Widerstand — Denkbilder für die Zukunft

AUSSTELLUNG 11.12.93 – 20.02.94

In Zeiten zunehmender nationalistischer Tendenzen sahen sich die Staatsgalerie Moderner Kunst und das Haus der Kunst zur Stellungnahme herausgefordert, der sie in einer in Zusammenarbeit entwickelten Ausstellung Ausdruck verliehen. Gerade an einem historisch belasteten Ort wie dem Haus der Kunst, das unter Adolf Hitler zum Symbol der Überhöhung der "arischen Kunst" wurde, galt es, ein Zeichen des Widerstands gegen Nationalismus und Antisemitismus zu setzen. Elf international bekannte Künstler unterschiedlicher Stilrichtungen wurden eingeladen, Werke zu zeigen, die als "Denkbilder für die Zukunft" ästhetische Qualität mit gesellschaftlichem Engagement verbinden.
Die klassischen Kunstgattungen Malerei, Zeichnung und Skulptur sind durch Ida Applebroog, Enzo Cucchi und Eduardo Chillida vertreten. Der fünfteilige Bilderzyklus "Sacrifice/Paradise" (1990) der amerikanischen Malerin Applebroog mit der Darstellung eines bewaffneten Jungen spielt auf den nordirischen Bürgerkrieg an und die psychischen Auswirkungen von Gewalt auf das private Leben. Enzo Cucchis Wandinstallation "Cattedrale del Disegno" (1993) will archaische Mythen für die Gegenwart fruchtbar machen; sein Widerstand richtet sich gegen eine Zivilisation, die auf Naturzerstörung ausgerichtet ist. Das "Monument für die Toleranz" (1985) des Basken Eduardo Chillida versteht sich in der Balance von offenen und geschlossenen Formen als Sinnbild eines humanistischen Denkens, das dem Betrachter eine Vorstellung von Freiheit eröffnet.
Andere Künstler suchen den Ausdruck im konzeptionellen Bereich, dem der Spurensicherung und der individuellen Mythologie. Christian Boltanskis Plakatinstallation "Résistance" (1993) an der Fassade des Haus der Kunst zeigt die Augenpaare ehemaliger Mitglieder der antifaschistischen Widerstandsgruppe "Rote Kapelle". Sie sollen die heutige Gesellschaft vor einer Wiederholung der Fehler warnen. Während Tony Cragg mit der aus Alltagsgegenständen komponierten Doppelfigur "Unheilige Geister" (1993) die eindimensionale Wahrnehmung hinterfragt, spiegelt die mit 76 Fotografien bestückte Installation "Korridor. Das Leben meiner Mutter II" (1992) von Ilya Kabakov den Alltag in der sowjetischen Gesellschaft. Yannis Kounellis beschäftigt sich als ehemaliger Hauptvertreter der Arte Povera in Gestalt einer aus Holz, Seil und einer Glocke bestehenden Installation (1993) mit der vom Nationalsozialismus geprägten einstigen "Ehrenhalle" des Haus der Kunst. Die Auseinandersetzung mit dem historischen Rahmen führte bei Rosemarie Trockel zum "Engel" (1993), gedacht als Denkmal für die homosexuellen Opfer des Dritten Reichs und Erinnerung an die Demütigung des Individuums.
Unter den multimedialen Arbeiten in der Ausstellung sticht Bruce Naumans "Clown Torture (I'm Sorry And No, No, No)" von 1987 hervor. Er sieht den Clown zugleich als Opfer einer absurden Situation und als Täter, der die Betrachter mit Lärm und Chaos foltert und so die unterschwelligen Gewaltstrukturen in der modernen Gesellschaft sichtbar macht. In einem engen Raum mit einer Video- und Klanginstallation liefert Bill Viola in "Reasons For Knocking At An Empty House" (1982) den Betrachter einer bedrohlichen Situation aus und stellt die Frage nach seiner gefährdeten Existenz. Dem Ausstellungsthema "Widerstand" lassen sich schließlich drei Foto-Leuchtkästen von Jeff Wall zuordnen: "The Thinker" (1986), "The Jewish Cemetary" (1980) und "Eviction Struggle" (1988), die aktuelle Themen wie Entfremdung und ökonomische Zwänge aufgreifen.
Die hier gezeigten Werke untermauern die von Carla Schulz-Hoffmann in ihrem einleitenden Katalogaufsatz vertretene These, dass Künstler heute, wo normative Weltbilder ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt haben, einen anderen, stilleren und subjektiveren Weg des Widerstands wählen als dies die großen Ikonen politischen Engagements – etwa Picassos "Guernica" oder Max Ernsts "Hausengel" (beide 1937) – taten.

Der broschierte Katalog im annähernden DIN A4-Format zeigt auf dem Titel ein Foto der Säulenreihe des Hauses der Kunst und umfasst 96 Seiten. Das Vorwort stammt von Christoph Vitali und Carla Schulz-Hoffmann, die neben Beiträgen von Hans Belting, Achille Bonita Oliva und Helmut Kronthaler den titelgebenden Aufsatz verfasst hat. Der Katalog stellt in alphabetischer Reihenfolge die Künstler vor, Farbfotos und je ein Aufsatz ergänzen die Kapitel.

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AUSSTELLUNG

Scharf im Schauen — Aktuelle Kunst in München

10.09 – 30.10.94

Unter dem Titel "Scharf im Schauen" – einem Zitat aus Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg" – widmete sich das Haus der Kunst der "aktuellen Kunst in München". MEHR


AUSSTELLUNG

Per Kirkeby — Vorahnung Nordpol.

16.11.94 – 15.01.95

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, das in seiner alljährlichen Novemberausgabe "Nummer 46" den eigens dafür geschaffenen Zyklus nach Art eines mit Pastellkreide gezeichneten Bildromans präsentierte. MEHR


AUSSTELLUNG

Tivadar Kosztka Csontváry 1853–1919

18.11.94 – 29.01.95

Tivadar Kosztka Csontváry (1853–1919) gilt als einer der bedeutendsten Künstler Ungarns und als einer der eigenwilligsten Maler seiner Zeit. MEHR


AUSSTELLUNG

Christian Boltanski: Résistance

Im Rahmen der Archiv Galerie 2015/16 wurden zwei künstlerische Interventionen für die Fassade des Haus der Kunst reaktiviert: Christian Boltanskis "Résistance" und Gustav Metzgers "Travertin/Judenpech". MEHR


Arbeitsblätter

Arbeitsblätter zur Archiv Galerie 2015/16

Hier finden Sie die Arbeitsblätter zur Archiv Galerie 2015/16 und zu den Arbeiten von Gustav Metzger und Christian Boltanski MEHR


AUSSTELLUNG

Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


AUSSTELLUNG

Roy Lichtenstein — Die Retrospektive.

14.10.94 – 08.01.95

Roy Lichtenstein gilt neben Andy Warhol als Begründer der Pop Art, die von Robert Rauschenberg und Jasper Johns vorbereitet worden war. MEHR


AUSSTELLUNG

Christian Boltanski — Verloren in München.

14.11.97 – 11.01.98

Die im Zusammenhang mit der "Edition No. 46" des SZ-Magazins für das Haus der Kunst entstandene Installation führt die Ausstellungsbesucher in eine temporäre Filiale des Münchner Fundbüros. MEHR


AUSSTELLUNG

Ai Weiwei. So Sorry

12.10.09 – 17.01.10

Ai Weiwei gilt als der bedeutendste chinesische Künstler der Gegenwart. Neben zahlreichen bekannten Werken aus den unterschiedlichsten Medien, wird "So Sorry" zwei neue Arbeiten zeigen, die eigens für das Haus der Kunst produziert wurden. MEHR


PDF, Essay

Ehemaliger Luftschutzkeller im Haus der Kunst

Der ehemalige Luftschutzkeller im Haus der Kunst — ein Text der Historikerin Sabine Brantl. MEHR


Essay

Kunst im "Dritten Reich": Hitlers Pinselführer

SPIEGEL-Artikel zu Adolf Ziegler, Maler und Präsident der Reichskunstkammer, dessen Akt „Die vier Elemente“ in der Ausstellung „Geschichten im Konflikt“ gezeigt wurde MEHR


Booklet

Geschichten im Konflikt

10.06.12

Der bebilderte Online-Parcours führt in sechs Stationen durch die Ausstellung "Geschichten im Konflikt", die sich kritisch mit dem historischen Erbe des Haus der Kunst auseinandersetzt. MEHR


AUSSTELLUNG

Wilhelm Lehmbruck

Die Ausstellung rückte 46 Skulpturen des Künstlers in den Mittelpunkt, lenkte den Blick aber auch auf eine Vielzahl von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken und brachte damit eine weitgehend unbekannte Seite des Künstlers zum Vorschein. MEHR


Presseecho

Geschichten im Konflikt

Zur Ausstellung sind in Rundfunk, Presse und Onlinemedien zahlreiche Berichte erschienen. MEHR


Beschlagnahme der "Entarteten Kunst" 1937/1938

Online-Datenbank zu allen 1937/38 aus deutschen Museen beschlagnahmten Werken "entarteter Kunst" - ein Projekt der FU Berlin MEHR


AUSSTELLUNG

Entartete Kunst — Bildersturm vor 25 Jahren

Die Ausstellung erinnerte an die von Adolf Hitler angeordnete Femeausstellung "Entartete Kunst", die 1937 parallel zur pompösen Eröffnung des "Hauses der Deutschen Kunst" stattfand. MEHR


AUSSTELLUNG

Die dreißiger Jahre. Schauplatz Deutschland

11.02 – 17.04.77

Golo Mann würdigte die Ausstellung zur deutschen Malerei, Skulptur und angewandten Kunst in den "Dreißiger Jahren" als ein kühnes Unterfangen – war doch die Epoche bis dahin mit einem Tabu belegt gewesen. MEHR


AUSSTELLUNG

Wunden der Erinnerung — Beate Passow und Andreas v. Weizsäcker.

06.05 – 28.05.95

Mit der Ausstellung wollte das Haus der Kunst anlässlich der 50. Wiederkehr des Tages der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur das Augenmerk auf die schreckliche Alltäglichkeit des Krieges. MEHR


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AUSSTELLUNG

Amar Kanwar

08.10 – 09.11.08

In dem 19-teiligen Filmessay befasst sich der indische Künstler auf direkte, elliptische und metaphorische Weise mit dem Kampf um eine demokratische Gesellschaftsordnung, mit politischem Exil, Erinnerung und Entfremdung. MEHR