cézanne 1839–1906

Der 50. Todestag Cézannes bot im Jahr 1956 Gelegenheit, zu Ehren des Malers eine Retrospektive auszurichten und mit ihr die Reihe von Ausstellungen wegweisender Künstlerpersönlichkeiten der Moderne fortzusetzen. MEHR


AUSSTELLUNG

Lyonel Feininger 1871–1956

24.03 – 13.05.73

Mit rund 100 Gemälden bot die Ausstellung einen malerischen Querschnitt durch alle Schaffensphasen des Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Egon Schiele 1890–1918

22.02 – 11.05.75

Egon Schieles kurzes Leben "im Umkreis der noch einmal vom Glanz einer sterbenden Epoche verklärten Wiener Kultur" bildete den Hintergrund für die Ausstellung mit rund 300 Werken des Künstlers. MEHR


AUSSTELLUNG

Wassily Kandinsky 1866–1944

13.11.76 – 30.01.77

1977 ehrte das Haus der Kunst den Gründer des "Blauen Reiter" und Wegbereiter der Abstraktion als einen "prophetischen" Künstler, dessen "Bedeutung als Maler und Denker bis heute noch nicht gebührend gewürdigt worden ist". MEHR


AUSSTELLUNG

Die dreißiger Jahre. Schauplatz Deutschland

11.02 – 17.04.77

Golo Mann würdigte die Ausstellung zur deutschen Malerei, Skulptur und angewandten Kunst in den "Dreißiger Jahren" als ein kühnes Unterfangen – war doch die Epoche bis dahin mit einem Tabu belegt gewesen. MEHR


AUSSTELLUNG

Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR


AUSSTELLUNG

Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR