Paul Cézanne 1839–1906

AUSSTELLUNG Oktober 1956 — November 1956

Der 50. Todestag von Paul Cézanne bot im Jahr 1956 Gelegenheit, zu Ehren des großen französischen Malers eine Retrospektive auszurichten und mit ihr die Reihe von Ausstellungen wegweisender Künstlerpersönlichkeiten der Moderne fortzusetzen. In Zusammenarbeit mit seiner Heimatstadt Aix-en-Provence sowie mit Den Haag und Zürich gelang es, das Projekt auch in München zu realisieren. Mit 154 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen würdigte die Ausstellung im Haus der Kunst Cézanne als "Stammvater der Malerei des 20. Jahrhunderts". Fritz Novotny, der Verfasser des Standardwerks "Cézanne und das Ende der wissenschaftlichen Perspektive" (1937) und spätere Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere/Wien, begründet in seinem einführenden Katalogtext – ergänzt durch eine Zitatsammlung sowie eine biografische und stilistische Übersicht – Paul Cézannes Bedeutung als Erneuerer der Kunst.
In der "akademischen und romantischen Periode" (1857–1971), die der vom Studium an der École des Beaux Arts abgelehnte Cézanne abwechselnd in Aix und Paris verbringt, wendet er sich einer "barocken", heftigen Malerei zu und ringt zugleich um Klarheit und Ordnung im Realismus. Seine provenzalischen Landschaften, darunter "Der Bahndurchstich" (1867/70), wirken durch die düsteren Farben, die flache Perspektive und das verhaltene Licht merkwürdig erstarrt und werden wiederholt von der Ausstellung im Salon ausgeschlossen.
Über die Freundschaft mit Camille Pissarro, Auguste Renoir und Claude Monet findet Cézanne zum Impressionismus (1872–77) und damit auch zu erstem Ausstellungserfolg. "Der Weg nach Auvers-Sur-Oise" (1873/75) zeugt im leichten Auftrag von Farbflecken und der zarten Farbigkeit von der Verflüchtigung der körperhaft festen Formen und der Hinwendung zur atmosphärisch-sinnlichen Wiedergabe von Naturerscheinungen.
Lange Zeit galt Cézannes Werk als Vollendung des Impressionismus, dem er in der Grundhaltung, die sichtbare Wirklichkeit wiederzugeben, verbunden war. Novotny hingegen sieht seine Leistung in der Überwindung dieser Stilrichtung durch einen "Konstruktiven Impressionismus" (1878–82) und die anschließende "Konstruktive Periode" (1882–1895). Aus der Beobachtung, dass sich "alles in der Natur wie Kugel, Kegel und Zylinder modelliert", lässt der Maler die impressionistische Sehweise hinter sich und geht seinen eigenen Weg. Er findet zu einer Verfestigung der Gegenstände in plastischen Formen und ihrer Einbindung in ein Strukturgeflecht aus vertikalen, horizontalen und diagonalen Rhythmen. Der architektonische Aufbau geht einher mit einem Kolorismus, bei dem die Farbe als zentrales Ausdrucksmittel die Funktion der Zeichnung, der Modellierung und des Bildaufbaus übernimmt. Die unterschiedlichen Versionen der "Badenden" ("Badende Frauen vor einem Zelt", 1883/85) zeugen ebenso von seinen grundlegenden malerischen Neuerungen wie die Landschaften  ("L'Estaque", um 1884), die Stillleben und die Porträts von seiner Frau, von Kartenspielern und Bauern ("Halbfigur eines Bauern", 1890/92).
In den Jahren der "Synthetischen Periode" (1895–1906) bricht Cézanne schließlich die geometrische Konstruktion in seinen Bildern auf, indem er die Stillleben auf geneigter Fläche anordnet und so das starre Gleichgewicht lockert ("Stillleben mit Zuckerdose", 1895/1900). Als Krönung seines von vielen Rückschlägen begleiteten künstlerischen Schaffens – das 1904 endlich auch im renommierten Pariser Herbstsalon triumphal gewürdigt wird – entstehen mehrere Fassungen zum Motiv "Montagne Sainte Victoire" (1904/06) sowie die Variante der "Großen Badenden" (1905).
Die Jubiläumsausstellung von 1956 machte Paul Cézannes große künstlerische Leistung nachvollziehbar: die Befreiung des Bildes vom Vorbild der Wirklichkeit und die Betonung des künstlerischen Eigenwerts von Form und Farbe. Mit seiner Erkenntnis, dass es "eine rein malerische Wahrheit der Dinge gibt", dass das gemalte Bild eine eigene Wirklichkeit, "eine Harmonie parallel zur Natur" darstellt, revolutionierte er die Kunst und ebnete den Weg für die Künstler der Klassischen Moderne und den Aufbruch in die Abstraktion.

In Zusammenarbeit mit Aix-en-Provence, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, dem Kunsthaus Zürich und dem Gemeentemuseum 's-Gravenhage.

Der broschierte Katalog zeigt auf dem Titel das farbige "Selbstbildnis" von 1875/77. Er umfasst ca. 40 Seiten Text und 80 Seiten mit s/w-Abbildungen der Werke Cézannes in chronologischer Reihenfolge. Die Werkliste umfasst insgesamt 154 Nummern, darunter 69 Gemälde, 44 Aquarelle und 41 Zeichnungen. Sie nennt jeweils Titel, Datum, Technik, Maße und Leihgeber sowie die Werkverzeichnisnummer (Lionello Venturi, Cézanne et son art – son oeuvre, 2 Bände, Paris 1936).

Paul Cézanne, Stilleben, 1883/87, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Paul Cézanne, Stilleben, 1883/87, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Paul Cézanne, Die Montagne Sainte Victoire, 1904/06, Philadelphia Museum of Art, Pennsylvania, The George W. Elkins Collection © Bridgeman Images
Paul Cézanne, Die Montagne Sainte Victoire, 1904/06, Philadelphia Museum of Art, Pennsylvania, The George W. Elkins Collection © Bridgeman Images
Paul Cézanne, Badende Frauen, 1900/03, Privatsammlung © Bridgeman Images
Paul Cézanne, Badende Frauen, 1900/03, Privatsammlung © Bridgeman Images

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