Edvard Munch

AUSSTELLUNG Ende 1954 — Anfang 1955

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). Zuletzt waren einige seiner Bilder in München 1928 im Rahmen einer Ausstellung im Glaspalast zu sehen gewesen und nun – nachdem sie im Dritten Reich als "entartete" Kunst beschlagnahmt worden waren, und 10 Jahre nach dem Tod des Künstlers – bezeichneten es die Direktoren der beteiligten Museen, Sigurd Willoch und Ernst Buchner, im Vorwort zum Katalog als dringliches Anliegen, den Expressionisten in der bayerischen Hauptstadt zu würdigen. Als Grundstock der Ausstellung bot sich das Konvolut von Werken an, das im selben Jahr auf der Biennale in Venedig gezeigt worden war und im Haus der Kunst, unterstützt durch die Norwegischen Museen und internationale Privatsammlungen, maßgeblich erweitert werden konnte. Im bewussten Verzicht auf hierarchische Unterscheidung zwischen den Gattungen zielte die Präsentation von 130 Gemälden und Zeichnungen sowie von 150 grafischen Arbeiten darauf ab, Munchs wegweisende Leistung auf beiden Gebieten darzustellen und "eine vollständige Übersicht über seinen künstlerischen Werdegang" zu vermitteln.
Die Entwicklung Edvard Munchs zum Wegbereiter der modernen Malerei ist eng an sein persönliches Schicksal und seine labile psychische Befindlichkeit geknüpft. Früh schon mit dem Tod von Familienangehörigen konfrontiert, kreist seine autodidaktisch betriebene Kunst vielfach um Krankheit, Tod, Liebesleid und Melancholie. Er ist, Wolloch zufolge, "als Künstler mit einer ungeheuren Eindrucksfähigkeit begabt ... Die Kunst wurde ihm eine Waffe, womit er sich gegen die überwältigenden Eindrücke vom äußeren Leben wehrte. Vor allem aber war sie ihm ein Mittel, um seine Reaktion auf die Außenwelt auszudrücken und sein eigenes Ideen- und Gefühlsleben ... zu realisieren". Wie der Katalogtitel, ist auch der Eingangsraum zur Ausstellung dem Selbstbildnis Edvard Munchs gewidmet – angefangen von 1880 bis zu dem eindrücklichen Altersbild "Zwischen Uhr und Bett. Selbstbildnis" von 1940 – und offenbart "ergreifend, packend, erschütternd den Genius des einsamen vom Geist getriebenen Meisters".
Nachdem er 1892 in Berlin mit einer Ausstellung seiner frühen Werke einen Skandal ausgelöst hatte, entwickelte Munch unter dem Eindruck seiner beiden Paris-Aufenthalte in den 1890er-Jahren seine vom Symbolismus und Jugendstil geprägten Werke. Ihre grelle Farbgebung und lineare Bewegtheit bringt eine innere Erregung und Angst zum Ausdruck, die in einer der berühmten Fassungen zu "Der Schrei" (hier: "Das Geschrei", 1893) ihren Höhepunkt findet. 1897 erfindet Munch als Grafiker eine neue Technik der Farblithografie und des Farbholzschnitts, die es ihm erlaubt, seine Ideen in spontaner Handschrift zu Papier zu bringen und den dekorativen Stil mit gesteigerter Ausdruckskraft zu verbinden ("Mädchenkopf am Strand", 1899).
Als um 1908 eine ärztliche Behandlung die Wende zur seelischen Stabilität herbeiführt, wendet sich der Maler, der in Norwegen und Deutschland wohnt und arbeitet, verstärkt heiteren Motiven zu; es entstehen eine Vielzahl von Porträts und Landschaftsbildern, darunter die "Winterlandschaft mit Sternenhimmel" (1923/24). Der biografische Bruch bedeutet gleichwohl keine Schwächung von Munchs visionärer Kraft und Empfindsamkeit, vielmehr entstehen bis zu seinem Tod Bilder und grafische Blätter, die seinen Ruf als Maler festigen, der "die großen Mächte des Daseins: Leben und Tod, Liebe und Geschlecht in typischen Bildprägungen gleichnishaft gefasst hat".

Der Katalog mit dem "Selbstbildnis" Edvard Munchs als Holzschnitt auf dem Cover umfasst 76 Seiten Text, 2 Farb- und 64 s/w-Abbildungen sowie einige grafische Illustrationen. Die kurzen Einleitungen stammen jeweils von Sigurd Willoch und Ernst Buchner, gefolgt von einer "Lebenschronik" und Literaturhinweisen. Das Werkverzeichnis umfasst 104 Gemälde, 19 Zeichnungen und Aquarelle, 2 Plastiken sowie 150 Grafiken aus Norwegischem Besitz; jeweils mit Angabe von Titel, Datum, Technik, Maßen, Signatur und Provenienz.

In Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Stadt Köln.

Edvard Munch, Zwischen Uhr und Bett – Selbstbildnis, 1940, Detail, Kunstsammlungen der Stadt Oslo © VG Bild-Kunst, Bonn, 1952 / bpk Bildagentur / Scala

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